Der Ekel bleibt

Einbruch beim Polizeibeamten - So belastend ist es, wenn Fremde das Haus durchwühlen

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Psychische Folgen: Christian D. vor Gericht mit einem Foto von Familienhund Balu, der wohl bei dem Einbruch im November 2016 außer Gefecht gesetzt wurde.

Das Haus war verwüstet und Balu, der Familienhund völlig verstört -  in diesem Fall war das Einbruchsopfer ein Polizeibeamter. Doch auch seine Familie hat es schwer damit klar zu kommen. 

München - Bei diesem Zufall muss sogar der Vorsitzende Richter Philipp Stoll schmunzeln. „Verzeihen Sie“, sagt er zu dem Zeugen Christian D., der am Mittwoch vor Gericht aussagt. „Das Ganze ist ja wirklich nicht lustig.“ Aber ein seltsames Zusammentreffen zweier Ereignisse. Denn ausgerechnet während der Polizeibeamte am 14. November 2016 bei einem Dienstessen mit seinem Chef Maßnahmen zur Bekämpfung der organisierten Einbruchskriminalität ausarbeitete, wurde er selbst Opfer mehrerer Einbrecher.

Einbrecher verwüsten das ganze Haus

„Schon beim Betreten des Wohnzimmers habe ich gesehen, dass etwas nicht stimmt“, sagt der 38-Jährige. Denn die Terrassentüre stand offen. Beim Einbruch müssen die Täter sehr gewaltsam vorgegangen sein: 60 Hebelversuche stellte die Spurensicherung später fest.

Christian D. und seine Frau merkten schnell, dass ihr ganzes Haus in der Fasanerie verwüstet worden war. Schmuck fehlte ebenso wie der Safe samt Waffe, Munition und Bargeld. Außerdem war Familienhund Balu nach dem Einbruch völlig verstört, hatte Durchfall und erbrach sich. Laut Anklage könnte der Labrador durch Beruhigungsmittel sowie einen Schlag gegen den Kopf außer Gefecht gesetzt worden sein. „Der Tierarzt meinte, der Hund hat vermutlich einen Köder bekommen“, berichtet Christian D. Das hatte der Angeklagte Marius A. am ersten Prozesstag bestritten. „Der Hund war ganz friedlich“, sagte er.

So leidet die Familie unter den Folgen des Einbruchs

Die vor allem psychischen Folgen des Einbruchs spüren der 38-Jährige und seine Frau noch immer. „Vor allem meine Frau hat es sehr getroffen“, sagt Christian D. Am Anfang konnte sie nicht mehr in der Wohnung schlafen, traute sich nicht alleine nach Hause. „Wir haben uns sogar die Frage gestellt, ob wir dort wohnen bleiben können“, sagt D. Denn auch der Ekel, dass fremde Menschen in die Privatsphäre eingedrungen sind, alles angefasst und durchwühlt haben, war lange Zeit präsent.

Marius A., ein arbeitsloser und vorbestrafter Betriebswirt, gesteht zu Prozessbeginn alle neun Einbrüche, die ihm zur Last gelegt werden. Insgesamt erbeuteten er und seine Komplizen laut Anklage mehr als 120.000 Euro. Ein DNA-Treffer überführte den 29-Jährigen. Der Rumäne hat eine Strafe aus einem vorherigen Verfahren bereits abgesessen. Damals hatte ihn das Gericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt.

Nach einer Verständigung von Staatsanwalt, Verteidiger und Gericht wird Marius A. wahrscheinlich eine Haftstrafe zwischen drei Jahren, neun Monaten und vier Jahren, sechs Monaten bekommen. Der Prozess wird fortgesetzt. 

Stefanie Wegele

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Kommentare

Kurt.Kabelbinder
(1)(0)

Die in Aussicht gestellten Haftstrafen sind dann aber eher ein Witz - Abschreckung: kaum bis gar nicht!