Dramatischer Unfall am Eisbach

Er rettete einen Surfer vorm Ertrinken

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­Phi­lipp (24) erkannte die Gefahr

München - Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort - und dann auch noch die richtigen Entscheidungen getroffen: Philipp S. wurde am Mittwochabend am Eisbach zum Schutzengel für seinen Surf-Kollegen Martin B.

Sekunden vorher hatte Philipp S. (24) seinen Surf-Kollegen Martin B. (25) noch auf der Eisbach-Welle an der Prinzregentenstraße fahren sehen. Er ging weiter, dann hörte er den Knall: „So klingt es, wenn jemand im Sturz aufs Brett prallt. Eigentlich nicht weiter schlimm.“ Philipp wartete darauf, Martin wieder auftauchen zu sehen: „Doch er kam und kam nicht hoch. Da habe ich Alarm geschlagen.“

So begann am Mittwoch um 20.35 Uhr am dunklen Eisbach eine dramatische Rettungsaktion, bei dem die Eisbach-Surfer dem 25-jährigen Martin das Leben retteten. Ohne ihre rasche Reaktionen wäre der angehende Ingenieur ertrunken.

Der Deggendorfer Student Martin B. arbeitet derzeit bei BMW, studierte auch im Ausland und nutzt jede Gelegenheit zum Surfen. Er gehört zu einer Surfer-Gruppe bei Facebook, die sich öfter am Eisbach verabredet. Am Dienstag Abend beleuchtete lediglich eine Fahrradleuchte den Eisbach, weil die Freunde mit dem Flutlicht-Kompressor noch nicht da waren. Martin legte trotzdem schon mal los. Vermutlich streifte das Brett im Sturz seinen Kopf, eventuell schlug er auch auf die Granit-Steine unter der Wasseroberfläche. Er verlor sofort das Bewusstsein. Als Philipp die gefährliche Situation erkannte und laut schrie („Der kommt nicht mehr hoch!“) stand Surfer Thomas (32) gerade 20 Meter weiter am Ausstieg. Er kennt den Eisbach wie seine Westentasche, lief dem treibenden Brett hinterher und sprang in den zwar nicht allzu tiefen, aber reißenden Bach. Er bekam den bewusstlosen Martin zu fassen, hielt seinen Kopf über Wasser. Er sah, dass Martin atmete: „Komm, wach auf!“ rief er mehrfach. Keine Reaktion. Zwei Mal versuchte er, den Bewusstlosen ans Ufer zu ziehen. Doch die Strömung riss den immer noch mit seinem Brett verbundenen Martin wieder zurück. 300 Meter flussabwärts kennt Thomas eine Stelle, an der die Uferbefestigung abgebrochen ist – die definitiv letzte Möglichkeit für einen Rettungsversuch. An eine Wurzel geklammert gelang es ihm, den Bewusstlosen aus dem Wasser zu ziehen: „Ich schrie laut um Hilfe. Da kamen dann zwei Spaziergänger und auch die anderen Surfer.“ Auch der Notarzt war schnell da.

Mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma, einem Jochbeinbruch und einem sechs Zentimeter langen Schnitt an der linken Augenbraue wurde Martin in den Schockraum einer Münchner Klinik gebracht. Dort war er schon wieder ansprechbar. Die Ärzte versetzten ihn vorübergehend in ein künstliches Koma. Die Schwester teilte in der Nacht auf Facebook mit, dass es Martin wieder besser gehe.

Welle für Anfänger ungeeignet

Für Wolfrik Fischer, Sprecher der Interessengemeinschaft Surfer München (IGSM), ist dieser Unfall Folge eines Missstandes, auf den die Surfer seit Jahren hinweisen: „In München fehlen ein bis zwei weitere Wellen speziell für Anfänger und Ungeübte, die immer laufen müssten. Allein in München gibt es mittlerweile an die 2000 Surfer, die früher oder später alle am Eisbach auftauchen. Die Welle ist jedoch nicht ungefährlich und überhaupt nicht geeignet für Anfänger oder Gelegenheitssurfer mit wenig Erfahrung.“

Weil die Welle am Eisbach tagsüber heillos überlaufen ist, kommen viele Surfer erst abends und nachts – allzu oft auch noch mit mangelhafter Beleuchtung, was die Sache noch gefährlicher macht. In einem offenen Brief an alle Parteien („Rettet das Surfen in München“; nachzulesen auf www.achtneun.de) hat die IGSM das Problem geschildert und Lösungsmöglichkeiten vorgestellt.

Dorita Plange

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