Eine Betroffene berichtet

Einbruch-Horror: Schon zehn Fälle an einem Tag!

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München - Jeden Tag geschehen in München im Schnitt zehn Einbrüche. Und es wird immer schlimmer. Auch beim Kriminalchef haben sie es schon probiert. Eine Betroffene berichtet.

Am einen Tag in Nymphenburg, am nächsten in Neuaubing. Und nie weiß man, wo sie morgen zuschlagen: Jeden Tag geschehen in München im Schnitt zehn Einbrüche. Allein am vergangenen Wochenende wurde in München 66 Mal in Häuser, Wohnungen und Geschäfte eingebrochen. Bereits 1437 (im Vorjahr 1201) Einbruchsdelikte geschahen in diesem Jahr in München. Im September waren es 119, im Oktober 183 und im November bereits 253 Einbrüche. Das entspricht einer Steigerung von 20 Prozent. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Polizei-Vizepräsident Robert Kopp haben den Tätern am Mittwoch offiziell den Kampf angesagt.

Dorita Plange 

Angst ist weg – doch Wut bleibt

Angst und Hilflosigkeitsgefühle sind gewichen. Doch die Wut – die ist geblieben: Im Oktober wurde Ingrid G. (57; Name geändert) aus Neuaubing das Opfer von Einbrechern.

Sie erinnert sich noch genau, wie sie an jenem Abend gegen 22.15 Uhr mit ihrem Lebensgefährten heimkam. Da sagte er: „Hast Du etwa die Terrassentür aufgelassen?“ Sie zuckte nur die Schultern, schloss die Tür und ging hinauf.

„Im Schlafzimmer sah ich, dass ein Kopfkissen abgezogen worden war. Und dann der Schock, als ich merkte: Oh Gott, hier fehlt was! Da war einer in meinem Schlafzimmer!“ Ihr schöner Schmuck, einige Seidentücher, ein Kroko-Gürtel – alles weg. Wert: Etwa 30 000 Euro.

Zum Schaden der Schock: Bei Ingrid G. wurde eingebrochen

In den nächsten Stunden gaben sich Polizei, Spurensicherung und Kripo die Klinke in die Hand. Und Ingrid G. fühlte sich wie in einem bösen Traum. „Ich spüre erst jetzt, wie schlimm es ist, Erinnerungsstücke zu verlieren.“ Zum Beispiel das schlichte Goldkettchen mit dem Perlenanhänger, dass sie zu ihrem 15. Geburtstag von ihrem Vater bekam: „Die neueren Schmuckstücke kann ich wieder ersetzen. Doch dieses Kettchen und noch eine kleine handgemachte Goldbreze mit Diamant-Salzkörnern sind unersetzlich.“

Die nächsten beiden Nächte wollte Ingrid W. nicht in ihrem Schlafzimmer verbringen. Mittlerweile ließ sie die hohe Hecke vor ihrer Terrasse um gut einen halben Meter kürzen und Fenster und Türen mit speziellen Schlössern sichern: „Es kostete einige hundert Euro, viel weniger als ich dachte. Jetzt fühle ich mich wieder sicher.“

Bei der Befragung der Anwohner meldete ein Nachbar, der an jenem Abend kurz nach 18 Uhr einen blonden, jungen Mann mit einem „prall gefüllten weißen Sack“ durch den Garten laufen sah. „Das war nur wenige Minuten nachdem wir das Haus verlassen hatten. Wir wurden also von draußen beobachtet, als wir gingen. Und das ist überhaupt kein gutes Gefühl“, sagt das Opfer.

Beim Kriminalchef haben sie es auch probiert

Peter Reichl

Selbst Polizisten werden zuweilen Opfer der Einbercherbanden – wie der jüngste Fall von Peter Reichl, Chef des Münchner Kriminaldauerdienstes, beweist: Bei seinem Onkel war kürzlich eingebrochen worden. So beschäftigte sich der Kriminalrat rein privat mit den besten Sicherungsmöglichkeiten für Türen und Fenster und war beeindruckt von der Demonstration, wie leicht und schnell einfache Türen und Fenster geknackt werden können. Sein Vermieter ließ bei der letzten Renovierung bereits die neuesten Beschläge an Türen und Fenstern einbauen. Als ob er es geahnt hätte: Vor zwei Wochen versuchten Einbrecher, Reichls Terrassentür zu knacken. Sie scheiterten kläglich – und gaben bald auf.

Das sagt der Polizeichef

Polizei- Vizepräsident Robert Kopp (l.) und Innenminister Joachim Herrmann

Ohne die Mithilfe der Münchner Bürger geht nichts – meint Polizei-Vizepräsident Robert Kopp. Selbst die kleinste Beobachtung (fremde Autos, fremde Leute, etc.) kann wichtig sein. „Es melden sich etwa 35 Münchner am Tag am Notruf. Damit gelangen uns bereits 25 Festnahmen.“ Die Münchner Polizei wird die Präventionsarbeit forcieren. Trotz der hohen Zahlen ist München immer noch Schlusslicht im Einbruchsvergleich der deutschen Großstädte. Das liegt nach Kopps Ansicht auch daran, dass in München Einbrüche von der Kripo bearbeitet werden und die Uniformierten immer schnell wieder auf der Straße präsent sind.

Das sagt der Innenminister

Es ist die Sorglosigkeit vieler Bürger, die es den Einbrechern oft so leicht macht. Darum hat Innenminister Joachim Herrmann verfügt, dass in allen Teilen Bayerns die Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung von Wohnungseinbrüchen intensiviert werden müssen. Die Bewohner der Dörfer machen es den Großstädtern vor: „Dort fällt ein Fremder sofort auf. Dort gibt es noch Sozialkontrolle. Es ist also kein Zufall, dass die Einbrecher die Anonymität der Städte nutzen.“ In Bayern wurden im letzten Jahr 5700 Einbrüche (+ neun Prozent) gezählt. Das Ministerium rechnet mit einem weiteren Anstieg der Zahlen in diesem Jahr.

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