1. tz
  2. München
  3. Stadt

Moderne trifft altes München - Gastro-Stätte im Norden vereint Hightech im Denkmalschutz

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Phillip Plesch

Kommentare

Stolz auf sein generalsaniertes Lokal: Wirt Karl-Heinz Zacher
Stolz auf sein generalsaniertes Lokal: Wirt Karl-Heinz Zacher © ACHIM FRANK SCHMIDT

Schwer gebeutelt wurde die Gastro-Szene von der Pandemie. Doch manche haben die Zeit genutzt - so auch Karl-Heinz Zacher. Seine Emmeramsmühle ist nun voll saniert.

München - Alte Holzbänke, antike Fensterläden: Auf den ersten Blick sieht’s gemütlich aus wie immer in der St. Emmeramsmühle. Was die Gäste nicht gleich zu Gesicht bekommen: In dem Bogenhausener Gasthaus wurde renoviert wie wild, modernste Technik für 3,2 Millionen Euro verbaut. Und das mitten in der Krise!

Ja, Wirt Karl-Heinz Zacher (52) hat den Lockdown genutzt und sein knapp 200 Jahre altes Lokal auf links gedreht. „Kein Rohr, keine Leitung ist mehr wie vorher“, sagt der Wirt. Heißt: Lüftung, Heizung, Kühlräume, Personalbereich, Wasserrohre und Stromleitungen sind in dem denkmalgeschützten Gebäude neu.

Von außen sieht man der Emmeramsmühle keine Veränderung an.
Von außen sieht man der Emmeramsmühle keine Veränderung an. © ACHIM FRANK SCHMIDT

„Es gibt aktuell nichts Besseres auf dem Markt“, schwärmt Chef-Ingenieur Konrad Seybold zum Beispiel über die Lüftungsanlage, die passgenau in den uralten Dachboden eingesetzt wurde. Dadurch liegt die Wärmerückgewinnung der Abluft bei rund 85 Prozent. Insgesamt soll der Energieverbrauch um 30 Prozent gesenkt werden. Das Ziel hierbei: Nachhaltiger werden, umweltbewusster.

Emmeramsmühle in Oberföhring: Nach der Öffnung liefen die Arbeiten weiter

Und das ist nicht alles: So hat die Emmeramsmühle auch gleich ein brandneues Herz bekommen: Die Küche erstrahlt mit neuen Geräten und frischem Konzept. Die Herausforderung war: Als wieder geöffnet werden durfte, liefen die Umbauarbeiten weiter - mit Interimsküche in einem Truck.

„Anders wären die Kosten nicht zu stemmen gewesen“, sagt Gastronom Zacher. Die liegen ja, wie schon erwähnt, bei 3,2 Millionen Euro. Allein muss der Wirt die Summe aber nicht bezahlen. Der Eigentümer, die Sedlmayr Grund und Immobilien AG sowie die Brauerei Spaten/Franziskaner beteiligen sich.

Küchenparty in der St. Emmeramsmühle nach der Renovierung München am 15.11.2021
Drinnen aber hat sie jetzt auch einen neuen Thekenbereich. © BrauerPhotos / G.Nitschke

München: Wirt erlebt großen Umbruch - geschäftlich als auch privat

Geplant war, im März 2022 fertig zu werden. Knapp fünf Monate früher sind’s nun geworden, am Mittwoch findet die Wiedereröffnung statt. Dass alles so schnell geklappt hat, liegt für Seybold auch am Wirt. „Für jeden Handwerker gab’s mittags eine warme Mahlzeit“, berichtet er. Das habe zusammengeschweißt.

Zacher hat sein ganzes Herz in die Modernisierung gelegt. Auch wegen seiner verstorbenen Frau. „Das würde ihr natürlich gut gefallen, sie wird immer hiermit verknüpft sein“, sagt der Wirt. Nina Zacher (†46) war 2016 an der Nervenkrankheit ALS gestorben. Ihren schweren Weg hatte die tapfere Wirtin mit einem Tagebuch auf Facebook für jedermann sichtbar gemacht.

Ihr Erbe lebt sicherlich in der Emmeramsmühle weiter. Wie im Lokal hat Zacher auch im Privaten einen Neustart gewagt - mit seiner neuen Lebensgefährtin Nina Eckert.

Vor etwa einem Jahr hatte der Münchner Wirt eine sechsstellige Summe im Rechtsstreit mit der Versicherung zugesprochen bekommen. Deren Argumentation vor Gericht hielt er für „aberwitzig“. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare