Das Hotel auf Gleis 22

Endstation München: Not-Quartiere für Streik-Opfer

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Der Hotelzug steht während des GDL-Streiks auf Gleis 22.

München - Für manche Reisende ist der Münchner Hauptbahnhof vorerst ihre Endstation. Doch wer wegen dem Megastreik nicht weiterreisen kann, muss nicht mit einer Zeitung bedeckt in der Schalterhalle liegen.

Fahrgäste, die trotz gültigem Tickets nicht weiterkommen, können derzeit kostenlos auf Gleis 22 im Hotelzug übernachten.

Noch bis Sonntagfrüh um 9 Uhr dauert der Ausstand. Die Bahn fährt nach einem Ersatzfahrplan, der unter www.efa.mvv-muenchen.de abrufbar ist. Der Hotelzug ist eigentlich der Nachtzug nach Amsterdam. 40 Schlafwagenplätze gibt’s. Außerdem stehen den Gestrandeten noch 150 Liegewagenplätze zur Verfügung. Am Dienstagabend haben 58 Menschen im Hotelzug übernachtet. Die tz kam zum „Gute Nacht“-Sagen vorbei.

Odyssee von Zypern nach Jena

Am Mittwoch um 11.30 Uhr sind Christl (72) und Jürgen Scheidler (73) endlich daheim in Jena angekommen. Ihre Odyssee beginnt am Dienstagfrüh auf Zypern, wo sie eine Woche Urlaub gemacht haben. Dort haben sie schon alternative Bahn-Verbindungen herausgesucht, als sie vom geplanten Streik erfahren haben. Als sie um 20 Uhr in München landen, fährt kein einziger Zug Richtung Jena. „Wir haben uns schon auf dem Bahnsteig übernachten sehen“, sagt Jürgen Scheidler. Doch von der Bahn kommt das Angebot, im Hotelzug zu übernachten. „Ich war angenehm überrascht vom Hotelzug“, sagt Christl Scheidler. Um 6.30 Uhr geht’s weiter. „Wir haben uns Platzkarten besorgt, weil es hieß, der Zug wird voll sein. Aber es waren kaum Fahrgäste mit uns unterwegs“, sagt Christl Scheidler.

Wie eine Nacht im Gefängnis

200 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Peter (54) und Ursula (68) Dums und ihrem Zuhause in Heilsbronn. Doch Dienstagabend um 20.15 Uhr war der Hauptbahnhof München ihre Endstation. „Am Infoschalter hieß es, wir könnten nach Ingolstadt fahren. Aber was sollen wir da, wenn wir keinen Anschlusszug haben?“, fragt Ursula Dums. Deshalb übernachten die beiden eine Nacht im Hotelzug. „Wir konnten kaum schlafen, weil die Klimaanlage so laut war. Um das Fenster zu öffnen, musste ein Schaffner mit einem Schlüssel kommen“, sagt Peter Dums. Das Abteil ist sehr eng und mit den zwei Koffern vollgestellt. „Ich kam mir vor wie im Gefängnis und war froh, als wir raus waren“, sagt Peter Dums. Um 5 Uhr in der Früh stehen sie auf und nehmen den ersten Zug. Um 8.30 Uhr sind sie endlich daheim.

Jasmin Menrad

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