Eiskalte Einbrecher in Bogenhausen

München - Noch nicht einmal eine Stunde Abwesenheit der Bewohner in Bogenhausen genügten Einbrechern – schon war der Tresor geknackt und der Schmuck verschwunden:

Innerhalb weniger Stunden erbeuteten eiskalte Einbrecher am Donnerstag im elegantesten Teil Bogenhausens ein Vermögen von mehreren Zehntausend Euro. Offenbar sind hier hochaktive ­Serientäter am Werke, denn zur Zeit vergeht kein Tag, an dem die Polizei nicht zwei oder drei Einbrüche vermeldet.

954 Einbrüche registrierte die Polizei im Jahr 2009 allein im Stadtgebiet. In diesem Jahr wurde seit dem 1. Oktober bereits 54 Mal eingebrochen. Bevorzugte Ziele sind die großen Villen in den eleganten Vierteln Münchens wie Bogenhausen, Nymphenburg, Gern oder Schwabing und die Wohnviertel der Landkreis-Gemeinden. Dämmerungswohnungseinbrecher nennt die Polizei jene Täter, die im Winter meist am früheren Abend zuschlagen, wenn die Bewohner noch arbeiten oder einkaufen. So war es auch in der Beetzstraße in Bogenhausen. Um 17.20 Uhr hatten die Bewohner – ein Unternehmensberater und seine Frau – das Haus verlassen. Um 18.10 Uhr kamen sie zurück. Da war die Terrassentür aufgebrochen, der Tresor geplündert, der kostbare Schmuck verschwunden und alle Zimmer des Hauses durchsucht worden. Vermutlich dieselben Täter stiegen in der Zeit von 14.30 Uhr bis 20 Uhr in der benachbarten Möhlstraße in die Villa einer Lehrerin ein. Auch hier fanden sie sehr teuren Schmuck und Bargeld.

Einbrecher eiskalt – rein statistisch schneidet München im bundesdeutschen Großstadt-Vergleich bei den Einbruchszahlen aber nicht schlecht ab, wie Zahlen des BKA beweisen (siehe unten).

D. Plange

So sicher ist München im Vergleich

Die Liste zeigt die Statistik der Einbrüche in den 20 größten Städten Deutschlands mit mehr als 300 000 Einwohnern.

Stadt Einbrüche 2009 gesamt Fälle pro 100.000 Einwohner
Bremen 2908 531
Bonn 1327 417
Hamburg 7006 395
Düsseldorf 2254 386
Köln 3766 378
Essen 2121 366
Dortmund 1929 330
Duisburg 1536 311
Bochum 1060 280
Berlin 9028 263
Hannover 1362 262
Frankfurt a. M. 1732 261
Wuppertal 847 240
Leipzig 1162 225
Bielefeld 446 138
Mannheim 396 127
Stuttgart 641 107
München 954 72
Nürnberg 315 63
Dresden 245 48

Quelle: BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2009

Unsichere Verstecke

Der Zweitschlüssel in der Garage, auf dem Türstock oder unter dem Blumentopf – das sind keine Verstecke, sondern Einladungen für Einbrecher. Auch das Bargeld unter der Matratze, im Wäscheschrank, im Kissenbezug oder im Wohnzimmerschrank ist leichte Beute für Einbrecher, die genau an diesen Stellen stets zuerst nachsehen. Auch die Schmuckschatulle im Bad ist mit Sicherheit sofort weg. Darum gibt es für Schmuck oder Bargeld überhaupt nur einen sicheren Platz: Im Safe bei der Bank. Viele Bewohner haben auch daheim einen Safe. Der jedoch nutzt gar nichts, wenn die Kombi oder der Schlüssel dazu im Schreibtisch oder in der Pralinendose nebendran verwahrt werden. Zudem werden Safes und selbst größere Tresore nicht selten direkt vor Ort mit brachialer Gewalt aufgebrochen oder aus der Wand gestemmt und gleich im Ganzen mitgenommen. Auch den Wandtresor hinter dem Bild finden die Täter nach den Erfahrungen der Kripo fast immer. Licht im Garten, Haus oder in der Wohnung schreckt Täter ab. Auch Nachbarn sollten gegenseitig ein wenig aufeinander achten. Bei verdächtigen Aktivitäten nebenan: Nicht klingeln oder die Konfrontation suchen. Besser ist es, sofort die Polizei über Notruf 110 zu rufen.

Die Tat in Zahlen

Bayern ist das sicherste Bundesland, München die sicherste Metropole – das gilt auch für Wohnungseinbruch. Genau 954 Taten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr in unserer 1,3-Millionen-Stadt, vor zehn Jahren waren es fast noch doppelt so viele. Die aktuelle Zahl entspricht 72 Fällen pro 100 000 Einwohnern, das ist der niedrigste Wert seit Jahren. Die Tendenz ist auch im Landkreis München fallend – dank Prävention in den Wohnungen, Wachsamkeit der Bürger und Aufklärung durch die Polizei.

Zum Vergleich: In den anderen Millionenstädten Berlin, Hamburg und nun auch Köln ist das Risiko, Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden, vier- bis fünfmal so groß! Am größten ist die Gefahr in Bremen mit einer mehr als ­siebenfach erhöhten Wahrscheinlichkeit! Etwas sicherer als München sind nur sehr viel kleinere Städte wie Dresden und in Bayern auch Nürnberg, Fürth, Würzburg, Augsburg und Erlangen.

Auch bundesweit ist die Tendenz langfristig stark rückläufig, allerdings gab es im vergangenen Jahr wieder einen leichten Anstieg auf 113 800 erfasste Einbrüche, wobei jeder dritte als Versuch eingestuft wird. Insgesamt gilt jede dritte Tat als Tageswohnungseinbruch zwischen 6 und 21 Uhr. Großstädte sind im Schnitt am stärksten betroffen. Insgesamt konnte die Polizei rund jeden sechsten Fall aufklären. Bei den meisten Einbrüchen liegt der Schaden zwischen 500 und 5000 Euro. Nicht zu bemessen ist die Traumatisierung vieler Opfer.

DAC

Rubriklistenbild: © dpa

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