90-jähriges Bestehen

Entdeckungsreise im Deutschen Museum: Das haben Sie noch nie gesehen

+
Das Deutsche Museum feiert sein 90-jähriges Bestehen.

München - Das Deutsche Museum feiert am Samstag mit einem großen Sommerfest sein 90-jähriges Bestehen. Die tz ging auf eine exklusive Entdeckungsreise und zeigt Dinge, die Sie noch nie gesehen haben.

Stellen Sie sich mal vor, Ihr Chef kommt zu Ihnen und sagt: „Das Deutsche Museum öffnet morgen, Sie haben frei!“ 1925, als das Deutsche Museum seine Pforten öffnete, bekamen alle Beamten und Schüler einen freien Tag! Das wird Ihnen leider nicht mehr passieren. Auch wenn das Museum heuer seinen 90. Geburtstag feiert. Zum Trost nimmt Sie die tz schon heute mit auf eine exklusive Entdeckungsreise …

Aber auch das Museum selbst lässt sich nicht lumpen. Am Samstag, 22. August, ist der Eintritt frei! Ab 12 Uhr gibt es Sonderführungen. Treffpunkt ist immer das Foyer im Ehrensaal im ersten Stock. Um 13 Uhr startet die Führung Nie gesehene Objekte. Für Kinder gibt’s ein buntes Programm: Die Maus und Käpt’n Blaubär sind zu Gast, ein Ballon-Weitflugwettbewerb und ein Malwettbewerb um die schönste Eule (das Wappentier des Museums) laden zum Mitmachen ein. Ab 17 Uhr öffnet die Dachterrasse der Raumfahrt, bis 23 Uhr wird dort gefeiert.

Das Fest ist ganz im Sinne des Machers des Deutschen Museums, Oskar von Miller. Der Bauingenieur wollte den Menschen Technik und Naturwissenschaften näher bringen. Sein Ziel: ein interaktives Museum! Er wollte, dass die Leute selber etwas bewegen und hinter die Fassade blicken können. Das ist noch heute das Motto des Museums. Deshalb gibt’s auch 1500 Knöpfe, die Entdecker drücken können!

Der Grundstein des Museums wurde am 13. November 1906 gelegt. Die tz stieg hinab in die geheimen Depots des Museums, um den Stein zu sehen (siehe Text unten).

Aber warum dauerte es fast 20 Jahre, bis das Museum aufmachte? „Durch den 1. Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise musste von Miller nochmal von vorne anfangen“, sagt Wilhelm Füßl, Archivar des Deutschen Museums. Von Miller wollte das Museum unbedingt. 100 000 Briefe soll er geschrieben haben, um an Objekte zu kommen – und an Baumaterial! So bekam er 40 Eisenbahnzüge Zement gestiftet. Was von Miller wollte, bekam er auch. Füßl weiß dazu eine Anekdote: „Als von Miller in Mexiko von Banditen überfallen wurde, hat er denen einfach seinen Namen genannt.“ Die Antwort der Banditen: „Wir nehmen nichts von Kollegen!“ Florian Fussek

Der Turm

Toller Ausblick: Wilhelm Füßl auf dem Turm.

64 Meter ist der Turm des Museums hoch. Heutzutage ist das nicht so bemerkenswert. 1925 aber war er das höchste Gebäude - nach der Frauenkirche (99 Meter)! Schon damals galt das Gesetz: Nichts darf höher sein als die beiden Kirchtürme! „Der Turm sollte zeigen: Hier sieht man Technik“, sagt Archivar Füßl. Nach einiger Zeit musste der Turm jedoch geschlossen werden. Der Grund: Immer wieder sprangen Menschen in den Tod. Heute darf man den Turm nur in Begleitung betreten

Der Grundstein

Feierlich: Kaiser Wilhelm II. (mittleres Bild, rechts) und Prinzregent Luitpold (links daneben).

Auf diesen Stein hat schon Kaiser Willhelm II. geklopft! 1906 war er einer der 2000 geladenen Gäste, die zur Grundsteinlegung des Deutschen Museums kamen. Weitere illustre Gäste: Prinzregent Luitpold, Wilhelm Conrad Röntgen und Rudolf Diesel. Alles musste vom Feinsten sein bei derFeier. Von der Firma Bernheimer wurden antike Möbel bestellt. Offenbar hatten die tatsächlich einige Jahre auf dem Buckel: Einer der Stühle krachte zusammen, als der Kronprinz Platz nehmen wollte. Statt zu toben, soll dieser aber nur gesagt haben: „Ist nicht so schlimm, bin ja nur ich. Beim Kaiser hätte es Krieg gegeben!

Das Bergwerk

Der Höhepunkt für viele Besucher ist wohl das Bergwerk innerhalb des Museums. „Nach 1925 haben viele Museen - wie zum Beispiel in Chicago - das Bergwerk nachgebaut“, erzählt Wilhelm Füßl. Schon immer war es die Intention des Hauses, den Leuten Technik und Naturwissenschaften näher zu bringen. So bekamen früher Schüler aus ganz Deutschland Stipendien, um sich hier eine Woche lang weiterzubilden. Ein bisschen geschummelt wird aber auch im Deutschen Museum. Das Bergwerk ist zum Beispiel nur aus Gips. „Das Museum ist auch ein Theater!“, sagt Wilhelm Füßl, der Archivar. Wenn man durch das nachgebaute Schiff läuft, schwanken manchem aber trotzdem die Beine. Bei den Dampfmaschinen ist das ähnlich. Es handelt sich zwar ausnahmslos um Originale - angetrieben werden sie aber von einem Elektromotor! Wie die Balancier-Betriebsmaschine, die bis 1873 in der Gussstahlfabrik von Friedrich Krupp schnaufte.

Die Pfeiler

Der gesamte Museumsbau steht auf sage und schreibe 1500 solcher Pfeiler. „Die Insel hätte den Bau sonst nie tragen können“, sagt Wilhelm Füßl. Erst durch den Bau des Museums wurden die Ufermauern befestigt. Bis heute hat das Haus aber Probleme mit Überschwemmungen. Früher hieß die heutige Museumsinsel übrigens Kohle-Insel. Der Grund liegt auf der Hand: Bevor hier ein Museum stand, wurde dort Kohle abgeliefert.

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen
Mit anonymem Brief: Unfassbare Katzen-Entführung in Haidhausen

Kommentare