Einweihungs-Party im Eisbär-Park

München - Der Tierpark Hellabrunn hat am Freitag seine 5,2 Millionen Euro teure neue Eisbären-Anlageoffiziell  präsentiert.

Gianna findet Halloween super. Das schlaue Eisbärenmädchen stellt sich fest auf die zotteligen Hinterbeine und lässt dann ihr ganzes Gewicht immer wieder mit den Vordertatzen auf den Kürbis niedersausen. Das in den Gemüsekopf eingeschnitzte Grinsen wird breiter und breiter. Irgendwann platzt die Schale, Gianna ist am Ziel. Sie hat die Dattel- und Fischstücke gerochen, die von Hellabrunner Tierpflegern im Inneren versteckt worden waren. Genüsslich knabbert sie auch das orangefarbene Kürbisfleisch. Ihrem Freund Yoghi – wie Gianna stammt auch er aus Italien – gefällt der Brauch aus Amerika ebenso. Er allerdings, mit elf Jahren reifer als die erst vierjährige Kleine und als Mann eher der Mechaniker, versucht, den Kürbissen mit scharfen Krallen zu Leibe zu rücken.

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Halloween in der neuen Eisbärenlandschaft: Yoghi und seine Freundin Gianna hatten gestern Spaß mit Kürbissen

Am Freitag weihten die Eisbären offiziell ihren eigenen Park direkt neben ihrer schon im August bezogenen Fels- und Eislandschaft ein. Erstmals durften Besucher das Pärchen beim Spielen auf der 1700 Quadratmeter großen Fläche beobachten. Ein bäriges Herbst-Spektakel direkt hinter dem Auer Mühlbach, das sich am kommenden langen Wochenende viele Münchner gönnen werden.

Fast 30 Jahre lang wurden dort Moschusochsen gehalten und gezüchtet, jetzt ist das Areal strikt eisbärenfreundlich gestaltet. Die Anlage ist Tundra und Taiga nachempfunden, dem sommerlichen Lebensraum der Raubtiere aus dem Polarkreis. Großzügige Wiesen, ein fast 60 Meter langer Wassergraben – die insgesamt dritte Bademöglichkeit für die begeisterten Schwimmer! – und Natursteinfindlinge zum Rumklettern. Es sind auch Büsche da, es darf durchaus mal einer ausgerissen werden. Wie gut es dem Pärchen in ihrem naturnahen hügeligen Lustgarten geht, ist durch eine nur 3,2 Zentimeter dicke Panzerglasscheibe fast auf der ganzen Länge des Areals zu sehen.

Helmut Kern, Chefpfleger im Polarium, erzählt von den ersten vorsichtigen Tapsern der beiden Eisbären vor einigen Tagen: „Die sind es ja gar nicht gewohnt, Gras unter ihren Tatzen zu haben.“ Inzwischen tritt das Duo selbstbewusst auf und hat sein neues Reich schon erkundet, bis zur von Bäumen verdeckten Mauer auf der gegenüberliegenden Seite. Die Eisbären sollen sich wohlfühlen, danach trachtet Tierparkchef Andreas Knieriem, der vor exakt einem Jahr in den Münchner Zoo kam. Abwechslung und Unterhaltung, das ist den spielsüchtigen Bären hier geboten. Pfleger Kern wünscht sich, dass es den Zweien da drin so heimelig ums Herz wird, dass sie bald eine ­Familie gründen.

Prosaischer ausgedrückt: Yoghi soll sich zu mehr Kuscheln auf dem Rindenschnitzellager hinreißen lassen, und danach müssen ihre Hormone entscheiden, ob die Zeit günstig für Nachwuchs ist. So in etwa erklärt Knieriem die hoffentlich bevorstehende Entwicklung.

Es ist alles vorbereitet, Gianna lebt seit ihrer und Yoghis Rückkehr aus Berlin in einer „riesigen Drei-Zimmer-Wohnung“, so Kern. Sie kann auch als Kinderstube dienen. Auch an ein abtrennbares Mutter-Kind-Gehege ist gedacht. Architekt Peter Lanz schaute am Freitag vorbei, wie es den Bewohnern geht. Insgesamt kostete die neue Eisbärenanlage im Tierpark Hellabrunn 5,2 Millionen Euro.

Barbara Wimmer

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