Ab 1. Juli

Null Liter auf 100 Kilometern: MVG testet die leisen Riesen

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Erste Testfahrt auf Münchens Straßen: MVG-Chef Ingo Wortmann (rechts) und MVG-Buschef Ralf Willrett besteigen den Prototyp des Elektro-Gelenkbusses.

Auf den Münchner Straßen bahnt sich eine leise Revolution an. Denn der MVG testet ab Juli die ersten großen Elektrobusse. Einige Probleme gibt es aber noch zu lösen.

München - Wenn er auf dem Betriebshof der MVG geparkt steht, sieht der Elektro-Gelenkbus nicht viel anders aus als die mit Diesel angetriebenen Fahrzeuge der MVG. Doch wenn sich der 28-Tonner mit sanftem Schnurren in Bewegung setzt, zeigt sich: Dieser Koloss ist ein leiser Riese! Die MVG schickt einen Prototypen ab dem 1. Juli testweise auf die Münchner Straßen.

Die Begeisterung ist MVG-Chef Ingo Wortmann anzumerken. „Im Dieselbus müsste ich jetzt trotz Mikro schon ziemlich laut werden, damit sie mich überhaupt verstehen können“, sagt der MVG-Chef, als der Bus sanft auf die Straße rollt. Noch handelt es sich um ein Einzelstück, einen handgefertigten Prototyp, doch der MVG-Chef ist sicher: „Wir werden unser Busnetz zu 100 Prozent elektrifizieren.“

Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit ins Land gehen. „Serienreife Modelle von der Stange gibt es noch nicht“, so Wortmann. Doch die Entwicklung schreitet rasant voran. „Vor drei Jahren hätte ich es noch nicht für möglich gehalten, dass wir mit einem elektrischen Gelenkbus durch die Stadt fahren, der eine Reichweite von 300 Kilometern erreichen könnte“, sagt MVG-Buschef Ralf Willrett. Jetzt sitzt er in einem solchen Modell, einem Einzelstück, handgefertigt von der Firma Sileo aus Salzgitter.

Vor einem knappen Jahr hatte die MVG die Anschaffung von Elektrobussen nach einer Testphase noch zurückgestellt.

Ab August gibt es die ersten Serienbusse

Der Gelenkbus ist die Königsdisziplin in der Busherstellung – und für Münchens Nahverkehr, der konstant an der Kapazitätsgrenze operiert, elementar wichtig. Einhundert Fahrgäste finden in dem 18 Meter langen Gelenkbus Platz. In den zwölf Meter langen Solobussen ist nur Platz für 55 Passagiere.

Trotzdem beginnt die Revolution im Münchner Nahverkehr bei den kleineren Bussen. „Im August werden die ersten beiden E-Busse ausgeliefert, die wir für unseren eigenen Fuhrpark angeschafft haben“, erklärt Willrett. Dabei handelt es sich um Solobusse, bei denen dank ihres geringeren Gewichts schon heute eine höhere Reichweite möglich ist. „Das ist ein Wendepunkt für uns, diese Fahrzeuge werden im ganz normalen Linienbetrieb eingesetzt werden“, sagt Willrett. Für Ende 2019 rechnet der MVG-Buschef damit, dass die erste Münchner Buslinie voll elektrisch betrieben werden kann.

Die MVG muss noch einige Probleme lösen

Bis es soweit ist, bleibt neben der Reichweite noch der hohe Anschaffungspreis ein entscheidender Knackpunkt. Ein Elektro-Bus ist etwa doppelt so teuer wie ein Diesel. „Die Zeit ist noch nicht reif für Beschaffungen im größeren Umfang“, sagt Wortmann. Um Kosten zu senken, hat sich die MVG mit den Verkehrsbetrieben in Hamburg und Berlin zu einer Einkaufsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Ein weiterer offener Punkt: Die Ladeinfrastruktur. Für die MVG kommen nur Busse infrage, die einen ganzen Tag durchhalten und nicht zwischendurch aufgeladen werden müssen. „Sonst müssten wir unser Liniennetz nach Ladepunkten optimieren und nicht nach den Wünschen unserer Kunden“, sagt Wortmann. Andere Städte experimentieren mit induktivem Laden. Für München kein Thema, weil dafür Ladeplatten in die Fahrbahn eingebaut werden müssten. „Bei unserem großen Netz zu teuer“, urteilt Willrett.

Für die komplette Elektrifizierung ihrer Flotte braucht die MVG einen langen Atem. „Wir wollen langfristig unabhängig von fossilen und nur begrenzt verfügbaren Energieträgern werden“, bekräftigt Wortmann. Schon heute fährt die MVG dank U-Bahnen und Tram zu 80 Prozent elektrisch. Wortmann sieht aber keinen Grund zur Eile. „Bei Bussen gibt es keinen Abgasskandal“, sagt Wortmann. Ein Euro-6-Gelenkbus stoße pro Kilometer genau so viel Stickoxid aus wie ein durchschnittlicher Mittelklasse-Pkw – und leiste so seinen Beitrag zur Reinhaltung der Stadtluft.

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