Endlich Schrannenhalle für alle: "Wir sind offen!"

München - Einsetzender Trommel­wirbel, gespannte Blicke, Blitzlichtgewitter – dann ist der lang ersehnte Moment endlich da: Die Schrannenhalle ist eröffnet. Wir haben uns für Sie umgesehen.

OB Christian Ude greift zur goldenen Schere und zerschneidet das Samtband. „Eröffnet is’!“, ruft Hans Hammer Richtung Hallendecke. München hat seit gestern einen neuen Gourmettempel im Herzen der Stadt!

In letzter Sekunde sind die Mieter mit dem Aufbau fertig geworden, haben noch schnell Preisschilder aufgehängt und Glasvitrinen geputzt. „Die letzte Leiter haben wir gerade rausgebracht. Entschuldigung, wenn noch nicht alles perfekt ist und hier oder da noch ein Kabel hängt. Das wird noch gemacht“, verspricht Eigentümer Hammer – seine Gattin Chantal hält er dabei fest im Arm. Anschließend begrüßt der 39-Jährige auf einem Podest die 1200 geladenen Gäste: „An alle Münchner: Wir sind offen!“ Viel Lob kassiert der neue Eigentümer vom OB, der zu Fuß vom Rathaus zur Schranne gelaufen kam: „Jetzt hat die Halle eine überzeugende Gestaltung. Sie ist transparenter, heller und freundlicher. Nicht technisch, aber ästhetisch wie aus einem Guss.“ Und er ist sich sicher: „Die Schranne wird sich schnell bei den Münchnern beliebt machen.“

Im Mittelpunkt der Eröffnung stand das positive Verhältnis zum angrenzenden Viktualienmarkt: Hammer schenkte Marktsprecherin Elke Fett zum Symbol einen großen Laib Brot mit der Aufschrift: „Auf ein gutes Miteinander“. Fett freute sich über den neuen Nachbarn: „Endlich kommt hier Leben rein! Das weckt die Schnarchnasen am Viktualienmarkt sicher auf.“

Mit Begeisterung griffen die Gäste zu den kostenlosen Schmankerln an den 24 Marktstandl – auf 3800 Quadratmetern bieten die Mieter von exklusiven Weinen über Vulcano-Rohschinken bis hin zu handgemachten Pralinen alles, was dem Gaumen schmeichelt. „München hat ein neues Highlight – vor allem wird die Halle so nah am Marienplatz viele Touristen anziehen,“ sagte Tourismuschefin Gabriele Weißhäupl.

Das Preisniveau der Standl gleicht meist dem des Viktualienmarkts, was für Skepsis bei Stadträtin Irene Schmitt sorgte: „Das Angebot ist zu teuer und gehört nicht zum Alltagseinkauf. Die Schranne ist für eine exklusive Schicht konzipiert.“ Dabei will Eigentümer Hammer gerade keine „Hummer- und Kaviarhalle“ eröffnen.

Indes: Standbesitzer Günther Hoffmann verlangt etwa für ein Kilogramm französische Clementinen 12 Euro und rechtfertigt diesen stolzen Preis: „Ich biete in der Schranne wie am Viktualienmarkt Exklusives an, da kommen Liebhaber zu mir, und die zahlen auch gern so viel!“

Kurz vor der Einweihung überzeugte sich OB Ude bei einem persönlichen Rundgang mit Hans Hammer von der Schönheit der neuen Halle – auch das weltweit größte Lavendelbild mit 21 000 Blüten am Standl von Le langage des fleurs betrachtete er kurz. Vielleicht endete seine Rede deshalb mit dem Satz: „Wenn der letzte und schlimmste Münchner Grantler hört, wie schön die Schranne ist, soll er nur noch sagen: Das war der Hammer!“

Christina Lewinsky

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Zweite Stammstrecke: Wo es in sechs Wochen für wen eng wird
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare