Mehr Offenheit beim Ladenschluss gefordert

Einkaufen nach 20 Uhr? Das spricht dagegen

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Jetzt steht der Weihnachtseinkauf an. Da hätten viele gerne mehr Zeit.

München - Die Online-Petition "Flexible Ladenöffnungszeiten München" findet zahlreiche Unterstützer. Aber es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.

Wenn’s mal wieder länger dauert im Büro – steht der Münchner vor verschlossenen Türen! Nur in Bayern und dem Saarland gelten noch die alten Ladenöffnungszeiten. Und so kommt es, dass die Stuttgarter und Berliner teils bis Mitternacht in den Supermarkt gehen können – während dem Münchner nach 20 Uhr nur die überteuerte Tankstelle bleibt. Die Online-Petition „Flexible Ladenöffnungszeiten München“ will das jetzt ändern. Über 7000 Leute haben schon unterschrieben!

München sei eine „weltoffene Großstadt, die keine ist“, heißt es in dem Gesuch, das an OB Dieter Reiter (SPD) geht, der es an die Landesregierung weiterreichen müsste. Aus der Begründung: Die Ladenschlusspraxis vertrage sich „nicht mit der modernen Arbeitswelt einer Großstadt.“ Aber: „In Bayern ticken ja die Uhren anders.“

Das bekommt auch die FDP zu spüren, die seit Jahren vergeblich für flexiblere Öffnungszeiten kämpft. „Die Allianz aus CSU und Gewerkschaften zwingt Bayern zum Stillstand“, sagt FDP-Stadtrat Michael Mattar. „Die CSU argumentiert mit der Kirche – dabei gilt das Argument unter der Woche nicht. Den Sonntag wollen wir ja nicht unbedingt antasten.“

SPD und Grüne würden laut Mattar den Gewerkschaften folgen, die die Angestellten und ihre Familien anbringen. „Dabei hätte eine Mutter durch längere Öffnungszeiten sogar tagsüber mehr Zeit für ihre Kinder.“

Aber auch ein Verteter der Händler schlägt sich auf die Seite der Befürworter: Wolfgang Fischer, Chef der Innenstadthändler-Vereinigung Citypartner. „Die Regelung in Bayern ist nicht mehr zeitgemäß. Dass nur vier Sonntage im Jahr offen sein darf, kann so bleiben. Aber die Werktagsregelung muss sich ändern. Die Umsätze der Tankstellen aus dem Lebensmittelbereich müssen wieder in den Handel fließen.“

Das spricht dagegen

Hubert Thiermeyer von Verdi.

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille: Die meisten Beschäftigten im Einzelhandel sind gegen längere Ladenöffnungszeiten. „Die Angestellten müssen jetzt schon sechs Tage in der Woche verfügbar sein“, sagt ihr Fürsprecher Hubert Thiermeyer von der Fachstelle Handel der Gewerkschaft ver.di in München. „Nachtarbeit ist familienfeindlich und macht krank.“

Aber auch der Kunde habe nicht viel von einer Änderung, argumentiert Thiermeyer. „Langfristig sterben kleine und mittelständische Betriebe aus, das zeigt die Erfahrung.“ Tatsächlich gibt es Untersuchungen, dass der Umsatz in den Geschäften bei längeren Öffnungszeiten nicht zunimmt – die Kosten für Strom und Personal aber steigen.

ver.di zweifelt außerdem daran, dass der Kunde am Münchner Stadtrand tatsächlich spät Abends noch schnell Milch und Eier kaufen kann. Hubert Thiermeyer: „Die Erfahrung zeigt, dass sich längere Öffnungszeiten nur in sehr zentralen Gegenden mit viel Laufkundschaft durchsetzen.“

Thiermeyer warnt die Kunden: „Viele Geschäfte öffnen bei längeren Öffnungszeiten morgens später oder sie führen wieder eine mittagspause ein.“ So gebe es gar keine verlässlichen Öffnungszeiten mehr.

Sein Fazit: „Von flexibleren Zeiten profitiert nur ein kleiner Teil. Der Großteil bezahlt dafür.“

Das sagen die Münchner

Sabrina Jakelski (24), Studentin aus Köln: "Länger als 20 Uhr? Bei uns in NRW ist das normal! Ich möchte auch in München länger einkaufen gehen. Für mich als Studentin wär’s praktisch. Wenn’s in der Uni länger dauert, könnte ich auch noch später Dinge besorgen."

Robin Maurer (44), Touristik-Fachwirt, München: "Ich bin grundsätzlich für flexiblere Öffnungszeiten. Das gibt es doch schon überall in Deutschland, außer natürlich im katholischen Bayern. Längere Arbeitszeiten? In meiner Branche muss man auch ­arbeiten, wenn die Anderen frei haben."

Günther Lohr (62), Pastoralreferent aus München: "Ich bin absolut gegen die Verlängerung der Öffnungszeiten. Man muss an die Angestellten denken, die im Handel arbeiten. Sie sollen doch auch eine geregelte Freizeit haben. Außerdem finde ich, dass jeder genug Zeit hat, seine Einkäufe bis 20 Uhr zu erledigen."

Nina Bautz

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