Schauspieler spricht mit der tz

Eisi Gulp: So erlebte er das Drama in Kenia

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In dieser Bar am Diani Beach floss Blut – aber ein Anschlag, wie behauptet wird, war es nicht, sagt Eisi Gulp.

München - In Kenia sollen am 2. Januar Extremisten einen Sprengsatz in ein Lokal geworfen haben. Schauspieler Eisi Gulp war vor Ort. Gegenüber der tz redet er Klartext und räumt so manche Fehlinformationen aus der Welt.

Es ging durch die Presse, durchs Internet, auch die Tagesschau berichtete ausführlich über das Drama in Kenia: Im Urlaubsort Diani Beach sollen am 2. Januar gegen 3 Uhr nachts Extremisten einen Sprengsatz in ein Lokal geworfen haben. Es habe zehn Verletzte gegeben. Alle Opfer waren Einheimische, keine Touristen. Letzteres bestätigt Eisi Gulp (58), der vor Ort war. Gegenüber der tz redet der Künstler Klartext und räumt so manche Fehlinformationen aus der Welt.

Matthias Bieber

Der „Anschlag“ im kenianischen Urlaubsort Diani, in der Tandorii-Bar am Indischen Ozean, schlug hohe Wellen: Alle überregionalen Medien bis hin zur Tagesschau berichteten über das angebliche Attentat, bei dem zehn Menschen verletzt worden sein sollen. Warum ich „angeblich“ sage? Weil das sehr aufgebauscht wird. Weil es kein Anschlag war. Die somalische Al-Shabaab-Miliz hat damit nichts zu tun. So habe ich’s erlebt:

Der Neujahrstag ist in Kenia der totale Feiertag – Hunderttausende machten Party am Strand. Gegen 3 Uhr verließ ich kurz die Bar, um ein paar Schritte weiter etwas zu essen zu kaufen, als ich einen Knall hörte. Kurz darauf stoben die Menschen schreiend aus der Bar. „Bwana, stay, where you are! It’s dangerous!“, riefen mir Menschen zu. „Bleiben Sie, wo Sie sind. Hier droht Gefahr!“ Wir warteten, bis die Bar sich geleert hatte.

Ein paar Minuten später kehrte ich zurück. Unterwegs sah ich eine Frau auf dem Boden liegen, drei Menschen kümmerten sich um sie. Verletzungen sah ich nicht, die Arme war wohl in Ohnmacht gefallen. Eine weitere Frau hatte eine große Wunde in der Brust und ein zerfetztes Knie. Ansonsten habe ich keine Verletzten gesehen. Viele Leute sind wohl in Panik erst einmal davongelaufen und haben erst dann Splitter an ihrem Körper bemerkt. Aber zehn Verletzte? Ein Anschlag?

Ich glaube, das kann nicht sein. Erstens: Al-Shabaab bekennt sich sofort zu einem Terrorakt, was es nicht getan hat. Diani ist ein erklärtes Ziel, um die Touristen aus Kenia zu bomben. Doch warum nimmt man sich die Bar vor, wenn am Strand die Massen feiern? Zweitens: Eine Granate richtet viel mehr Schaden an. Es hätte etliche Verletzte oder gar Tote gegeben, das Dach aus Palmen hätte sofort Feuer gefangen. Hier ist nur ein kleines Loch zu sehen.

Drittens: Ich habe mit Menschen gesprochen, die in der Bar waren, als es gekracht hat. Sie berichteten mir, dass es sich um einen Eifersuchtsstreit zwischen zwei Männern um eine Frau handelte. Ob der eine nun schoss oder einen kleinen Sprengzünder warf, weiß ich nicht. Aber einen Terrorakt schließe ich definitiv aus.

Ich bin seit vielen Jahren hier und weiß, wie sehr die Region vom Tourismus abhängig ist. Ich schätze: rund 80 Prozent der Einwohner hier leben von den Urlaubern. Die Kenianer kommen aus dem Norden hierher, um Arbeit zu finden. Die kleinen Leute trifft es zuerst, wenn die Reisebüros ihre Flüge stornieren. Erst, wenn sie die Arbeit verlieren - weil die Touristen ausbleiben -, steigt die Kriminalität, logisch. Das ist ein Teufelskreis.

tz-Stichwort Diani Beach

Der Diani Beach ist ein etwa 25 Kilometer langer, weißer und sanft abfallender Sandstrand an der ­kenianischen Küste am Indischen Ozean. Er liegt rund 35 Kilometer südlich von Mombasa, der nach der Landeshauptstadt Nairobi zweitgrößten Stadt des Staates – also ganz im Südosten, rund 40 Kilo­meter entfernt von der Grenze zu Tansania. Diani Beach ist eine ­Touristenhochburg, und gerade während der Weihnachtszeit herrscht Hochsaison. Die Riffe, die dem Strand vorgelagert sind, ­halten Haie ab, sorgen für sich ­brechende Wellen und sind auch beliebte Tauch­gebiete.

So vielseitig ist Eisi Gulp

Eisi Gulp, geboren am 3. November 1955 in München, ist Schauspieler – wie in Zuckerbaby (1985) mit Marianne Sägebrecht –, aber auch Kabarettist, Fernsehmoderator, Reporter und Komödiant. 1980 fiel der Startschuss für Gulp: Ab diesem Jahr trat er 20 Jahre lang bundesweit mit seiner ­Eisi Gulp Comedy Show auf. Mitte der 80er moderierte er Live aus dem Alabama im Bayerischen Fernsehen, spielte später etwa den Pechvogel in Peter Maffays Tabaluga und im Fernsehen den Feuerwehrkommandanten Weil in München 7.

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