Vor anderthalb Jahren gegründet

Schon prämiert: Münchens erste Bio-Brauerei sucht jetzt Anleger

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Sind stolz auf ihr prämiertes Bier: Marta und Thomas Girg gründeten 2016 das „Haderner Bräu“ und bekamen jetzt die erste Auszeichnung.

Für das Ehepaar Girg hat sich mit der eigenen Brauerei ein Traum erfüllt. Münchens erstes Bio-Bier ist bislang eine reine Erfolgsgeschichte - an der nun jeder seinen Anteil haben kann.

München - Was kommt heraus, wenn sich eine Wein-Sommelière und ein Bier-Sommelier zusammentun? Im Fall von Marta (41) und Thomas (40) Girg: Münchens erstes Bio-Bier. Im Sommer 2016 übernahm das Ehepaar eine kleine Hinterhofbrauerei (damals noch „Kraftbier“) in Hadern. „Mein Mann war früher als Selbstständiger so viel unterwegs, dass ich ihn nur selten gesehen habe“, erzählt Marta Girg. „Da kamen wir auf die Idee, zusammen zu arbeiten.“

Unter dem Namen „Haderner Bräu“ produzieren und vertreiben die Eheleute ihr naturbelassenes, unfiltriertes Bier in Bio-Qualität. Und ernteten jüngst die ersten Früchte ihrer Arbeit: Auf der „Grünen Woche“ in Berlin zeichnete Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) das „Haderner Dunkel“ als „Bayerns bestes Bioprodukt“ in Bronze aus.

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„Restaurants auf der Warteliste“

Marta Girg platzt fast vor Stolz, als sie davon erzählt. Die Auszeichnung bestärkt die Eheleute, weiterzumachen. Und zeigt ihnen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Ebenso wie die Nachfrage nach ihrem Bier, die stetig steigt. „Wir haben schon Restaurants auf der Warteliste, die gerne unser Bier ausschenken würden“, erzählt Marta Girg. Doch der Vier-Mann-und-eine-Frau-Betrieb aus Geschäftsführer Thomas Girg, Marketingleiterin Marta Girg, Vertriebsleiter Werner Rother, Braumeister Johannes Perniß und Azubi Quirin Ostermaier stößt langsam an seine Kapazitätsgrenze.

Drei bis vier Mal in der Woche wird gebraut, zwölf Tanks mit je 1000 Liter Fassungsvermögen stehen zur Verfügung. Doch das reicht nicht mehr aus. Im vergangenen Jahr produzierte „Haderner Bräu“ an die 1000 Hektoliter Bier - zum Vergleich: Bei Hofbräu beträgt der jährliche Bierabsatz 340.000 Hektoliter. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, wollen die Girgs ihren Ausstoß verdoppeln. Ergo: Größere Gärtanks und eine neue Kühlanlage müssen her. Auf längere Sicht brauchen sie wohl auch neue Räume, denn der Bau im Hinterhof, eine ehemalige Schlosserei, ist nur 130 Quadratmeter groß.

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Ehepaar verkauft Genussrechte

Bisher haben die Eheleute die Finanzierung mit Hilfe ihrer Bank selbst gestemmt. Für die Erweiterung suchen sie Unterstützer. Seit Anfang Februar verkaufen die Girgs sogenannte Genussrechte - damit bieten sie Interessenten eine Beteiligung an ihrem Betrieb an. Die Zinsen bekommen die Anleger in Form von Bier zurück. Das anvisierte Ziel: 100.000 Euro. Marta Girg sagt: „Man unterstützt damit nicht nur uns, sondern auch Bio-Bauern aus der Region.“ Denn: Die Girgs beziehen Malz und Hopfen ausschließlich von bayerischen Landwirten. „Das ist gerade beim Malz eine Herausforderung“, sagt Thomas Girg. „Aber das liegt uns am Herzen.“

Die Affinität zu Bio-Produkten erklärt Marta Girg mit der Familiengründung. „Wir haben zwei Söhne. Und wenn man Kinder hat, denkt man anders über die Zukunft nach. Wir wollen die Natur für die nächste Generation bewahren.“ Das Motto der Bio-Brauer aus Hadern lautet daher: „Unser Reinheitsgebot fängt auf dem Acker an.“

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“Typisches Münchner Bier ist dunkel“

