Ehemaliger Nachbar erinnert sich

So wohnte Hitler in München

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Das Haus am Prinzregentenplatz 16 steht heute noch

München - Als Hitler 1933 die Macht an sich riss, war Edgar Feuchtwanger acht Jahre alt – und Nachbar des Führers, der am Prinzregentenplatz 16 auf satten 300 Quadratmetern wohnte.  Nun erinnert er sich, wie es war.

Edgar, Neffe des Schriftstellers Lion Feuchtwanger(Erfolg), emigrierte 1940 mit seiner Familie nach England und wurde Historiker – in seinem Buch Erlebnis und Geschichte (Duncker & Humblot) erinnert er sich, wie es war, Tür an Tür mit dem Massenmörder zu wohnen.

Schlicht Der Nachbar hat Edgar Feuchtwanger ein Kapitel genannt. Der Nachbar ist Adolf Hitler, und der kleine Edgar lebte mit seiner Familie quasi „im Epizentrum des Wirbelsturms, der die Welt bedrohte“, wie er schreibt.

Bewog ein Selbstmord Hitler dazu, die Wohnung zu behalten?

Hitlers Privatwohnung lag im zweiten Stock am Prinzregentenplatz 16 und war über 300 Quadratmeter groß. Von der Wohnung der Feuchtwangers in der Grillparzerstraße 38 konnte Edgar in Hitlers Heim hineinsehen. Schon 1929 war der spätere Führer hier eingezogen. „Hitler nennt sich einen Freund der deutschen Arbeiter, aber er wohnt in einer Neun-Zimmer-Wohnung in München“, kritisierte damals die SPD.

Feuchtwanger erinnert sich, dass er als Achtjähriger mal aufs Klingelschild sah – doch „Hitler“ stand nirgends, nur „Winter“. So hieß die Haushälterin des späteren Reichskanzlers. Der Historiker schreibt, dass Hitlers Halbschwester Angela Raubal zuvor den Haushalt führte. Mit deren Tochter Geli Raubal hatte Hitler eine „berüchtigte Affäre“. Geli habe sich 1931 in der Wohnung erschossen. „Das Zimmer, in dem sie sich umgebracht hat (wenn es denn wirklich Selbstmord war), blieb unverändert und unzugänglich wie eine Art Heiligtum, angeblich soll auch eine Büste von ihr dort aufgestellt worden sein. Vielleicht war es ja dieser Vorfall, der Hitler dazu bewog, die Wohnung zu behalten, als er schon an der Macht war“, schreibt Edgar Feuchtwanger.

Milchmann brachte weniger Milch, weil Hitler mehr brauchte

Er erinnert sich noch heute an viele Kleinigkeiten: wie die Mutter keine Milch bekam, weil der Milchmann sagte, Hitler brauche mehr Flaschen als sonst; wie Hitler im hellen Regenmantel und mit Schlapphut eines Morgens aus der Tür trat, einige Münchner „Heil Hitler!“ riefen und den Arm zum Gruß hoben – was der Führer mit Hutziehen quittierte, „so wie es ein ziviler, demokratischer Politiker auch getan hätte“.

Später wurde das deutlich anders: Da standen drei oder vier schwarze Mercedes-Benz an der Bordsteinkante vor dem Haus – er war also daheim. Damals war die Wohnung im ersten Stock, also unter der des Tyrannen, bereits von seinen Leibwächtern besetzt.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Die erschienen stets zuerst auf der Straße: „Man hörte das Klacken ihrer Stiefelabsätze auf dem Pflaster, wenn sie zu ihren Autos eilten. Die Motoren heulten auf, und dann kam er heraus. grüßte flüchtig und nahm seinen Platz neben dem Chaffeur ein“, schreibt der Historiker. „Wenn er in Richtung Innenstadt fuhr, machte die Kolonne eine scharfe Wendung mit quietschenden Reifen und brauste davon. Wenn er, was meistens geschah, zur Autobahn Richtung Salzburg fuhr (…), dann fuhren sie geradeaus.“ Zum Obersalzberg bei Berchtesgaden.

M.B.

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