Eine-Million-Euro-Geige in der S-Bahn vergessen

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Diese Geige im Wert von einer Million Euro hat ein Musiker in der S-Bahn vergessen.

München - Wie kann so etwas passieren? Ein Musiker ist mit einer Geige im Wert von einer Million Euro in der S-Bahn unterwegs - beim Aussteigen hat er sie einfach vergessen.

Der rein materielle Wert dieser einzigartigen und unersetzlichen Geige wird auf eine Million Euro geschätzt. Ihrem Besitzer jedoch – dem Geigen-Virtuosen Conrad Muck (45) vom renommierten Berliner Petersen Quartett – bedeutet sie soviel mehr. Sie hat ihn groß gemacht. Ohne sie wäre er verloren. Das muss man wissen, damit man sich auch nur im Ansatz in seinen namenlosen Schrecken hineinversetzen kann:

Nach einem Asien-Flug stieg der Musiker am Freitag am Münchner Flughafen in die S1, stieg am Hauptbahnhof wieder aus – und ließ die Geige liegen! Das Berliner Petersen Quartett gönnt sich zur Zeit eine einjährige Pause. Diese Zeit nutzt der gebürtige Berliner Conrad Muck auch für Reisen. In allen großen Konzertsälen der Welt – zum Beispiel Berliner Philharmonie, Wigmore Hall London, Carnegie Hall New York und auch dem Münchner Herkulessaal – haben ihm die Menschen zugejubelt. Und immer ist seine Geige (1748 in Italien gebaut) dabei.

Vermutlich lag es an der Zeitverschiebung und der damit verbundenen Müdigkeit, dass Conrad Muck am Freitag nach dem langen Flug nicht so ganz bei der Sache war. Am Abend meldete er sich völlig aufgelöst bei seiner Münchner Managerin: „Ich habe meine Geige in der S-Bahn liegengelassen. Hilf mir!“ Die Frau verständigte sofort die Bundespolizei, die eine „Sofortfahndung“ in Gang setzte. Ein Bahnbediensteter stieg noch auf der Stammstrecke in die S1, fand die Geige sofort und beschützte sie, bis die Bundespolizei das gute Stück am Leuchtenbergring in Empfang nahm.

Kurz darauf drückte Conrad Muck die Geige am Ostbahnhof überglücklich an sein Herz. Dann allerdings musste er zum Arzt: Der Stress war einfach zuviel für ihn. Er hat sich aber schnell wieder erholt. Mittlerweile ist er wieder in Asien – mit seiner Geige.

D. Plange

Die teuersten Instrumente

Eric Clapton hat sie liebevoll gestreichelt und hart gezupft: Seine E-Gitarre Blackie wurde 2004 für 950 000 US-Dollar (683 000 Euro) verkauft. Ein Schnäppchen im Vergleich zu dem Klavier, auf dem Beatles-Sänger John Lennon komponierte. Popstar George Michael legte für den Steinway 2,1 Millionen Dollar (1,5 Mio. Euro) auf den Tisch.

Zum Vergleich: Der wohl teuerste Flügel der Welt ohne Promi-Bonus, der Fazioli 308, ist für 133 280 Euro zu haben. Der Spitzenreiter ist eine Geige: Drei Jahre vor seinem Tod baute der Italiener Guarnerius del Gesu seine „Vieux­temps“ von 1741. Sie wird für 18 Millionen US-Dollar angeboten (13 Mio. Euro).

75.000 Teile im Fundbüro

Es ist kaum zu fassen, was die Leute alles liegen lassen. Die Millionen-Geige ist nicht das erste herrenlose Instrument: In den Münchner U-Bahnen wurden bereits eine Blockflöte und eine Bratsche gefunden, berichtet Daniela Schlegel vom Kreisverwaltungsreferat.

Sogar ein kompletter Kaugummiautomat landete im Fundbüro. „Den hat die Polizei auf der Straße gefunden und bei uns abgeliefert.“ Fliegen scheint besonders vergesslich zu machen, täglich verlieren hunderte Passagiere am Flughafen München ihr Hab und Gut, ohne beklaut zu werden. Am Airport werden jedes Jahr über 75 000 Fundsachen abgegeben. Die Liste reicht von einer Motorsäge über ein aufblasbares Gästebett, ein getragenes Hochzeitskleid bis hin zu kompletten Koffern. Wie man das nicht bemerken kann, bleibt ein Geheimnis.

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