Englischer Garten: Das ist der Tunnelplan!

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Nadelöhr Isarring: Der neue Tunnel soll mit je drei Fahrspuren die Verkehrssituation entschärfen

München - Vor einem Jahr wurde die Idee noch belächelt: Ein Tunnel unter dem Englischen Garten? Doch die Pläne zweier Münchner Architekten werden immer konkreter. Wir zeigen sie.

Im Frühjahr 2010 ging das Architektenpaar Petra Lejeune und Hermann Grub mit dem Plan an die Öffentlichkeit: Sie wollen den Mittleren Ring am Isarring unter dem Englischen Garten durchführen – genau hier zerschneidet die Fahrbahn seit fast 50 Jahren den Park. „Wird die Stadtautobahn in einen Tunnel gelegt, kann einer der weltweit größten Stadtparks wiedervereinigt werden“, sagt Grub.

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Die Allianz Umweltstiftung spendete 150 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie, die von der Verkehrsplanungsfirma Obermeyer durchgeführt wurde. Ergebnis: Das Projekt ist technisch durchsetzbar! Und das sind die wichtigsten Pläne:

  • Zwischen Iffland- und Dietlindenstraße soll ein 375 Meter langer Tunnel führen. Jede Seite der momentan zweispurigen Fahrbahn wird um eine Fahrspur erweitert – somit hat der Tunnel drei Spuren pro Richtung. Folge: Weniger Stau!
  • Der Schwabinger Bach wird verlegt und fließt wieder mitten im Englischen Garten. Er wird wie der Oberstjägermeisterbach über dem Tunnel nach Norden geführt. Durchgehende Wege und Wiesen verlaufen – wie einst von Ludwig von Sckell geplant – in Nord-Süd-Achse.
  • Der direkte Anschluss von Seehaus und Hirschau über den Isarring entfällt. Dafür entstehen neue Parkplätze am südöstlichen Rand des Isarrings, die über die Anliegerstraße Am Eisbach erreichbar sind.

Drei bis vier Jahre würde die Bauzeit nach Einschätzung der Experten dauern. Das 59 Millionen Euro teure Projekt soll zu einem kleinen Teil über Unternehmen finanziert werden, den Rest sollen Stadt und Freistaat übernehmen. Jetzt müssen Planungs- und Baureferat die Sache prüfen, danach soll der Stadtrat entscheiden. Stadträtin Claudia Tausend (SPD) in Vertretung von OB Ude: „Ein hochinteressantes Projekt – ich schätze, in eineinhalb Jahren haben wir ein Ergebnis.“

Auch Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) steht hinter dem Vorhaben: „Mit diesem Projekt können wir die Verkehrssituation erheblich entschärfen und darüberhinaus die ursprüngliche Gestaltung des Englischen Gartens zurückgewinnen.“ Noch bis Ende September läuft am Chinesischen Turm eine Ausstellung.

Christina Schmelzer

Zahlen und Fakten

  • Auf einer Strecke von 1000 Metern wird der Mittlere Ring zwischen Iffland- und Dietlindenstraße abgesenkt und durch einen 375 Meter langen Tunnel geführt.
  • Die drei Fahrspuren pro Richtung im Tunnel sind jeweils 3,25 Meter breit. 110 000 Autos können hier am Tag fahren.
  • Die Tunneldecke soll in einer Stärke von zwei Metern mit Erde aufgeschüttet werden. So können selbst große Bäume wachsen.
  • Der Tunnel wird um 12 Meter nach Norden verlegt. Dadurch wird der Abstand zwischen Mittlerem Ring und Kleinhesseloher See so groß, dass Besucher die Trasse nicht mehr sehen.
  • Die neue Straße wird schon am westlichen Rand des Englischen Gartens abgesenkt, was die Lärmsituation erheblich verbessert. Außerdem werden an den Tunnelportalen Lärmschutzwände errichtet, die Anwohner und Besucher im Englischen Garten zusätzlich abschirmen sollen.
  • Während der drei bis vier Jahre langen Dauer der Bauarbeiten soll eine 600 Meter lange Staub- und Lärmschutzwand die Besucher des Englischen Garten abschirmen.
  • Damit das Grundwasser nach Beendigung der Bauzeit ungehindert fließen kann, befindet sich unter dem Tunnel eine 50 Zentimeter starke Drainage-Kiesschicht.

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