Nachruf

Ex-Gärtnerplatz-Intendant Klaus Schultz ist tot

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Klaus Schultz ist tot.

München - Der ehemalige Intendant des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz, Klaus Schultz, ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 66 Jahren. Ein Nachruf:

Menschen von so umfassender Bildung und so hohem Kunstverstand wachsen nicht nach. Dass man mit Klaus Schultz, dem Alles-, niemals Besser-Wisser, nun nicht mehr in Kontakt treten kann, ist ein schmerzlicher Verlust. Nach schwerer Krankheit ist er im Alter von 66 Jahren Samstagnacht in einem Münchner Krankenhaus gestorben. Er hinterlässt seine Frau und zwei Söhne.

Schultz, 1947 in Kissingen geboren, arbeitete zuerst als Diplombibliothekar – daher seine Gründlichkeit und Genauigkeit bei der Recherche –, wechselte dann aber bald zum Theater, wo er, zuerst in Frankfurt am Main, dann von 1977 bis 1982 unter August Everding in München, Chefdramaturg war. An der Bayerischen Staatsoper konzipierte er so informative Programmhefte, dass man diese oft länger im Gedächtnis behielt als die Aufführungen, denen sie galten.

Nach einem vierjährigen Intermezzo als Musikdramaturg bei den Berliner Philharmonikern begann 1984 Schultz’ Leben als Intendant. Nach Stationen zuerst in Aachen und dann in Mannheim, war er von 1996 bis zum Ende der Spielzeit 2006/07 Intendant und Chefdramaturg am Münchner Gärtnerplatztheater. Dort traute und mutete er dem Publikum einen ungewöhnlichen Spielplan zu mit vielen Stücken des 20. Jahrhunderts, darunter auch Münchner Erstaufführungen von Dieter Schnebel und Luigi Nono. Sein größter Erfolg war im Jahr 2003 die Uraufführung von Avet Terterians Kleist-Oper „Das Beben“, mit einem klugen Kunstgriff inszeniert von Klaus Guth: Gespielt wurde im Zuschauerraum, das Publikum saß auf Bühne und Rängen.

Inzwischen war Klaus Schultz in Bremen zum Professor ernannt worden, war ein gefragter Redner, leitete nach Everdings Tod die Bayerische Theaterakademie, schrieb Bücher, drehte Filme, trat auch selbst als Schauspieler auf (in Loriots „Ödipussi“) und erwies sich über Jahrzehnte als Homme de lettres. Unvergesslich ist er als Imitator. So gelang ihm das Double des Kritikers Joachim Kaiser bei einer Faschingsmatinée des Staatsorchesters im Cuvilliéstheaters derart täuschend, dass selbst Kenner bis zum Schluss an den genialen Schwindel glaubten. Seinen letzten Auftritt hatte Klaus Schultz vor wenigen Wochen im Jüdischen Gemeindezentrum, wo er Szenen aus Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ zitierte und spielte. Freunde freuten sich aufs nächste Mal.

Bitter war für Schultz der – man kann es nicht anders bezeichnen – unsanfte und vollkommen ungerechtfertigte Rausschmiss aus dem Gärtnerplatztheater wenige Jahre vor seiner Pensionierung. Das hat er nicht verwunden, trotz aller Ehrungen wie dem Bayerischen Verdienstorden oder der Aufnahme in den Bayerischen Maximiliansorden.

Er selber war und blieb ein treuer Freund, der, was heute selten ist, vorbehaltlos bewundern konnte: seinen Chef August Everding, Schauspieler wie Heinz Rühmann, oder Vicco von Bülow. Auf dem gleichen Berliner Friedhof in Berlin-Charlottenburg, wo Loriots Grab liegt, will auch Schultz begraben werden.

Das Gärtnerplatztheater wird ihn im Cuvilliéstheater mit einer Gedenkfeier ehren. Josef E. Köpplinger, Schultz’ Nach-Nachfolger als Chef am Gärtnerplatz, würdigte den Verstorbenen als „wunderbaren, humorvollen Menschen und Kollegenfreund“. Schultz sei ein „scharfer Analytiker“ und „kluger Mann“ gewesen, der „mit dramaturgischer Gewandtheit viele Talente entdeckt, gefördert und geleitet“ habe.

von Beate Kayser

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