Englisch-Nachhilfe für Beamte

München - Wir können alles - außer Englisch. Mit der Sprache haben es Münchens Beamte nicht so, und das wird langsam zum Problem. Jetzt bekommen sie Nachhilfestunden.

„Mangelnde Sprachkenntnisse in der Verwaltung stellen ein großes Hemmnis für eine aktive Europaarbeit dar“, stellt der Personal-Chef der Stadt, Thomas Böhle, in einem Bericht an den Stadtrat fest. Jetzt müssen die Mitarbeiter in Englisch-Nachhilfe!

Auch der Stadtrat ist not amused – schließlich basieren nach Schätzung des Personalreferats bis zu 80 Prozent aller städtischen Entscheidungen auf Vorgaben der Europäischen Union. Siehe Feinstaub: Die Umweltzone und das Pickerl sind direkte Folgen von EU-Richtlinien. Da kann die Stadt schlecht stammeln: „Sorry, we understand you not …“

Darum hat der Personalausschuss im Rathaus ein großes Nachhilfe-Paket abgesegnet: Ursprünglich sollten geschätzte 150 Mitarbeiter pauken, jetzt müssen allein im ersten Schwung 220 Mitarbeiter jeweils zwei bis drei Kurse besuchen, die man eigens mit der Volkshochschule entwickelt hat.

Alle Mitarbeiter gehen erst ins abgestufte Grundprogramm „English for the Office“ – je nach amtlichen Vorkenntnissen von fast unterirdisch bis mittelprächtig. Anschließend folgen Spezialkurse wie „Telephoning“, „Business Communication“ oder „When things go wrong“, sollte mal etwas daneben gehen.

Allerdings muss Personal-Chef Böhle Abstriche machen: Die insgesamt 60 Kurse mit über 550 Plätzen sind auf rund 107 000 Euro veranschlagt, vorgesehen sind für das Jahr 2012 aber nur 75 000 Euro. Dafür soll das Programm in den Folgejahren weitergehen – mit jeweils 50 000 Euro Kosten. Wobei die Sparfüchse von der Stadtkämmerei nicht einen einzigen Cent dafür lockermachen wollten.

Auch CSU und FDP stimmten gegen die Nachhilfe. „Wir begrüßen die Qualifikation zwar ausdrücklich“, sagt CSU-Rätin Evelyne Menges. „Aber dafür hätte man an anderer Stelle Kurse streichen müssen. Die Stadt hat ja so viele Programme – fast schon bis zum Kochkurs!“ Endgültig entscheidet der Stadtrat im Oktober.

Doch bei der Nachhilfe bleibt es wohl nicht: Bald sollen zunächst zehn Mitarbeiter zum zweiwöchigen Beamtenaustausch in die schottische Partnerstadt Edinburgh aufbrechen. Schließlich müssen Sprachkenntnisse auch praktisch vertieft werden. Zeigt das Programm Erfolg, will das Personalreferat es in den kommenden Jahren weiterführen.

David Costanzo

Rubriklistenbild: © dapd

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