Zwei verletzte Menschen

„Lebensgefährliche Aktion“ hat Konsequenzen für weitere EM-Spiele in München

Ein Greenpeace-Aktivist landete mit einem Gleitschirm kurz vor Anpfiff der EM-Partie Deutschland gegen Frankreich in der Allianz Arena. Die Polizei will reagieren.

Update vom 16. Juni, 17.10 Uhr: Nicht nur in Bayern zeigen sich Politiker verärgert über die Greenpeace-Aktion in der Münchner Fußball-Arena. Auch die Bundesregierung übte Kritik an dem missglückten Protest gegen Volkswagen. Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte gegenüber der dpa seinen Unmut: „Das war eine unverantwortliche Aktion, die Menschen in große Gefahr gebracht hat.“ Seibert fügte hinzu, dass die Greenpeace-Verantwortlichen „schon selbstkritisch den Sinn solcher Aktionen hinterfragen sollten, bei denen es um maximales Spektakel für maximale PR-Wirkung geht“.

Wir haben uns alle ein Stück erschrocken

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CSU) saß am Dienstagabend auf der Tribüne in München. „Kein Protest rechtfertigt es, andere Menschen zu gefährden“, betonte Spahn, dem die Aktion einen Schreckmoment bereitet hatte: „Wir haben uns alle ein Stück erschrocken, weil man ja sah, da geht etwas schief.“

Update vom 16. Juni, 15.34 Uhr: Wusste die Münchner Polizei über die Protestaktion Bescheid? Das behauptet zumindest Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan am Mittwoch gegenüber der dpa. Stephan erklärte, dass unmittelbar vor der Aktion den Beamten innerhalb und außerhalb der Allianz Arena Bescheid gegeben wurde. Die Polizei München konnte die Aussagen des Greenpeace-Sprechers zunächst nicht bestätigen.

Greenpeace-Erklärung: Ausfall der Hand-Gassteuerung Grund für Absturz

Greenpeace hat sich bereits auf Twitter zu Wort gemeldet und sich für die missglückte Protestaktion in der Münchner Allianz Arena entschuldigt: „Wir bitten die beiden Personen, die während der Greenpeace-Aktion gestern verletzt wurden, aufrichtig um Entschuldigung.“ Auf Twitter nennt die Organisation auch den Auslöser des Unglücks: „Der Pilot wollte einen Ballon ins Stadion schweben lassen, musste dann aber dort notlanden, da die Hand-Gassteuerung des Gleitschirms versagt hat.“ Nach eigenen Angaben möchte Greenpeace selbst bei der Aufklärung des Vorfalls helfen. „Wir sind dabei, das aufzuarbeiten und arbeiten da zusammen, und stehen natürlich auch dafür gerade.“

Update vom 16. Juni, 14.23 Uhr: Ein ukrainischer Mann ist bei der missglückten Protest-Aktion von Greenpeace an Kopf und Hals verletzt worden und verbrachte die Nacht in einem Münchner Krankenhaus. Der zweite Verletzte, ein 36-jähriger Franzose, habe laut Polizei das Krankenhaus bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen dürfen. Weiter teilte die Polizei mit, dass beide Männer beruflich und nicht als Zuschauer im Stadion vor Ort waren.

„Lebensgefährliche Aktion“ bei EM-Spiel in München: Polizei will reagieren

Nach der viel diskutierten Greenpeace-Aktion am Dienstagabend in der Allianz Arena ist eine Diskussion bezüglich der Sicherheit während der Fußball-Europameisterschaft entbrannt. Wie die dpa vermeldet, berichtet der Sprecher des Polizeipräsidiums München, Andreas Franken, von der Überlegung, den Einsatz von Hubschraubern rund um die Allianz Arena nochmals neu zu bewerten. Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) bestätigte der dpa, dass weitere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden: „Die bayerische Polizei wird bei den kommenden drei EM-Spielen die Luftüberwachung verstärken, insbesondere zusammen mit der Hubschrauberstaffel.“

Erstmeldung vom 16. Juni, 13.46 Uhr: München - Es war die Aufreger-Szene in der Allianz Arena beim Auftaktspiel der Deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft. Unmittelbar vor dem Anpfiff der Partie gegen Frankreich (0:1) vollführte ein Gleitschirmflieger mit einer Greenpeace-Aufschrift eine Notlandung auf dem Rasen der Arena. Es war der Schlusspunkt einer verunglückten Aktion. Eigentlich hatte der Aktivist geplant, einen Schaumstoffball auf den Rasen abzuwerfen und danach weiterzufliegen. Er verhedderte sich allerdings in einem Seil und stürzte nach unten. Bei seinem Flug nahe der Zuschauerränge kamen es zum Zusammenprall, zwei Zuschauer wurden verletzt.

Man hat aufgrund der Beschriftung ‚Greenpeace‘ davon abgesehen, dass Scharfschützen hier eingegriffen haben

Innenminister Joachim Herrmann

Mittlerweile ist klar: Um ein Haar hätte der Mann die Aktion mit seinem Leben bezahlt. Wie die Bild berichtet, sei lediglich aufgrund der Greenpeace-Beschriftung auf dem Fallschirm kein Scharfschütze zum Einsatz gekommen. Das bestätigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU): „Man hat aufgrund der Beschriftung ‚Greenpeace‘ davon abgesehen, dass Scharfschützen hier eingegriffen haben. Wenn die Polizei zu einer anderen Einschätzung gekommen wäre, dass es sich um einen Terror-Anschlag handeln könnte, dann hätte der Flieger die Aktion möglicherweise mit seinem Leben bezahlen müssen.“ Während der Fußball-Europameisterschaft herrscht über der Münchner Arena absolutes Flugverbot.

Lebensgefährliche Aktion bei EM-Auftakt in München: OB Reiter verurteilt sie aufs Schärfste

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) verurteilte am Tag nach dem Ereignis die Greenpeace-Aktion aufs Schärfste: „Ich habe absolut kein Verständnis für derartige Aktionen, insbesondere wenn dadurch andere Menschen gefährdet werden. Es wurden zwei Personen verletzt, denen ich gute Besserung wünsche. Ich gehe davon aus, dass der sogenannte Aktivist entsprechend strafrechtlich belangt wird.“ Gegen den 38-jährigen Piloten aus Baden-Württemberg wird inzwischen wegen „verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz“ ermittelt. Das teilte das Polizeipräsidium München mit.

Ein Greenpeace-Aktivist landete mit einem Gleitschirm kurz vor Anpfiff der EM-Partie Deutschland gegen Frankreich in der Allianz Arena.

Gleitschirm rast 30 Meter an Münchens Zweiter Bürgermeisterin Habenschaden vorbei

Reiters Stellvertreterin im Münchner Rathaus, Katrin Habenschaden (Grüne) erlebte den Vorfall auf der Tribüne der Allianz Arena hautnah mit. Wie die 44-Jährige der Bild berichtet, sei der Gleitschirm-Flieger ungefähr 30 Meter entfernt von ihrem Platz vorbeigerast. Ihre Meinung zu der Aktion gleicht sich mit der des Oberbürgermeisters: „Das war lebensgefährlich und reines Glück, dass nicht mehr passiert ist. Damit hat sich Greenpeace sehr geschadet. Protest muss immer friedlich sein und darf andere Menschen nicht gefährden.“

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Rubriklistenbild: © kolbert-press/Moritz Müller/ULMER Pressebildagentur/IMAGO

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