Baden verboten - doch den Münchnern ist das egal

Totenkopf-Schilder stören hier niemanden - der tägliche Wahnsinn am Eisbach

+
Massenhaft Münchner am Eisbach - obwohl Schwimmen dort offiziell verboten ist.

Die brütende Hitze hat die Münchner am Wochenende ins Wasser getrieben. Der Eisbach glich einem Freibad – obwohl man dort offiziell gar nicht baden darf.

München - München ist eine Oase für Badenixen: In diesem Sommer ist an den Münchner Seen Hochbetrieb. Und über kaltes Wasser muss keiner klagen. Manche Gewässer kratzen schon an der 30-Grad-Marke. Müssen sich die Badegäste deshalb Sorgen machen? Noch sieht es gut aus: Das Referat für Gesundheit und Umwelt nimmt alle vier Wochen eine Probe aus den Münchner Seen. „Wir hatten schon seit 15 Jahren keine Badeverbote mehr“, sagte ein Sprecher des Referats auf Anfrage. Und wenn es mit der Hitze so weitergeht? Dann könnte es vielleicht für die kleinen Weiher kritisch werden. Noch aber sind die Münchner Gewässer bakteriell unbedenklich.

Lesen Sie auch:  Dates in München: Die besten Locations und Geheimtipps

Es kann gefährlich werden

Gefährlich kann es trotzdem werden – auch dort, wo der Badespaß ganz groß geschrieben wird. Wie zum Beispiel im Eisbach: Jedes Münchner Kindl kennt ihn, und auch für Touristen ist er eine Attraktion. Immer wieder lassen sich Badelustige über einen Kilometer weit durch den Bach bis zur Tivolistraße treiben, um dann mit der Tram zurückzufahren.

Die Münchner fliehen vor der Hitze - per Sprung ins kühle Nass.

Eine Riesen-Gaudi – und kaum jemanden scheinen die Verbotsschilder mit den Totenköpfen zu interessieren. Denn das Schwimmen im Eisbach ist eigentlich verboten. In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche Badeunfälle ereignet. Teilweise tödliche. Der Eisbach ist gefährlich: „In dem Bach gibt es starke Strudel und man kann nicht überall stehen“, sagt Cordula Mauß von der staatlichen Schlösser- und Seeverwaltung. Noch bedrohlicher wird es bei der jetzigen Wärme: „Wer bei der Hitze in den kühlen Bach springt, kann schnell Kreislaufprobleme bekommen, die Orientierung verlieren und im schlimmsten Fall ertrinken.“ Denn der Eisbach heizt sich aufgrund seiner schnellen Fließgeschwindigkeit weniger stark auf.

Video: Mit Schnorchel und Wasserpistole: Schweden baden in Bahn-Unterführung

Sehen Sie auf tz.de*: Die surfenden Enten auf Münchner Welle machen Ihnen sofort gute Laune

Niemand setzt das Badeverbot durch

Ein also nicht ungefährlicher Spaß – den aber niemand verhindert. Die juristische Antwort: Es ist nicht verboten, sich selbst Schaden zuzufügen. Letztendlich, so die Haltung der Seenverwaltung, müssten die Schilder ausreichen. Die werden aber oft überklebt, beschmiert oder verschwinden plötzlich. „Wir haben davon einen sehr großen Vorrat“, sagt Mauß. Auch sie weiß, dass sich die Münchner den Eisbach nicht nehmen lassen, Verbotsschilder hin oder her.

„Man sollte zumindest Stellen vermeiden, an denen ein Totenkopf-Schild hängt“, sagt Michael Förster, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG. „Dort sind schon Menschen gestorben.“ Außerdem wichtig: „Bei der Hitze erst langsam abkühlen. Im Extremfall führt das sonst zum Herzstillstand.“ Und: „Niemals die Kinder aus den Augen verlieren, auch nicht für nur eine Sekunde.“

Kathrin Braun

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook -Seite „Alstadt/Lehel– mein Viertel“.

tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Meistgelesen

Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Mutmaßlicher Islamist in München vor Gericht: Mittel zum Bombenbau gefunden
Mutmaßlicher Islamist in München vor Gericht: Mittel zum Bombenbau gefunden
Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord und verrät gruseliges Detail - jetzt ist Urteil gefallen
Bluttat in Harlaching: Angeklagter gesteht Mord und verrät gruseliges Detail - jetzt ist Urteil gefallen

Kommentare