Kein Wunder, dass Legionellen-Alarm herrscht

So greislig sind unsere Wasserleitungen

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Bei den bisherigen Kontrollen wurden in vielen Fällen Keime festgestellt

München - Bakterien, Dreck und Schäden: In unseren Rohren schaut es greislig aus! Kein Wunder, dass in der Stadt Legionellen-Alarm herrscht.

Wasser sollte doch der Quell des Lebens sein. Die Wahrheit in den Leitungen der Münchner Häuser sieht anders aus – das wird nach dem Legionellen-Alarm in jedem dritten Gebäude immer deutlicher. „90 Prozent aller Anlagen haben Mängel“, sagt sogar einer der Kontrolleure der tz. Bakterien, Dreck und Schäden: In unseren Rohren schaut es greislig aus!

Das berichtet Robert Kroiss (53) – er hat die Leitungen mit eigenen Augen gesehen. Kroiss arbeitet als Technischer Leiter beim Deutschen Institut für Wasseranalytik (Diwa), eine Kontroll-Firma mit Sitz in Rosenheim. In München hat das Unternehmen bereits 200 Häuser kontrolliert und auf Legionellen untersucht – weitere 300 sind in Bearbeitung. Sein Fazit: „Es gibt einen leichtsinnigen Umgang mit dem Lebensmittel.“ Alle haben Angst vor Feuer und Stromschlag, aber ums Wasser sorgt sich kaum einer!

Dabei droht hier Gefahr: Wenn man Legionellen etwa beim Duschen einatmet, können sie eine schwere Lungenentzündung auslösen – die Legionärskrankheit mit hunderten Kranken und dutzenden Toten in München pro Jahr. Seit genau einem Jahr müssen darum alle Mehrfamilienhäuser gemäß der verschärften Trinkwasserverordnung auf das Bakterium untersucht werden. Das Ergebnis bislang in München: Von den geschätzt 50 000 Mietshäusern haben die Eigentümer erst 2000 Kontrollen vorgelegt – rund 800 waren positiv. 41 Prozent!

Der Experte erkennt mehrere Ursachen: Rund 60 Prozent aller Warmwasseranlagen seien zu kalt eingestellt – um die Umwelt und den Geldbeutel zu schonen. Das kann sich rächen: Die Bakterien vermehren sich bis 55 Grad Celsius explosionsartig. Ab 60 Grad sterben sie ab.

Oft wissen die Besitzer auch um Baumängel – etwa tote Leitungen, in denen das Wasser lange steht und in denen sich die Bakterien entfalten. Wegen der Kosten geschieht meist nichts – das passt Vermietern wie Mietern, die zum Beispiel Kontrollen und Wartung mit den Nebenkosten selbst zahlen müssen. Da herrscht das „Prinzip Hoffnung“, warnt Kontrolleur Kroiss. „Dabei haben wir einen so niedrigen Wasserpreis.“

Sein Unternehmen drehe den Spieß darum um: Erst Wartung, dann Kontrolle. Ergebnis: Die Legionellen-Quote liege unter zehn Prozent.

David Costanzo

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