Kasse besteht auf Psychologen-Wechsel

Eine Mutter kämpft für ihre Tochter

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Essen ist ein Dauerthema in ihrer Familie: Ingrid Sandweg, Mutter einer bulimiekranken Tochter, mit Dietmar Gaiser in der Küche.

München - Leserin Ingrid Sandweg wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Die Krankenkasse besteht auf Wechsel des Psychologen bei ihrer bulimiekranken Tochter.

Meine Tochter eröffnete mir im November 2012, dass sie seit etwa fünf Jahren an Bulimie, also Magersucht, leidet. Für mich als Mutter brach eine Welt zusammen. Anfang 2013 machte sie in einer Spezialklinik eine stationäre Therapie. Die Therapie dauerte drei Monate. Danach konnte sie nach einer Eingliederungszeit wieder arbeiten und in die Berufsschule gehen. Natürlich muss meine Tochter weiter betreut werden. Nach einer schwierigen Suche fand sie eine sehr gute Jugendpsychologin. Die beiden fanden auf Anhieb einen Draht zueinander und meiner Tochter ging es zusehends besser. Das war kurz vor ihrem 21. Geburtstag. Nun ist sie 21 geworden und die DAK fordert, dass sie zu einer Erwachsenenpsychologin wechselt. Ausgerechnet jetzt, wo sich meine Tochter in guten Händen fühlt, soll sie sich wieder auf die Suche nach einem neuen Psychologen machen. Ich sah das nicht ein und setzte alle Hebel in Bewegung, um den Wechsel zu verhindern. Auch die Psychologin setzte sich für meine Tochter ein, aber alles nützte nichts. Sie muss sich, ausgerechnet jetzt, wo wichtige Prüfungen anstehen, eine neue Psychologin suchen, sonst zahlt die Kasse nicht mehr. Ich bin am Verzweifeln.

Ingrid Sandweg (48), Sekretärin aus München

Es scheint natürlich unsinnig, dass eine Krankenkasse zwar bereit ist, einen Psychologen zu bezahlen, aber nicht den, mit dem die Patientin gut zurechtkommt und Erfolge hat. Wir wandten uns also an den Chef der Münchner DAK-Pressestelle, Stefan Wandel. Auch er wunderte sich, als wir ihm den Fall vortrugen. Als er sich aber mit den Fachabteilungen seiner Kasse in Verbindung setzte, stellte sich die Sache ziemlich kompliziert dar.

Vom finanziellen Standpunkt aus gesehen ist es für die DAK egal, ob ein Jugendpsychologe oder ein Erwachsenenpsychologe die junge Frau behandelt, aber nicht vom medizinischen Standpunkt aus. Jugendpsychologen haben eine andere Ausbildung als Erwachsenenpsychologen. Und die Berufsverbände der Psychologen legen großen Wert auf diesen Unterschied.

Nun ist die Patientin aber gerade in einer schwierigen Phase. Wichtige Prüfungen stehen an, und ein Wechsel der Psychologin würde sich nicht förderlich auf die Gesundheit der Patientin auswirken.

Deswegen machte Stefan Wandel von der DAK-Pressestelle folgendes Angebot: „Wir räumen der Jugendlichen eine Übergangsfrist ein. Sie soll ihre Prüfungen in Ruhe absolvieren, trotzdem muss sie sich einen Erwachsenenpsychologen suchen. Dabei sollte ihr die Jugendpsychologin während der Übergangsfrist auch helfen.“

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