Enkeltrick-Betrug schlimm wie nie

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Auch Traudl und Walter Retzenhauser wurden abgezockt.

München - Die Enkeltrick-Betrüger schlagen wieder massiv zu: 27 Versuche wurden allein im Mai in München gezählt. Die Polizei jagt eine polnische Bande.

"Oma, ich bin es. Ich brauche dringend Geld.“ So klingt der typische Anruf von Enkeltrick-Betrügern, die aktuell in München Senioren heimtückisch um ihr gespartes Geld bringen. Allein 27 Versuche gab es im Mai, sechs Mal hatten die Gauner sogar Erfolg – das sind in einem Monat mehr Fälle als im gesamten letzten Jahr!

Der Schaden: 175 000 Euro. Seit Jahresbeginn registrierte die Polizei bereits 57 Versuche – im gesamten Jahr 2011 waren es 59. „Die Zahlen sind dramatisch und alarmierend. So eine Situation haben wir noch nicht erlebt“, sagt Polizei-Vizepräsident Robert Kopp. Das Schlimme: Die Dunkelziffer ist noch viel höher. Nicht jeder Versuch wird der Polizei gemeldet.

„Die Täter gehen immer nach dem gleichen Schema vor“, sagt Kopp. Im Telefonbuch suchen sie gezielt nach Vornamen, die zu Senioren passen – zum Beispiel Agathe oder Josef. Dann rufen sie an und geben sich als Enkel in finanzieller Not aus. Sie brauchen Geld – am besten sofort. Können aber selbst nicht kommen und schicken einen Freund vor. Der nimmt dann das Geld für den angeblichen Haus- oder Autokauf in bar entgegen.

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So wie am Dienstag in Obermenzing: Eine 71-jährige Rentnerin verlor 75 000 Euro. Sie übergab es in insgesamt 1,9 Kilo schweren Goldbarren – eingewickelt in einer Papiertüte!

Die Betrüger prellten am 10. Mai auch eine 81-jährige Frau im Olympiapark um 67 000 Euro. Hinter den Kriminellen vermutet die Polizei eine Bande aus Polen, die ein Call-Center betreibt und Senioren in ganz München anruft.

Vier Beamte der Arbeitsgruppe Enkeltrick fahnden rund um die Uhr, arbeiten auch mit den Sparkassen im Landkreis zusammen. Doch die Aufklärungsquote liegt „bei unter zehn Prozent“, sagt Kopp. Den besten Schutz biete die Vorbeugung. Das sind die Tipps der Polizei:

Notieren Sie die Nummer des Anrufers. Fragen Sie im Zweifel Verwandte, ob sie die Nummer kennen, oder geben Sie sie der Polizei.

Kommt Ihnen der Anruf komisch vor, legen Sie auf. Rufen Sie ihren Enkel an und versichern Sie sich, dass er wirklich sprechen wollte. Spüren die Täter Misstrauen, brechen Sie die Aktion meist sofort ab.

Andreas Thieme

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