Serie: Meine Welt ohne Wiesn

Eiszeit beim Partylöwen: Sänger Andy Seggert („Die Derbys“) geht neue Wege

Neue Welt: Andy Seggert steht heute öfter in der Eisdiele als auf der Bühne.
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Neue Welt: Andy Seggert steht heute öfter in der Eisdiele als auf der Bühne.

Was machen die Menschen, die jetzt jeden Tag auf dem Oktoberfest wären, ohne die Wiesn? Wir haben nachgefragt: Heute bei Andy Seggert, der als Sänger der Band „Die Derbys“ die Bühne vermisst.

Vollgas auf der Bühne, mittendrin im Trubel, mit dem ganzen Herzen dabei: So hat Andy Seggert die Wiesn erlebt. 26 Mal. Der Sänger der Band „Die Derbys“ hat es geliebt, richtig Stimmung zu machen. Zum Beispiel in der Haxnbraterei und im Bratwurstzelt. „Ich kann gar nichts anderes“, sagt er mit Blick auf seine Musik. Umso mehr traf schon das Oktoberfest-Aus 2020 ihn und seine Bandkollegen mit voller Wucht. Zwölf Monate und eine weitere Wiesn-Absage später steht Seggert mit nahezu leeren Händen da. „Die Zeit ist schon schlimm.“ Er habe immer von seiner Musik leben können, das ist jetzt anders. Vieles hat sich verändert…

So ist der 56-Jährige immer häufiger allein unterwegs, tritt mit der Gitarre auf. Münchner Gefühl nennt er das Unplugged-Solo-Projekt, das vor der Pandemie undenkbar gewesen wäre. „Natürlich wird es die Die Derbys immer geben.“ Die Musiker sind zum Beispiel gerade erst für eine Oktoberfest-Feier in Elmshorn gebucht worden. Abseits von der großen Partygaudi sei es aber nicht immer einfach, Engagements für die ganze Band zu bekommen.

In seinem Element: Andy Seggert bei einem Auftritt auf dem Oktoberfest.

In seinem heimischen Studio hat der Münchner deshalb in Lockdown-Zeiten personalisierte Geburtstagsstanzl eingesungen, kleine Live-Sessions mit der Gitarre – etwa für Feste – gemacht und via Internet übertragen. Hinzu kam Online-Instrumentalunterricht und Audio-Produktionen wie Telefon-Jingles gemacht. Seggert hat sich auf die neue Situation eingestellt, hat sich was einfallen lassen. Und klar, dass alles war besser als nichts. Die Bühne, der Spaß und eben auch die Gagen konnten die Notlösungen nicht wettmachen. Jeder Wiesn-Ersatz bleibt nur ein Einsatz.

Als dann sein Spezl, der die Eisdiele Venezia in Ottobrunn betreibt, mit einem ungewöhnlichen Vorschlag ankam, sagte der Sänger gleich zu. „Ich habe gelernt Eis zu machen.“ Und Spaß an der neuen Beschäftigung gefunden. Auch so ein Corona-Ding, das er sich nicht vorstellen hätte können. Vergangenes Jahr, als der Virus schon jedem Wiesn-Fan den Spaß verdarb, wurden die Derbys noch häufiger für Ersatz-Veranstaltungen gebucht. Zwölf, dreizehn Mal, erinnert sich Seggert. „Das läuft heuer deutlich schlechter.“ Der Schwung sei nicht der gleiche.

Und der gebürtige Sendlinger liebt das Oktoberfest-Gefühl, seit der denken kann. „Als Bub bin ich sogar mal zur Wiesn ausgebüxt“, erzählt er und muss lachen. Als Elfjährige sei er mit dem Radl einfach losgefahren und in ein Zelt gestürmt. „In den späten 1970er-Jahren konnte man an einem Samstagabend einfach ins Zelt gehen.“ Dort hat er sich direkt vor der Kapelle positioniert und zugehört. „Ich hatte das wohl schon immer im Blut.“

Deshalb wünscht er sich nichts mehr, als wieder auf der Wiesn Musik zu machen. Dass das 2022 wieder – wie früher – möglich sein wird, kann er sich noch nicht so richtig vorstellen. Die Hoffnung gibt Andy Seggert aber natürlich nicht auf. Das tut man nicht, wenn man etwas liebt…

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