Halbe Million Euro

Abzocke im Namen des Papstes: Sie betrog die Schwiegermutter von Heino Ferch

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Magdolna K. wird in den Gerichtssaal geführt.

Mit angeblichen Verbindungen zu Papst Benedikt XVI. hat eine Betrügerin die ehemalige Generalkonsulin Barbara Riepl dazu gebracht, ihr innerhalb von vier Jahren fast eine halbe Million Euro zu überweisen. 

München - Als eine liebende Mutter um ihren toten Sohn trauert, nutzt eine Betrügerin die Situation eiskalt aus - im Namen des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. Seit Montag wird der 68 Jahre alten Magdolna K. vor dem Landgericht der Prozess gemacht. Das Opfer: wohlhabend, streng katholisch und prominent. Barbara Riepl (70), ehemalige Honorargeneralkonsulin von Thailand und Schwiegermutter von Schauspiel-Star Heino Ferch, wurde um fast eine halbe Million Euro betrogen.

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Vor sieben Jahren lernten sich das Opfer und die Betrügerin auf einer Münchner Wohltätigkeitsveranstaltung kennen. Magdolna K. stellte sich als Gräfin, Professorin und Ärztin mit Lehrstuhl in der Schweiz vor. Es entstand eine Freundschaft. „Da wusste ich noch nicht, dass die Frau bösartigst krank und wie der Teufel ist“, sagte Riepl am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie ist eine Schauspielerin.“

Opfer Barbara Riepl bekam den Bayerischen Verdienstorden.

Tod von Riepls Sohn ausgenutzt

Denn ein Jahr später durchlebte die Geschäftsfrau ihre bislang schwerste Zeit. Mit nur 37 Jahren starb ihr Sohn an einem Gehirnschlag. Dann suchte Magdolna K. gezielt den Kontakt. „Sie wusste genau, in welches Loch sie hineinstoßen musste“, erinnert sich Barbara Riepl. „Ihr war bewusst, wie sehr mir der Glaube in dieser Zeit Halt gab.“ Magdolna K. redete ihr ein, sie habe beste Kontakte zum Vatikan. Vor allem mit Papst Benedikt und dessen Privatsekretär Georg Gänswein sei sie eng verbunden - alles gelogen, wie sich Jahre später herausstellen sollte. Doch erst einmal floss sehr viel Geld.

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Weil K. wusste, dass Riepl großzügig an katholische Einrichtungen und Projekte spendete, brachte sie die 70-Jährige dazu, ihr innerhalb von vier Jahren insgesamt 438.500 Euro für vermeintliche kirchliche Zwecke zu überweisen. So gaukelte sie ihr beispielsweise vor, Papst Benedikt sei dringend auf einen Treppenlift und einen Massagesessel angewiesen. Der Vatikan komme für derlei Annehmlichkeiten für einen emeritierten Papst aber nicht auf. Barbara Riepl stellte Schecks über 35.000 Euro aus.

Papst Benedikt soll der Angeklagten als Vorwand gedient haben.

Märchen von Krebserkrankung des Papst-Sekretärs

Weiteres Märchen: Papst Benedikts Sekretär, Georg Gänswein, sei an Prostatakrebs erkrankt. Eine lebensnotwendige Behandlung in Afrika wolle der Vatikan aber nicht bezahlen. Barbara Riepl überwies 40.000 Euro. Als Beweis erhielt die getäuschte Wohltäterin gefälschte Dankesbriefe des Papstes. „In väterlicher Umarmung, dein Vater Benedikt“ stand darunter. „Das hat mir damals sehr geholfen“, sagt Barbara Riepl. Die Unterschrift und das Wappen des Vatikans auf dem feinen Briefpapier: gefälscht.

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Es folgten weitere Zahlungen unter anderem für den Bau von Kinderkrankenhäusern in Afrika, Nonnen in Rumänien und für die Flüchtlingshilfe. Das Geld kam dort nie an. Spendenquittungen hat Barbara Riepl nicht bekommen. Rückblickend sagt sie: „Man wird vielleicht etwas dumm und großzügig.“

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K. nutzte die Großzügigkeit schamlos aus. Sie finanzierte sich ihr Leben, baute ihren riesigen Schuldenberg ab. Richter Frank Zimmer verlas Kontoauszüge. K. hatte das Geld vor allem für Schuhe ausgegeben. Vor Gericht zeigte sie späte Reue: „Es tut mir so furchtbar leid.“ Barbara Riepl hat ihr zwar verziehen, sagt aber auch: „Sie hat ein Stück meines Glaubens kaputtgemacht.“

Johannes Heininger

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