Einbrüche in Münchner Villen

Er räumte Bogenhausen aus - 750.000 Euro Beute

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Der Serbe Bozidar S. (54) erbeute in Bogenhausen und Oberföhring Waren im Wert von 750.000 Euro.

München - Lesen und Schreiben? Das hat Bozidar S. (54) nie richtig gelernt – ebensowenig wie einen anständigen Beruf. Als Einbrecher soll der arbeitslose Serbe aber ein rechter Experte sein.

Er soll mit schweren Eisenstangen insgesamt zwölf Mal in Münchner Villen eingebrochen sein und innerhalb von zwei Monaten rund 750 000 Euro erbeutet haben. Wegen versuchtem und schweren Bandendiebstahls musste Bozidar S. sich am Mittwoch vor dem Landgericht verantworten.

Die Route des Diebes: Sie führt quer durch Bogenhausen und Oberföhring. Rund um den Böhmerwaldplatz fängt der Raubzug an, so die Anklage: Am 3. November 2007 schleicht sich Bozidar S. von hinten an ein Haus heran, hebelt mit seiner anderthalb Meter langen Eisenstange die Terrassentür aus, überlistet die Alarmanlage – und klaut Damenschmuck im Wert von 7000 Euro. Nur wenige Meter entfernt macht er am 8. November in der Ebersberger Straße auf gleiche Weise weiter, durchwühlt das Haus, stiehlt Goldringe und Perlenketten im Wert von 20 000 Euro. Wieder einen Tag später bricht er in der Delpstraße ein und macht fette Beute: Bulgari-Uhren, Chopard-Taschen und Bargeld im Wert von 33 500 Euro.

Wochenlang treibt der Einbrecher so sein Unwesen in Bogenhausen – auch in der Eisensteinstraße, Osserstraße, Scheinstraße und Asgardstraße bricht er ein. In drei Fällen knackt er – wohl mit Komplizen – sogar Tresore. Später setzt er sich nach Serbien ab. Erst am 2. Februar 2012 schnappt ihn die Polizei mit einem internationalen Haftbefehl.

Vor Gericht kauert Bozidar S. (Halbglatze, Kugelbauch) in seinem grünen Fellparka im Stuhl – die Augen müde und leer, der Rücken zum Buckel gerollt. Er hat Herzprobleme, aber: Ob er ins Gefängnis muss, ist ihm egal. Wann er rauskommt? „Vielleicht im Sarg.“ Ein Geständnis lehnt er ab und schweigt.

S. ist als zweitjüngstes von 13 Kindern ohne Heimat aufgewachsen. Die Familie hat keinen festen Wohnsitz, ist immer unterwegs, meist in Süditalien. Bozidar verpasst die Schule, hält sich mit Autohandel über Wasser. Zieht 1987 mit seiner Frau nach Köln – zusammen haben sie sieben Kinder. Zu ihnen hat Bozidar kaum Kontakt, stattdessen kassiert er zehn Vorstrafen, wird zweimal abgeschoben.

Vier Verhandlungstage sind am Landgericht angesetzt. Das Fazit des ersten: Hier sitzt ein Mensch, der mit seinem Leben abgeschlossen hat. Ihm drohen fünf Jahre Haft.

Andreas Thieme

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