Blitzgeburt im Elefantenstall

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Zierliches Elefantenmädchen: Mit 90 Kilogramm ist der Neuzugang im Elefantenhaus ein Leichtgewicht. Mutter Panang legte eine Blitzgeburt hin.

München - Nach der Blitzgeburt eines Elefantenbabys mischt sich im Tierpark Hellabrunn in die Freude auch Bangen. Denn: Noch ist unklar, ob dem Nachwuchs das gleiche Schicksal droht wie Jamuna Toni, die 2010 eingeschläfert wurde.

Elefantenkuh Panang hat die Pfleger und Tierärzte im Tierpark Hellabrunn am Freitagabend gefoppt. „Es war eine Blitzgeburt“, berichtet Tierpark-Chef Andreas Knieriem. Gegen 23 Uhr waren er und sein Team noch im Elefantenhaus. Doch die hochträchtige, 22 Jahre alte Elefantendame legte sich zum Schlafen hin. Für Knieriem das Zeichen für eine ruhige Nacht. Doch weit gefehlt: 25 Minuten später stand Panang auf – und brachte innerhalb von drei Minuten ein Elefanten-Mädchen zur Welt. Der Zoo-Chef, inzwischen zuhause, traute seinen Augen nicht, als er um 23.28 Uhr auf den Monitor in seinem Schlafzimmer blickte: „Da war die Geburt voll im Gang und ich dachte: Das kann doch nicht sein.“

Zurück im provisorischen Elefantenhaus konnte Knieriem den Nachwuchs direkt bestaunen: 82 Zentimeter groß und 90 Kilogramm schwer ist die kleine graue Riesin – und damit ein Leichtgewicht für Dickhäuter-Verhältnisse. Elefantenbulle Ludwig, der im Mai das Licht der Welt erblickte, brachte es auf stattliche 116 Kilogramm – und 95 Zentimeter Größe.

Gegen 4 Uhr morgens fiel die Anspannung von den Verantwortlichen ab. Denn: „Die Kleine hat friedlich getrunken“, erzählt Knieriem. Er sei „guter Hoffnung, dass Panang dieses Mal ihren Nachwuchs weiter gut versorgen wird“.

Die Hoffnung war jedoch auch im Dezember 2009 da, als Panang Jamuna Toni zur Welt brachte. Anfangs hatte die Elefantin ihren Nachwuchs angenommen – doch wenige Tage später verstieß sie ihr Junges, Jamuna musste von den Pflegern mit der Flasche aufgezogen werden.Dass es wieder so weit kommt, will Knieriem verhindern. „Es ist ein langer Weg, Panang beizubringen, eine Mutter zu sein“, sagt er. Das sei viel Arbeit für die Pfleger. Aber es gelte nun, alles dafür zu tun, dass eine gute Mutter-Kind-Bindung entstehe. Bis sich die Herde – neben Panang und ihrer Kleinen vier weitere Elefantenkühe und Jungbulle Ludwig – aneinander gewöhnt hat, soll sie im Haus bleiben. So lange sind die Dickhäuter für die Zoo-Besucher nicht zu sehen. „Dafür bitten wir um Verständnis“, sagt Knieriem.

Und da ist noch eine Sorge, die sich in die Freude über das noch namenlose Elefantenbaby mischt: Bei Panangs letztem Nachwuchs Jamuna Toni war eine schweren Knochenkrankheit ausgebrochen. Im Alter von nur sechs Monaten musste der Tierpark sie schweren Herzens einschläfern lassen. Ob die Ursache für die stoffwechselbedingte Erkrankung ein Gendefekt war, ließ sich auch von den Leipziger Wissenschaftlern nicht eindeutig klären, die das Jungtier nach seinem Tod untersuchten. „Ich hoffe sehr, dass diesmal alles gut geht“, sagt Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD), Aufsichtsratsvorsitzende des Tierparks.

Er denke einfach positiv, sagt Knieriem. „Selbst, wenn es genetisch bedingt war, ist es sehr unwahrscheinlich dass die gleiche Erkrankung beim zweiten Baby wieder auftritt“, sagt er. „Ein Restrisiko besteht aber, das wissen wir.“

Bürgermeisterin Strobl denkt lieber schon an den kommenden Frühling: „Ich freue mich, wenn die Besucher Ludwig und der Kleinen draußen beim Herumtollen zuschauen können“, sagt sie. Fehlt noch der Name für das Dickhäutermädel. Wie wäre es mit Lola, nach Lola Montez, als Gefährtin für Ludwig? „Das ist eine gute Idee“, sagt Strobl und lacht.

Von Caroline Wörmann

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