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Interview mit der tz

Kardinal Wetter feiert 90. Geburtstag

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Friedrich Wetter (l.) 2006 beim Besuch Papst Benedikts in München.

München -  Kardinal Friedrich Wetter feiert seinen 90. Geburtstag, 25 Jahre lang war er Erzbischof von München und Freising. Im Interview mit der tz erzählt er, warum er das Archiv des umstrittenen Kardinals Michael Faulhaber einst freigegeben hat.

Er ist kein Mann der lauten Worte, doch inhaltlich hat er zuweilen für Aufsehen gesorgt. Heute feiert Kardinal Friedrich Wetter seinen 90. Geburtstag. Vor elf Jahren legte er sein Amt als Erzbischof von München und Freising nach 25 Jahren nieder. Wetter hat während seiner Amtszeit gegen das „Kruzifix-Urteil“ protestiert. Und sich stark gegen Abtreibung ausgesprochen. Gleichzeitig aber auch im Streit um den Ausstieg der Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung vor einem „Glaubenskrieg“ gewarnt. Wir haben Wetter an seinem Wohnort im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern getroffen.

Wie begehen Sie Ihren Ehrentag, Herr Kardinal?

Friedrich Wetter: Ich feiere die Heilige Messe mit den Schwestern hier und Bekannten. Danach essen wir zusammen Mittag. Ganz unspektakulär.

An welche Momente aus der Zeit als Erzbischof erinnern Sie sich besonders?

Wetter: Natürlich die beiden Papstbesuche. Einmal den von Johannes Paul II. 1987 samt Seligsprechung des Jesuitenpaters Rupert Mayer. Und dann die Heimkehr von Benedikt XVI. 2006 in seine bayerische Heimat. Die allerschönsten Momente waren aber die Begegnungen mit den ganz normalen Menschen in Gottesdiensten. 

Hatten da nicht viele Gläubige Berührungsängste – bei einem Kardinal?

Wetter: Ich bin ganz gut in Kontakt gekommen (schmunzelt). Die Verkündigung des Evangeliums war mir wichtig. Ich wollte nicht mich verkündigen, sondern das Evangelium. 

Sie haben viel Lob bekommen für die Öffnung des Archivs des umstrittenen Kardinals Michael Faulhaber (1869-1952). 

Wetter: Mir war es immer wichtig, dass wir offen sind für die Wahrheit. Wir fürchten uns nicht vor der Wahrheit. Ich habe es einfach gemacht. Und ich denke, es war richtig. 

Gibt es auch Dinge, die Sie bereuen?

Wetter: Einzelne Dinge muss man immer wieder korrigieren. Aber im Großen und Ganzen würde ich den Kurs wieder so fahren. Ich habe mich immer mit meinen Beratern und Beraterinnen abgesprochen.

Beraterinnen?

Wetter: Ich war der erste Bischof, der zwei Ordinariatsrätinnen berufen hat. Das war für mich etwas ganz Normales. Ich habe gesehen, dass sie fähig sind, also habe ich sie berufen. 

Themen wie das Frauenpriestertum sind immer noch heiß diskutiert. Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen? 

Wetter: Der Säkularismus ist die größte Herausforderung. Es scheint, dass Gott uns den Rücken zeigt. Aber die Menschen zeigen Gott den Rücken. Die Menschen vergessen, dass sie Gott brauchen. Das ist ein Zeichen unserer Schwäche hierzulande. 

Sie beschäftigen sich immer noch stark mit theologischer Literatur. Wie sieht sonst Ihr Tagesablauf aus? Wetter: Der Fixpunkt ist die Heilige Messe. Sonst lese ich gerne. Auch Weltliches wie das Reisebuch „Die 21: eine Reise ins Land der koptischen Märtyrer“. (Anm.: Autor Mosebach hat mit Familien von vom IS ermordeten Kopten in Ägypten gesprochen). 

Und wie haben Sie es geschafft, mit 90 Jahren so fit zu sein?

Wetter: Ich schaue, dass ich jeden Tag Bewegung habe. Ich war nie eine Sportskanone, habe aber immer darauf geachtet, dass ich an die frische Luft komme. 

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