Eine Kartoffel als Folterinstrument

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Der angeklagte Immobilienhändler Jeremie T. gibt zu, seinen Mitarbeiter gequält zu haben.

München - Einen krassen Fall von Selbstjustiz muss derzeit das Landgericht verhandeln: Jeremie T. (33) sperrte einen Mitarbeiter ein und folterte ihn auf brutale Weise, um diesen zur Herausgabe gestohlener Gegenstände zu zwingen.

 Als Waffe setzte der wegen Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung angeklagte Immobilienhändler auch eine Kartoffel ein, die er in eine Socke gestopft hatte. Damit schlug er auf sein Opfer ein.

Daniel L. (26) sollte für seinen Chef am Telefon Immobilien verkaufen. Der gelernte Koch hatte Zutritt in das Wohn- und Bürogebäude seines Chefs in feinster Lage in Neuhausen. Dabei machte er lange Finger, wie er als Zeuge gestern selbst zugab. Er klaute eine gefälschte Cartier-Uhr, die er jedoch für echt hielt, sowie einen Nokia-Communicator. Der Chef vermisste außerdem ein I-Phone. Nachdem zwei weitere Mitarbeiter als Diebe wohl ausschieden, knöpfte sich Jeremie T. am 26. Oktober 2009 Daniel L. vor.

Ein brutales Folter­ins­trument: Mit einer in eine Socke gestopften Kartoffel hat der angeklagte Firmenchef seinem ­Opfer sehr schmerzhafte Schläge ins Gesicht verpasst.

Der Angeklagte gibt zu, dass er in Rage geraten war: „Ich habe seine Tasche ausgeleert. Da fiel mein Communicator raus.“ „Er hat mich mit einem Teleskop-Schlagstock gewürgt“, so Opfer Daniel L. im Zeugenstand. Ein Mitarbeiter habe die Waffe dem Chef aus der Hand genommen, um Schlimmeres zu verhindern. Auch als Jeremie T. sein Opfer mit einer Schreckschuss-Pistole bedrohte, schritten Mitarbeiter ein. Doch der wütende Chef ließ nicht locker. Mit einem Fleischklopfer drohte er, die Finger des 26-Jährigen zu brechen: „So macht man das mit Dieben.“ Nach weiteren Drohungen setzte der Täter eine Waffe ein, um sein Opfer zu quälen.

In der Anklage heißt es: „Unter ständigem Wiederholen der Frage nach der Uhr beziehungsweise dem Handy schlug der Angeklagte dem Geschädigten im weiteren Verlauf mit einer in eine Socke gestopfte rohe Kartoffel mehrmals ins Gesicht, so dass dieser erhebliche Schmerzen erlitt.“ Nachdem der Täter die leicht angefaulte Kartoffel zu Matsch geschlagen hatte, stopfte er eine neue Kartoffel in die Socke.

Daniel: „Damit hat er wieder zugeschlagen.“ Zudem hatte der Angeklagte sein Opfer mit Schlägen und Fußtritten traktiert. Ein Tritt in die Niere, so der geständige Jeremie T., sei „ein Versehen“ gewesen. Warum unternahm Daniel L. keinen Fluchtversuch? „Ich hätte es probieren können“, so der Zeuge. „Aber ich hatte Angst.“ Am Ende gab er seinem Peiniger Code-Nummern für Bank und Email, um nicht weiter gequält zu werden. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Eberhard Unfried

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