Brillen für 300.000 Euro gestohlen

Diebe räumen Edel-Optiker leer

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Leere Regale, leere Schubladen: Dem Münchner Christian Fischer sind in der Nacht auf Donnerstag sämtliche Brillen aus seinem Geschäft „Augenart“ an der Sollner Straße 42 gestohlen worden.

München - Spektakulärer Einbruch in Solln: Unbekannte haben in der Nacht auf Donnerstag bei einem Nobel-Optiker mehr als 2000 Fassungen erbeutet – fast alle sind Unikate.

Der Münchner Optiker Christian Fischer hat ein einzigartiges Geschäft: bei „Augenart“ kann sich jeder Kunde seine individuelle Brille anfertigen lassen. In der Nacht auf Donnerstag brachen nun Unbekannte in den Laden in Solln ein und räumten diesen komplett leer. Der Schaden ist groß: 200 000 bis 300 000 Euro Verkaufswert hatte die Ware laut Fischer. Doch es sind auch die Muster verschwunden, die er dringend für seine Arbeit benötigt.

Die Spezialität des jungen Optikers ist, dass er seine Fassungen nach Kundenwünschen individuell anfertigt. Das Bild rechts zeigt das schmale Fenster, durch das sich die Täter zwängten. Optiker-Werkzeuge und -Geräte ließen die Einbrecher nicht mitgehen.

Wie die Polizei bestätigt, sind die Täter über ein Hinterfenster in das Gebäude eingestiegen. Zwischen Mittwochabend, 20 Uhr, und Donnerstagfrüh, etwa 8 Uhr, hebelten sie ein schmales Fenster auf und zwängten sich hinein. Drinnen rafften sie nahezu sämtliche Brillengestelle zusammen, die Fischer ausgestellt und im Lager hatte. Anschließend entkamen die Diebe wieder unerkannt aus dem Geschäft.

Dabei ist Geschäft eigentlich gar nicht der richtige Ausdruck: „Augenart“ befindet sich in einer alten Villa an der Sollner Straße 42 und wirkt mit seiner komplett in weiß gehaltenen Einrichtung eher wie eine Mischung aus Arztpraxis und modernem Wohnzimmer. Normalerweise hat Fischer hier rund 500 selbst gefertigte Brillen-Muster ausgestellt. Aus diesen Modellen sucht sich der Kunde eines aus, das in etwa seinen Vorstellungen entspricht. Der Optiker verändert dann am Computer Details. Zudem werden Bügellängen und Nasensteg ausgemessen, so dass am Ende eine absolut individuelle Brille gefertigt wird. In Edelstahl oder Kunststoff, Weißgold oder Büffelhorn.

Neben einiger dieser Maßanfertigungen haben die Diebe hunderte Muster, aber auch etliche Marken-Gestelle, aus dem Hochpreis-Segment mitgehen lassen, die der 32-Jährige ebenfalls vertreibt. Insgesamt sind laut Fischer mehr als 2000 Brillen verschwunden, etwa ein Viertel davon sind Sonnenbrillen.

Ob jemals wieder eine davon auftaucht? „Wenn ich jemanden mit einer meiner Brillen in der Stadt sehe, erkenne ich das sofort“, ist sich Fischer sicher. Aber die Erfahrung zeigt, dass im großen Stil gestohlene Brillen in der Regel im Ausland weiterverkauft werden. Und dann ist es nahezu unmöglich, an die Täter zu kommen.

Da Fischer für die Beratung dringend seine Muster-Sammlung benötigt, kann er momentan nur sehr eingeschränkt arbeiten. „Wir sind bereits mit Hochdruck dabei, neue Fassungen nachzuproduzieren“, sagt der Optiker. „Diese werden in etwa zwei Wochen fertig sein, dann können wir das Ladengeschäft wieder anlaufen lassen.“ Dem jungen Geschäftsmann setzt die Situation sehr zu, insbesondere weil er erst vor zwei Wochen in Pullach seine zweite Filiale eröffnet hat.

Die Polizei bittet um Hinweise, wer in der Nacht auf Donnerstag Verdächtiges an der Sollner Straße bemerkt hat. Vermutlich dürfte zum Abtransport der Beute ein Fahrzeug benutzt worden sein. Außerdem fragt die Polizei, ob womöglich anderen Händlern größere Mengen hochwertige Brillen zum Kauf angeboten wurden. Hinweise unter der Telefonnummer 089/29 10-0

Sven Rieber

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