Ein Rendezvous ohne Wiederkehr

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Die Gufidauner Straße in Harlaching: Hier lebte Bettina Trabhardt. Im August 1997 verschwand sie spurlos.

Im Badezimmer lag noch ihr Bikini, in der Küche das benutzte Geschirr. Vor der Tür stand ihr Auto, im Keller das Fahrrad. Und im Kühlfach war das Eis, das sie ihren Kollegen versprochen hatte.

Die ganze Wohnung wirkte so, als käme Bettina Trabhardt (45) jeden Moment zurück. Darauf jedoch wartete ihre verzweifelte Familie umsonst – seit nunmehr elf Jahren. Das Schicksal der Münchner Krankenschwester ist einer jener seltenen Vermisstenfälle, die sich in all den Wochen, Monaten und Jahren niemals klären ließ. Am Abend des 12. August 1997 verließ die attraktive Frau in bester Stimmung ihr Wohnhaus. Seitdem wurde sie nie mehr gesehen.

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Ein neuer Job in der kardiologischen Abteilung der Internistischen Klinik Dr. Müller in Thalkirchen hatte die aus dem Raum Rosenheim stammende Krankenschwester im Mai 1997 nach München geführt. Erst sechs Wochen vor ihrem Verschwinden war sie auf der anderen Seite der Isar im grünen Münchner Villenviertel Harlaching in ihre neue Wohnung in der Gufidauner Straße eingezogen. Sie fühlte sich dort wohl, hatte sich auch an ihrer neuen Arbeitsstelle gut eingelebt. Nur der Mann fürs Leben – der fehlte ihr noch.

Mit 45 Jahren hatte diese gestandene, selbstbewusste und kontaktfreudige Frau klare Vorstellungen von ihrem Mister Wonderful. Sie ging gern aus, war öfter im Biergarten Menterschwaige oder am Nockherberg und auch mal im Harlachinger Nachtlokal „Pilshahn“ in der Otkerstraße (Untergiesing) zu Gast. Bei neuen Bekanntschaften achtete sie stets auf ein gepflegtes Äußeres und vor allem auf gute Umgangsformen. Mit genau solch einem, schon etwas älteren Gentleman war sie beim Nobel-Italiener „Trattoria Antica“ in Harlaching gesehen worden. Doch bis heute weiß die Kripo nicht, wer dieser Mann war.

Am 12. August sah eine Nachbarin, wie sich Bettina Trabhardt zunächst im Garten und dann auf ihrem Balkon sonnte. Ihr erzählte die 45-Jährige, dass sie abends noch in den Biergarten gehen wolle. Tatsächlich hatte sie nachmittags bei einem Freund eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen und ihm einen gemeinsamen Biergartenbesuch vorgeschlagen. Als er gegen 20 Uhr zurückrief, war Bettina schon weg.

Um 19 Uhr hatte sie – auch das sah die Nachbarin – bereits das Haus verlassen. Beschwingt und sehr elegant im „kleinen Schwarzen“ (Top oder Kleid mit Spaghettiträgern) war sie zu Fuß davongegangen – eigentlich viel zu schick gekleidet für einen Biergartenbesuch. Weil sie ihre Pläne geändert und stattdessen ein romantisches Rendezvous hatte? Am nächsten Tag um 10.30 Uhr warteten ihre Kollegen vergeblich auf sie. Das war völlig untypisch für die 45-Jährige, die als äußerst zuverlässig und korrekt galt. Sie hatte auch in den folgenden Tagen keinen einzigen Termin abgesagt.

Ihre Schwester und ihr Schwager brachen nach dem alarmierenden Anruf aus der Klinik sofort ihren Frankreich-Urlaub ab und erstatteten Vermisstenanzeige. Die beiden befragten Bettinas gesamten Bekanntenkreis und verbrachten viele Stunden in ihrer Wohnung auf der Suche nach irgendeinem Hinweis. Sie zwangen sich sogar – mit schlechtem Gewissen – ihr Tagebuch zu lesen. Fehlanzeige. Bettina hatte darin zum letzten Mal drei Tage vor ihrem Verschwinden ein paar persönliche Gedanken über zwei Bekannte und einen geplanten Urlaub im Oktober notiert.

Tief besorgt sagte ihr Schwager Ende August: „Bettina hat keinerlei Großstadterfahrung und – leider – auch überhaupt keine Angst. Sie ist sehr resolut und würde ohne Weiteres allein nachts durch den Park laufen.“

Weder die Familie noch die Mordkommission konnten je ergründen, was der Krankenschwester in jener Nacht zum 13. August 1997 zugestoßen ist. Nach Abwägung aller Erkennnisse bestehen für die Polizei kaum noch Zweifel daran, dass Bettina Trabhardt das Opfer eines bis heute unbekannten Mörders wurde.

Eine Serie von Dorita Plange

Spurlos verschwunden: Bettina Trabhardt.

Schmuck und Tasche wurden nie gefunden

Am Tag ihres Verschwindens bekam Bettina Trabhardt um 17 Uhr einen Anruf. Im gesamten Bekanntenkreis konnte nie nachvollzogen werden, wer dieser Anrufer war. Die Polizei sieht jedoch möglicherweise einen Zusammenhang zu Bettina Trabhardts Verabredung am Abend, die sie ganz offensichtlich hatte.

Als sie ihre Wohnung in der Gufidauner Straße verließ, hatte sie Schlüssel, Ausweis und Tränengas-Spray in einer wahrscheinlich kleinen, schwarzen Ledertasche bei sich. Diese Gegenstände sind nie gefunden worden – ebenso wie ihr bernsteinfarbener Anhänger an der langen Goldkette und ein ovaler, auffälliger Goldring mit schwarzen und weißen Perlen sowie Zirkoniasplittern. Unter Telefon 089/2910-0 ist die Mordkommission München für Hinweise erreichbar.

Quelle: tz

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