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Münchnerin klagt an: Energiespar-Maßnahmen machen uns krank – Stadt reagiert deutlich

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Von: Miriam Haberhauer

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München muss sparen: Wegen der steigenden Energiekosten reduziert die Stadt die Temperaturen in ihren Schwimmbädern und schließt die örtlichen Saunen – auf Kosten der Gesundheit der Besucher?

München – Seit Mitte Juni müssen Badegäste in Münchens Schwimmbädern frieren: Um Energiekosten zu sparen, reduzierte die Stadt die Wasser- und Lufttemperaturen. Nun ist es zu kalt zum Baden, finden einige. Angelika Koller, eine 66-jährige Münchnerin, hat sich an tz.de gewandt und geschildert, weshalb besonders Senioren die Änderungen zu schaffen machen.

Energiekrise in München: Kaltes Wasser und fehlende Sauna machen Senioren krank

„Da ich ein bis zwei Mal die Woche schwimmen gehe, kenne ich zumindest viele Leute, die das Nordbad aufsuchen. Da ist die 82-Jährige mit starkem Rheuma, der es in der Sauna einfach besser geht und die beweglich bleiben will“, berichtet Koller. Jene 82-Jährige brauche ihre Gesundheit dringend, sie kümmere sich um einen dementen 89-Jährigen und ihre Enkel. Sie sei nur ein Beispiel von vielen, denen die Sauna schmerzlich fehle und das Wasser zu kalt sei.

Sparmaßnahmen wegen Putins Krieg: „Erkältet und Blasenentzündung geholt“

Koller hat den letzten Besuch im Münchner Volksbad in schlimmer Erinnerung: „Letzte Woche konnte ich mich nach dem Schwimmen in der kalten Halle anderntags kaum bewegen. Bekannte haben sich erkältet und sich eine Blasenentzündung geholt.“ Viele Senioren und Seniorinnen verzichteten auf das Bewegungsprogramm im Schwimmbad, weil es ihnen einfach zu kalt sei und sie Angst hätten, kränker aus dem Wasser zu steigen als vor dem Programm.

Die Münchner Seniorin sagt auf Nachfrage: „Das Thema Energiesparen ist mir sehr wichtig. Ich taue gerade mein Gefrierfach ab und überlege, im Winter den Kühlschrank abzuschalten.“ Trotzdem sei die Gesundheit der älteren Münchnerinnen und Münchner ein mindestens genauso wichtiges Thema.

Deshalb Kollers Vorschlag zur Güte: „Eine der Münchner Saunen sollte geöffnet bleiben. Ein paar Schwimmbecken sollten normale Wassertemperatur haben wie vor der Energie-Sparwelle. Dafür könnte man ein oder zwei Schwimmbäder, die schlechter besucht sind, für einige Monate oder über den ganzen Winter hinweg schließen.“

Stadtwerke: „Haben bewusst auf die Schließung einzelner Bäder verzichtet“

Auf Nachfrage der tz.de stellt eine Sprecherin der Stadtwerke München (SWM) klar: „Die SWM haben die möglichen Energiesparmaßnahmen in ihren Bädern abgewägt und mit Bedacht ausgewählt.“ Bei ihren Entscheidungen berufen sie sich auf die Empfehlungen von Experten. Kollers Idee, einzelne Bäder zugunsten höherer Temperaturen in anderen zu schließen, erteilt die SWM eine Absage, weil dann „für weniger mobile Mitbürger kein Badebesuch mehr möglich wäre“.

Laut den SWM sei die Besucherzahl seit der Temperaturabsenkung auch kaum zurückgegangen. Ferner seien 28 Grad im Becken auch für Senioren absolut vertretbar.

Frau im Bademantel läuft am Beckenrand
Zu kalt zum Baden ? Münchner Seniorin kritisiert Energiesparmaßnahmen der Stadt München © IMAGO / Udo Kröner

Energiekrise: Stadt München schließt alle städtischen Saunen

Seit Anfang August müssen die Münchner zusätzlich auf den Sauna-Gang verzichten, freilich auch aus Energiespargründen. Alle zehn Saunen der Münchner Bäder bleiben bis auf Weiteres geschlossen. Die Stadtwerke München sind sich der Kritik bewusst, bitten ihre Gäste um Verständnis: „Da in der aktuellen Situation jeder Beitrag wichtig ist, wollen auch die SWM Bäder den bestmöglichen Beitrag leisten.“

Und weiter: „Jede Kilowattstunde Strom, die eingespart wird, reduziert den Gaseinsatz für die Stromerzeugung. Und jeder Kubikmeter Erdgas, der jetzt im Sommer nicht verbrannt wird, kann für den kommenden Winter gespeichert werden.“

Klimatisierung in Münchner Stadtbussen bleibt unverändert – MVG mit Stellungnahme

Ein weiterer Punkt, der bei der Leserin für Unverständnis sorgt, ist die unveränderte Klimatisierung in den Münchner Stadtbussen, welche sie als zu stark einschätzt. Insbesondere, da die Stadt ja eigentlich bemüht ist, überall wo möglich, Energie einzusparen. Die MVG erklären dazu: „An der Klimatisierung unserer Fahrzeuge [wurde] überhaupt nichts verändert.“ Im Allgemeinen ist das Ziel, die Temperatur auf circa zwei Grad unter der Außentemperatur herunterzukühlen, so die MVG. Der damit verbundene „energetische Aufwand“ sei „in einem vertretbaren Rahmen.“

Wieder Temperaturänderungen im Winter? Entscheidung erst nach der Sommersaison

Die Freibad-Saison neigt sich langsam dem Ende zu, Badegäste treibt es bald wieder vermehrt in die Münchner Hallenbäder. Es stellt sich die Frage, wie sich diese in Bezug auf die Energieversorgung, auf die kälteren Wintermonate vorbereiten. Zum jetzigen Zeitpunkt ließe sich noch keine Aussage über die Planungen der kälteren Wintermonate treffen, so die SWM. Die Stadtwerke planen, erst nach dem Ende der Sommersaison zu entscheiden, ob die Temperaturen erneut angepasst werden sollen. Bis dahin sind auch die Bürger weiter angehalten, im eigenen Haushalt Strom und Gas zu sparen. (mlh)

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