Und wie schmeckt’s, Münchens erstes Bio-Bier? Auf jeden Fall sehr süffig. Das Haderner Dunkle punktet etwa mit karamelliger Malznote. „Das typische Münchner Bier ist dunkel“, sagt Thomas Girg, der nur braut, was ihm selbst schmeckt. „Wir haben uns nicht an irgendeinem Standardbier orientiert, sondern wollen unseren eigenen Weg gehen.“ Mit anderen aufstrebenden Jung-Brauereien wie Giesinger Bräu will sich Girg nicht vergleichen. „Wir wollen einfach langsam und gesund wachsen.“

Marta Girg nickt und schaut ihren Mann zärtlich an. Vergangenes Jahr hat er sogar ein eigenes Bier für sie abgefüllt. „Ich habe Thomas gebeten, mir ein leichtes Helles zu brauen, weil das weniger Alkohol und Kalorien hat“, erzählt sie. Dann muss sie lachen: „Als ich das nächste Mal in die Brauerei kam, lagerten 2000 Liter davon im Kühlhaus.“

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Janina Ventker

Haderner Bräu

Die kleine Brauerei befindet sich an der Großhaderner Straße 16, 81375 München-Hadern. Hofverkauf: Montag bis Freitag von 10 bis 15 Uhr, Freitag 15 bis 18 Uhr (mit Verkostung). Auch angeboten werden Braukurse. Telefon: 089/ 92 58 19 88, E-Mail-Adresse: info@haderner.de.

Kleine Brauereien - großes Potenzial

Mehr als ein Dutzend Kleinbrauereien gibt es mittlerweile in und um München. In den vergangenen Jahren habe es eine Reihe von Neugründungen gegeben, sagt Walter König, Geschäftsführer vom Bayerischen Brauerbund. Er sagt: „Das Potenzial ist sehr groß in einem Ballungszentrum wie München.“ Junge Brauereien wie etwa Crew Republic und Giesinger Bräu hätten gezeigt, dass sich auch neue Marken auf dem Markt etablieren können. Die Produkte seien innovativ - und oft extremer im Geschmack als die klassischen Biere.

Allerdings können die kleinen Brauereien nicht nur mit sogenannten Craft-Bieren überleben, die meisten haben mittlerweile auch Klassiker wie Helles im Angebot. Und: Die typischen bayerischen Biere werden wiederentdeckt. „Märzen ist arg im Kommen“, sagt König. Ebenso auf dem Vormarsch: historisch-naturtrübe Biere. Der Trend hin zu Mikrobrauereien ist in München ungebrochen. Und doch sei es kein neues Phänomen, sagt König.

Schon in den 80er-Jahren habe es eine Welle gegeben. Zu jener Zeit haben sich ebenfalls viele kleine Brauereien gegründet, meist allerdings in Form von Gasthausbrauereien. Ein Beispiel: das seinerzeit beliebte Flieger Bräu in Feldkirchen (Landkreis München), heute „Flugwerk“. König erklärt die Idee dahinter: „Das Bier braucht einen Ort, wo man es erleben kann, wo es ein Gesicht und Herz bekommt.“ Das hätten auch die neuen jungen Brauer verstanden. Vielerorts bieten sie Führungen an oder eröffnen eigene Wirtshäuser, wie etwa Giesinger Bräu.

Wo in München gebraut wird 

  • Brauerei im Eiswerk: Ohlmüllerstraße 45, Au, 089/ 39 29 23 50; Verkauf alle zwei Wochen mittwochs 17 bis 19 Uhr.
  • Richelbräu: Richelstraße 26, Neuhausen, 089/ 13 25 84; Hobbybrauerei, daher kein Verkauf, sondern nur Verkostung möglich.
  • Forschungsbrauerei: Unterhachinger Str. 78, Perlach, 089/ 670 11 69; Bräustüberl tgl. ab 11 Uhr geöffnet.
  • Hopfenhäcker Kreativbrauerei: Weißenburgerstr. 16, Haidhausen; Hofverkauf Fr 16 bis 20 Uhr, Sa 12 bis 16 Uhr.
  • Hauseigene Brauerei am Nockherberg: Hochstraße 77, Au, 089/ 45 99 13 0; Wirtshaus tgl. geöffnet. 
  • Paulaner Bräuhaus: Kapuzinerplatz 5, Isarvorstadt, Telefon 089/ 54 46 11-0; Wirtshaus täglich ab 11 Uhr geöffnet. 
  • Giesinger Bräu: Martin-Luther-Straße 2, Giesing, 089/ 55062184, Bräustüberl täglich geöffnet.

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