Krause und Offmann verlassen Beirat

Antisemitismus-Streit ums Eine-Welt-Haus eskaliert

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Das Eine-Welt-Haus an der Schwanthalerstraße.

Wirbel um das Eine-Welt-Haus an der Schwanthalerstraße: Nachdem ein Verein dort mit antisemitischen Äußerungen auffällig geworden sein soll, sind die Beiräte Marian Offman (CSU) und Dominik Krause (Grüne) zurückgetreten. Die CSU will den städtischen Zuschuss für das Haus auf den Prüfstand stellen.

München - Das Eine-Welt-Haus ist ein internationales und ein interkulturelles Begegnungszentrum. Hier werde das friedliche und solidarische Miteinander gelebt, heißt es auf der Homepage. Die Einrichtung gilt als linksalternativ. Dass sie bei der CSU wenig gelitten und bestenfalls toleriert wurde, ist kein Geheimnis. Insofern kam der Rücktritt des CSU-Stadtrats Marian Offman nicht überraschend. Die Abkehr des Grünen-Politikers Dominik Krause dürfte allerdings ein deutliches Signal sein, dass es im Eine-Welt-Haus rumort.

CSU-Stadtrats Marian Offman.

Der Vorwurf Krauses und Offmans: Trotz des Widerstands im Beirat habe sich die Mitgliederversammlung des Hauses entschieden, dem israelkritischen Verein „Salam Shalom“ weiterhin Räume zur Verfügung zu stellen. Offman und Krause werfen dem Verein vor, die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus überschritten zu haben. Krause sagte: „Ich bedaure diesen Schritt, da ich das Eine-Welt-Haus als Einrichtung und als einen der wenigen alternativen Räume in München grundsätzlich sehr schätze.“ Toleranz gegenüber Mitgliedern, die sich wiederholt antisemitisch geäußert hätten, könne jedoch nicht mitgeragen werden. Wenn Neonazis behaupteten, jüdische Opferzahlen des Holocaust seien übertrieben, gebe es einen Aufschrei. „Wenn Personen, die sich als links verstehen, das sagen, geht es plötzlich als Israelkritik durch.“ Krause zufolge handelt sich nicht um einen Einzelfall. Die Jugendverbände von SPD, Grünen und Linken hatten das Eine-Welt-Haus bereits Ende 2016 aufgefordert, Antisemitismus keinen Raum zu geben.

Offman erklärte, nach reiflicher Überlegung habe er sich für den Austritt aus dem Beirat entschieden. Die jüngste Entwicklung im Eine-Welt-Haus habe gezeigt, dass die Unterstützer von BDS („Boycott, Divestment and Sanctions“) und die „Israelfeinde“ in den Gremien dieser Einrichtung an einem wirklichen Dialog nicht interessiert seien. Für ihn als Juden seien die antisemitischen Aussagen unerträglich gewesen. Laut Offman wurden bei Palästinatagen von Referenten die Hamas zitiert mit Aussagen, man würde ein neues Palästina auf den Trümmern Israels errichten. Erst vor wenigen Wochen hatten die Stadtratsfraktionen von CSU und SPD gefordert, dass BDS keine Räume mehr für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, etwa im Gasteig. BDS ruft zum wirtschaftlichen und kulturellen Boykott Israels auf.

Dominik Krause

Der CSU/SPD-Antrag war wiederum von Fuad Hamdan, dem Geschäftsführer des Dritte-Welt-Zentrums im Eine-Welt-Haus, heftig kritisiert worden. Die drohenden Sanktionen gegen Gruppen wie die Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe, die die BDS-Kampagne unterstützen oder mit ihr sympathisieren, seien undemokratisch und stellten einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit dar. Damit werde eine über 30 Jahre alte Gruppe, die den Dialog zwischen Juden und Palästinensern fördere, diffamiert. Hamdan: „Sie blenden in Ihrem Antrag aus, dass Israel seit 50 Jahren eine Besatzungsmacht ist und dass dieser Staat erst durch die ethnische Säuberung der palästinensischen Bevölkerung entstehen konnte.“

Der städtische Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) bezog in der Kontroverse gestern klar Stellung: „Vorstand und Mitgliederversammlung des Eine-Welt-Hauses müssen sich fragen, ob sie angesichts der in Rede stehenden Ereignisse noch auf dem richtigen Weg sind.“ Die Entscheidung, Salam Shalom weiterhin Räume zur Verfügung zu stellen, sei nicht nachvollziehbar. „Die Rücktritte, zu denen es gekommen ist, sind bedauerlich, da nun kritische Dialogpartner fehlen.“ Küppers betonte, die Grundsätze des Eine-Welt-Hauses seien mit jeder Form rassistischer, antisemitischer oder anti-islamischer Hetze unvereinbar. Alle Nutzergruppen seien aufgerufen, Werte der Toleranz und Völkerverständigung zu respektieren. Der SPD-Vertreter im Beirat, Cumali Naz, wollte sich nicht zu den Vorgängen äußern.

Das Eine-Welt-Haus nutzen 85 Gruppen, die Einrichtung hat 85 000 Besucher pro Jahr. Der städtische Zuschuss beträgt 372.000 Euro. Geld, das nach Meinung der CSU bei den anstehenden Haushaltsdiskussionen auf den Prüfstand gestellt werden sollte.

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