Ibil B. (38) überfiel zwei Frauen

Die ekligen Fantasien des Vergewaltigers

+
Die Polizei fahndete nach Ibil B. mit Überwachungsfotos – vor Gericht legte er ein Geständnis ab.

München - Alkohol, Drogen und jede Menge Gewalt-Pornos: Diese Mischung machte Ibil B. zum gefährlichen Sex-Verbrecher. Vor dem Landgericht wird ihm jetzt der Prozess gemacht.

Der 38-Jährige überfiel am 1. August 2012 in einem Firmen-Aufzug an der Landshuter Allee eine 30-jährige Frau. Bereits einen Tag später attackierte er am U-Bahnhof Neuperlach eine 24-Jährige. Vor dem Landgericht gibt er jetzt alles zu: Er sei einer inneren Stimme gefolgt, sagt sein Anwalt Nicolas Frühsorger.

Der Angeklagte stottert, vor allem dann, wenn es um sexuelle Dinge geht. In seiner vermüllten Wohnung in der Gabelsberger Straße hatte die Polizei 300 Porno-DVDs gefunden, die meisten mit brutalen Gewalt-Szenen. „Ich mag devote Frauen“, sagt er vor Gericht. „Ich stellte mir vor, an dunklen Orten eine Frau zu vergewaltigen.“ Warum? Auf die Frage der Staatsanwältin sagt der Angeklagte: „Weil man mit ihr dort machen kann, was man will.“

Mit seiner Ehefrau, die der BMW-Fließbandarbeiter 1996 heiratete, konnte er eben nicht machen, was er wollte. 2003 ließ sie sich scheiden. Ibil B. warf dann auch seinen Job hin. Tag und Nacht sei er vor dem Fernseher gesessen und habe sich die Gewalt-Videos reingezogen. Sexuellen Kontakt hatte er seither nur noch mit Prostituierten. „Sie sollten die Rolle der Vergewaltigten spielen“, sagt er. In ihm wuchs offenbar zunehmend der Wunsch, wirklich eine Frau zu vergewaltigen.

Am Morgen des 1. August 2012 setzte er seine brutalen Fantasien in die Tat um: Er folgte einer 30-jährigen Angestellten in einen Büro-Aufzug an der Landshuter Allee. Auf der Fahrt in den 5. Stock drückte er sein Opfer an die Wand und hielt ihr den Mund zu. Mit einer Hand griff er der Frau unter den Rock und misshandelte sie.

Einen Tag später schlug er schon wieder zu: Gegen 23 Uhr folgte er einer 24-Jährigen vom U-Bahnhof Neuperlach-Süd in die Carl-Wery-Straße, wo er sie von hinten anfiel. Verzweifelt versuchte sie sich mit ihrem Schirm zu wehren, doch er packte sie an der Kehle und warf sie zu Boden: „Jetzt bist du fällig!“ Er griff ihr unter die Kleidung. Das Opfer kämpfte verzweifelt, schrie um Hilfe. Erst da ließ der Täter von ihr ab und flüchtete. Nach einer sofort eingeleiteten Großfahndung konnte die Polizei ihn am 3. August fassen. Er kam zunächst in U-Haft, dann in die Psychiatrie nach Haar.

Der Sex-Verbrecher leidet offenbar unter wahnhaften Störungen. Er sagt: „Ich war wie fremdgesteuert.“ Über seinen Anwalt Frühsorger legte er ein volles Geständnis ab. Er empfinde „sein tiefes Mitgefühl“ mit den Opfern. Diese müssen am kommenden Montag in den Zeugenstand treten.

149 Vergewaltigungen in 2012

Jede Zahl ein Schicksal: 780 Frauen, Jugendliche, Kinder und auch einige Männer wurden im Jahr 2012 laut Sicherheitsreport der Münchner Polizei Opfer von Sexualdelikten. Darunter waren auch 149 Vergewaltigungen. Jeder dritte Fall geschah innerhalb einer (Ex-)Partnerschaft. Überaus selten sind dagegen Vergewaltigungen in sogenannten Angstzonen wie Bahnhöfen, Zügen, Tiefgaragen, Parks oder eben nächtlichen Straßen und Aufzügen – Tatorte also, die der Sexualverbrecher Ibil B. gezielt aufsuchte. In 78 Fällen wurden Menschen im vergangenen Jahr sexuell genötigt – Taten, die die Opfer oft genauso brutal und demütigend wie eine Vergewaltigung empfinden. Viele leiden danach lebenslang unter psychischen und körperlichen Qualen.

Eberhard Unfried

Auch interessant

Meistgelesen

Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Sperrung auf S4- und S6-Strecke aufgehoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ
Entmietung! Es ist derselbe Bauherr, der denkmalgeschütztes Haus abreißen ließ

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion