Sprengung: Glimpflich davongekommen?

Es gab einfach keine andere Wahl mehr

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Ein riesiger Krater zeugt von der Wucht der 250-kg-Weltkriegsbombe, die in der Feilitzschstraße ­explodiert ist.

München - Am Morgen nach dem großen Knall stehen die Schwabinger fassungslos an den Absperrungen und betrachten die Verwüstung. Laut Kampfmittelräumdienst ist Schwabing sogar glimplich davongekommen.

An manchen Fassaden in der Feilitzschstraße wie dem Gebäude der Constantin Film ist keine einzige Scheibe mehr heil. Läden sind ausgebrannt oder zerschlagen, in den Wohnungen darüber bauschen sich Vorhänge in leeren Rahmen. Verkohlte Blumentröge, verschobene Dächer. Wie es in den Häusern und Wohnungen rings um den Bombenkrater aussehen mag, lässt sich nur erahnen. Und über allem hängt dieser ölig-brenzlige Brandgeruch, der OB Christian Ude an seine Jugendzeit in den Kriegsruinen erinnert: „Ich bin entsetzt, wie groß die Schäden trotz der immensen Sicherheitsvorkehrungen immer noch sind!“ Wohlwissend, dass die Schwabinger – trotz allem – enormes Glück hatten: „Ich wage nicht darüber nachzudenken, was passiert wäre, wenn diese Bombe unkontrolliert in der Bauphase hochgegangen wäre.“

Von der Wucht der Detonation waren selbst die beiden Sprengmeister überrascht, die sich am Dienstag gegen 20 Uhr nach zwei erfolglosen Entschärfungsversuchen zur sofortigen Sprengung trotz Dunkelheit entschlossen hatten. Es gab keine andere Möglichkeit mehr. Zu groß war die Gefahr, dass die Bombe im Lauf der Nacht unkontrolliert explodiert wäre.

Der Tag danach: Bilder aus Schwabing

Der Tag danach: Bilder aus Schwabing

Um 21.54 Uhr erschütterte eine gewaltige Detonation große Teile der Stadt. Gleich hinterm Café Münchner Freiheit verfolgte der OB die Sprengung im riesigen Einsatzfahrzeug der Berufsfeuerwehr: „Der ganze schwere Wagen hat gewackelt.“ Direkt daneben krachte ein Trümmerteil auf das Dach eines Feuerwehrwagens. Ein gleißende Stichflamme schoss in einem Feuerball in den Münchner Nachthimmel. Brennendes Stroh, mit dem der Bombenkrater umgeben war, landete auf den Dächern und löste einen Riesen-Feuerwehreinsatz aus. Trockenes Stroh hat sich nach Angaben von Branddirektor Christoph Altheim von der Münchner Berufsfeuerwehr weltweit bei Sprengungen als Dämm-Material bewährt: „Es gibt kein vergleichbares Material, dass so leicht ist. Wir wussten, dass es abbrennen wird. Aber das war nicht das Problem.“

Ein Riesenproblem dagegen waren direkte Anwohner, die sich heimlich innerhalb des geräumten Sperr-Rings in ihren Wohnungen versteckt hatten. Altheim: „Wir mussten die Sprengung deshalb mehrfach verschieben.“

Feuerball über München: Bombe in Schwabing gesprengt

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Kurz nach der Sprengung saßen die beiden Sprengmeister schweißüberströmt, schweigend und sehr erleichtert nebeneinander. Sie allein hatten vorher eine Vorstellung gehabt, welch fürchterliches Zerstörungspotential in dieser Bombe steckte. „Wir hatten ursprünglich sogar mit noch größeren Schäden gerechnet,“ bestätigte Dr. Andreas Heil vom zuständigen Kampfmittelräumdienst Tauber gestern. „Man kann sagen, dass wir glimpflich davongekommen sind.“

Am Mittwochmittag dann wagten die Behörden und die Statiker und Sachverständigen eine erste Bilanz: Mindestens 17 Schwabinger Häuser gelten als mehr oder weniger schwer beschädigt. Viele Bewohner durften am Mittwoch wieder zurückkehren. Gesperrt bleiben vorerst eine ganze Reihe Häuser in der Feilitzsch-, Markt- und Haimhauser Straße, die der Druckwelle direkt ausgesetzt waren. Inwieweit die Statik der Häuser betroffen ist, steht noch nicht fest. Das Haus Feilitzschstraße 11 ist in Teilen ausgebrannt. Auch das Haus Feilitzschstraße 3 – hier hatte der Maler Paul Klee von 1908 bis 1919 sein Atelier – sieht nach Einschätzung eines Statikers „nicht gut aus“. Es muss aber erst noch genau begutachtet werden.

Am Mittag sammelten sich immer mehr Schaulustige. Die Schwabinger Bombe ist eine Touristenattraktion geworden.

Evakuierung! Entschärfung Bombenfund unter Schwabinger 7

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tz

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