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Prozess-Beginn im Fall Poschinger

Der eiskalte Killer im Hausmeisterkittel

Das Opfer: Dirk Poschinger von Camphausen (36)

München - Der Mord an Dirk Poschinger von Camphausen ist ab Dienstag vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft will zeigen, wie der Hausmeister Rainer H. (40) den Mord akribisch geplant hat. Lesen Sie hier die Fakten der Tat.

Für die Staatsanwaltschaft war es ein geschickt eingefädelter Mord aus purer Habgier. Eine lange, 17 Seiten umfassende Anklageschrift wird Staatsanwältin Nicole Selzam heute im Prozess gegen Rainer H. (40) verlesen. Sie wird akribisch aufführen, wie Rainer H. (40) das Verbrechen an dem Investment-Manager Dirk Poschinger von Camphausen (36) geplant hat, um dessen Audi A8 quattro TDI zu erbeuten. Sie wird darlegen, wie der Angeklagte Hausmeister sein Alibi vorbereitete. Wie grausam er sein Opfer tötete. Wie die Tat doch aufgeklärt werden konnte, wird im Laufe des bislang auf 14 Verhandlungstage angesetzten Prozesses zur Sprache kommen.

Die Vorbereitung

Der Angeklagte gründete eine Scheinfirma namens TAS-FM. Als Strohmann diente ihm ein spanischer Gastronom, der sich mit den gefälschten Papieren eines nicht existierenden Bulgaren „Filip Kirkorov“ als Geschäftsführer eintragen ließ. Chef war Rainer H., der auch den gesamten Mail- Verkehr abwickelte. Er besorgte sich mindestens vier Schusswaffen, darunter die spätere Tatwaffe Ruger (Kaliber 22) und jede Menge Munition. Per Ebay beschaffte der Angeklagte zudem zwei Leichensäcke – um sein Mordopfer ohne Spuren beseitigen zu können.

Der Tatplan

 Rainer H. suchte im Internet ein möglichst teures Auto, das er für „Filip Kirkorov“ zur kaufen vorgab. Er wollte den Besitzer töten, um sich das Fahrzeug samt Papieren unter den Nagel reißen zu können. Da kam ihm der Audi, den Poschinger für 54 000 Euro angeboten hatte, gerade recht. Er wollte das Tatopfer „in die neue Filiale“ der TASFM locken – in die tödliche Falle.

Das Alibi

Der Angeklagte Rainer H.

Rainer H.,der in der Münchner Filiale eines großen Baukonzerns arbeitete, stempelte sich am Tattag, dem 14. Januar 2010, kurz nach acht Uhr an seinem Arbeitsplatz ein. Jeder sollte glauben, er sei in seinem Büro. In Wirklichkeit fuhr er mit der U-Bahn zum Prinzregentenplatz, um sich wie vereinbart gegen 10 Uhr mit Dirk Poschinger zu treffen. (Sein Pech: Auf dem Überwachungsvideo der U-Bahn wurde er später erkannt.) Nach seiner Tat traf er sich mit einer Bekannten am Laimer Platz und tat so, als sei nichts geschehen. Später tauchte er wieder an seinem Arbeitsplatz auf und meldete sich krank. Er schrieb Mails, um die Polizei auf falsche Fährten zu locken: Kirkorov habe ihm die Fahrzeugpapiere des Audi überlassen.

Das Verbrechen

Rainer H. lotste Dirk Poschinger zu seiner Garage in der Nähe des Freiburger Platzes (Laim). Den Ermittlungen zufolge bedrohte der Verbrecher dort sein Opfer mit seiner Pistole. Möglicherweise zwang er Poschinger sogar mit Waffengewalt,sichselbst Handschellen anzulegen. Auf sein gefesseltes Opfer feuerte der Täter ein ganzes Magazin leer – zehn Schuss! Er lud nach und feuerte mindestens drei weitere Kugeln auf Poschinger ab. Den Toten packte er in einen der Leichensäcke und schleppte ihn in seinen VW-Bus. Er nahm Geld, Schlüssel und Autopapiere seines Opfers an sich.

Die Beweise

Die Polizei war schneller als der Täter gedacht hatte. Bereits einen Tag nach der Tat wurde er festgenommen. Schlüssel und Autopapiere hatte er noch bei sich, den erbeuteten Audi hat er nicht mehr verkaufen können. Das Mordopfer wurde schnell entdeckt: Die Leiche lag noch in seinem VW-Bus, da er nicht mehr die Zeit hatte, diese zu beseitigen. Auch die Tatwaffe fand die Polizei.

Das Verhalten nach der Tat

Um den Verdacht auf andere zu lenken, tischte Rainer H. den Ermittlern eine ganze Reihe von Lügen auf. So beschuldigte er einen Autolackierer aus Weilheim, an dem Verbrechen beteiligt zu sein. Dieser Mann bekam in den frühen Morgenstunden des 17. Januar „Besuch“ von einem Sondereinsatzkommando der Polizei. Noch heute leiden der Betroffene und seine Ehefrau psychisch unter der dramatischen Festnahme. Inzwischen hüllt sich Rainer H., der von den Anwälten Christian Finke und Titus Boerschmann verteidigt wird, in Schweigen. Christian Finke zu tz: „Mein Mandant wird im Prozess keine Angaben zur Sache machen.“

ebu

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