Unschöne Sprechchöre

Ungarn-Fans sorgen für hässliche Szenen in Münchens Zentrum - Polizei greift ein, um Stadion-Aktion zu stoppen

Ungarns Fans stehen beim „aufgeheizten“ EM-Spiel in München im Fokus. Schon weit vor Anpfiff gibt es unschöne Sprechchöre.

München - Hochemotional ist das EM-Vorrundenspiel Deutschland gegen Ungarn am Mittwochabend in München verlaufen. Während sich das deutsche Team zu einem 2:2 mühte, spielte vor dem Stadion und vor allem auch in den sozialen Medien die meiste Zeit ein anderes Thema die Hauptrolle: Die von der UEFA nicht genehmigte Regenbogen-Beleuchtung des Münchner Stadions.

EM 2021 in München: Regenbogenfarben im Fokus - auch Söder positioniert sich

Die Europäische Fußball-Union hatte einen Antrag von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter* abgelehnt, die Arena im letzten Gruppenspiel der DFB-Elf in Regenbogenfarben zu erleuchten. Der SPD-Politiker sprach von einer „beschämenden“ Reaktion. Im Stadion schwenkten deshalb etliche Fans Regenbogenfähnchen (nach vorheriger Aufforderung), ein Flitzer in Deutschland-Trikot und mit Regenbogenfahne stürmte auf das Spielfeld. Torwart Manuel Neuer trug erneut seine Regenbogen-Kapitänsbinde, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich mit einer entsprechend bunten FFP2-Maske.

Hintergrund der Debatte ist ein kürzlich vom ungarischen Parlament gebilligtes Gesetz, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität einschränkt. Es wurde unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen harsch kritisiert.

Hässliche Szenen in München: „Problematische“ Ungarn-Fans fallen durch Sprechchöre auf

Am Wiener Platz in München*, wo für die ungarischen Fans ein Corona-Testzentrum aufgebaut war, brachten sich am frühen Mittwochabend Hunderte (laut Polizeibericht etwa 600) von ihnen in Stimmung. Vereinzelt waren „schwul schwul Deutschland schwul“-Rufe zu hören.

Hunderte ungarische Fans stimmten sich am Wiener Platz auf die Partie ein.

Journalisten wurde der Mittelfinger gezeigt, ebenso Demonstranten, die sich mit Regenschirmen und Flaggen in Regenbogenfarben versammelt hatten. Die Polizei nahm einige Fans wegen des Abbrennens von Rauchtöpfen fest, einen auch wegen des Zeigens des Hitlergrußes. Vorab hatten sich die Einsatzkräfte bereits auf den Besuch „problematischer Fangruppierungen“ eingestellt.

EM 2021: „Aufgeheizte Stimmung“ bei Deutschland-Ungarn: Polizei muss Platzsturm verhindern

Im Stadion waren einige ungarische Fans aktiv an einer „Begegnung“ mit ihren deutschen Pendants interessiert. Ordnungsdienst und Polizei verhinderten einen „Blockwechsel“. Im Zuge dessen kam es zu einem Flaschenwurf auf die Einsatzkräfte, bei dem niemand verletzt wurde. Der Werfer konnte identifiziert werden; er wurde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angezeigt.

„Aufgrund der aufgeheizten Stimmung und des aggressiven Verhaltens wurden zu Beginn der zweiten Halbzeit Einsatzkräfte im Block der Gastfans bereitgehalten“, heißt es im Polizeibericht. Kurz vor Spielende habe man zudem uniformierte Einsatzkräfte vor dem Block der ungarischen Anhänger abkommandiert, um einen möglichen Platzsturm zu verhindern. Durch die erhebliche Präsenz sei es allerdings zu keinen nennenswerten Vorkommnissen gekommen.

Allerdings wurden die Maskenpflicht und die Abstandsregeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie* im Stadion erneut nicht konsequent eingehalten. Fernsehbilder zeigten zahlreiche Fans ohne den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz. Auch drängten sich viele Fans vorrangig im ungarischen Gästeblock dicht an dicht.

Söder-Minister wegen Corona-Regeln sauer auf ungarische Fans: „Pandemie kennt keine Grenzen“

Das rügte auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) explizit: Er habe persönlich im Stadion sehen können, dass sich viele Zuschauer um die Einhaltung der Regeln bemüht hätten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Bedauerlich ist, dass sich die ungarischen Fans so gut wie gar nicht an die Regeln gehalten haben. Die Hygieneregeln gelten auch für Fans mit langen Anreisen aus dem Ausland, denn die Pandemie kennt keine Grenzen.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Tobias Hase

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