Kardinal Marx segnet die Rederichs

71 Jahre ein Herz und eine Seele

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Regina (94) und Zeno (95) Rederich lernten sich während des Kriegs in Koblenz kennen.

München - Unglaubliche 71 Jahre sind Regina (94) und Zeno (95) Rederich aus München verheiratet. Am Sonntag bekommen sie im Freisinger Dom den Segen von Kardinal Marx. Hier die Geschichte einer lebenslangen Liebe.

Nagelfeile – sie war sozusagen der Schlüssel zum Glück, berichtet der Münch­ner Merkur. Immer wieder kam der junge Zeno in den Laden, um für zehn Pfennig eine Nagelfeile zu kaufen. Warum? Weil hier Regina arbeitete. „Eine Vollblutverkäuferin“, sagt der 95-Jährige. „Wir waren schon sehr verliebt“, lächelt Zeno und zieht seine Frau am Kragen ihrer Strickjacke zu sich heran. „Gell, Mama, ko ma scho song.“

Regina nickt und tippt seine Schulter kurz mit ihrem Kopf an. Dann sagt er leise: „Im Krieg war jeder froh, wenn er jemanden hatte, an dem er sich festhalten konnte.“

Sechs Jahre war Zeno Rederich im Krieg. Direkt nach dem Überfall auf Polen wurde er zunächst in Koblenz stationiert. Regina, die aus der benachbarten Kleinstadt Vallendar kam und in Koblenz arbeitete, lief ihm abends in einem schmalen Gässchen in die Arme. Er fand raus, wo sie arbeitete – und kaufte Nagelfeile.

Zeno musste wieder an die Front. Aber sobald er Urlaub hatte, fuhr er zu Regina. „Wir waren jeden Urlaub beisammen und sind immer schweren Herzens auseinandergegangen“, so Zeno. Dann Feldpost nach Stalingrad: Regina ist schwanger! Zeno beantragte Sonderurlaub, um zu heiraten. „Das war ganz klar.“

Zeno Rederich hat viel zu erzählen aus dieser Zeit. Und immer spielt seine Regina die wichtigste Rolle. In der Metzgerei, die sie in seiner Heimatstadt Ergoldsbach eröffneten. Bei dem Chinchillahandel, der eine zeitlang richtig gut lief. Nur beim Bauen gab’s Differenzen: Etwa 35 Häuser baute und verkaufte Zeno Rederich. Ihr war das Risiko zu hoch. Er: „Aber es hat immer geklappt.“

Ihre Geschichte, die Geschichte einer Liebe im Krieg, werden sie vielleicht auch den anderen Paaren erzählen, die am Sonntag im Freisinger Dom von Kardinal Reinhard Marx den Segen erhalten. Zeno freut sich: „Dieser Marx gefällt mir.“ Und weil er hofft, einen alten Schulkameraden wiederzusehen, der ähnlich lange verheiratet sein muss wie er. Die Tochter wird dabei sein, die Enkelin und die drei Urenkel.

Angenommen, der Kardinal fragt die beiden, was alle wissen wollen: Wie das eigentlich geht, so lange verheiratet zu sein? Dann weiß Zeno die Antwort: streiten. „Heute streiten wir mehr als früher. Weil wir nix zu tun haben.“ Dann zieht er Regina zu sich heran: „Aber streiten ist gut, das erhält die Liebe. Gell, Mama?“

Marcus Mäckler

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