„Entführung“ der dümmeren Art: Callboy täuscht Kidnapping vor

München - Es war wohl das dümmste „Kidnapping" in der jüngeren Münchner Kriminalgeschichte. Ein Callboy täuschte das Kidnapping vor, um einen Professor auszunehmen. Jetzt standen er und ein Spezl vor Gericht.

Die Entführung von Callboy Bohumil H. (23) war nur vorgetäuscht, sein verliebter Freier, Biochemiker mit Professur in den USA, konnte die „Entführer“ von einer Million auf insgesamt 67 000 Euro herunterhandeln. Zur Übergabe der zweiten Rate rückten das „Opfer“ und ein „Kidnapper“ dann gemeinsam an - direkt in die Arme der Polizei.

Der Tscheche Bohumil H. und sein alter Spezl Petr (32) sind vor dem Landgericht wegen erpresserischen Menschenraubs und schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Landsmann Pavel (30) wegen Beihilfe. Der vielfach vorbestrafte Bohumil H., Pornodarsteller in seiner Heimat, war Professor Bernd S. (54) über einen Escort-Service für Liebesdienste vermittelt worden. Der Biochemiker verliebte sich offenbar in den hübschen Jungen, verwöhnte ihn mit kostspieliger Garderobe, fuhr mit ihm in Urlaub. Auch Geld floss reichlich. Mal klagte H. über Schulden bei der Mafia, mal über sein marodes Auto. Rund 65 000 Euro machte er so für diverse „Engpässe“ beim Professor locker.

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Dessen Wohlstand brachte ihn wohl auf die Idee mit dem Kidnapping. Bohumil H. ließ seinen Schulfreund und den bis heute nicht geschnappten Komplizen „Martin“ am 28. Februar nachts in die Harlachinger Wohnung des Biochemikers, den die beiden aus dem Bett in den Flur zerrten. „Entführungsopfer“ H. lag dort, zum Schein gefesselt und geknebelt, auf dem Boden, wurde unter heftigen Drohgebärden fortgeschleift. Der Professor musste unter vorgehaltener Pistole Kreditkarten samt Geheimzahlen herausrücken, wurde fünf Stunden gefesselt festgehalten. Dann forderten die Eindringlinge eine Million Lösegeld für ihren „entführten“ Komplizen H.

Er habe das Geld, aber so schnell könne er es nicht locker machen, hielt sie das Opfer hin. Ob sie nicht lieber 17 000 Euro von seinem Girokonto hätten? Die Täter stimmten zu, falls der Professor 50 000 Euro nachschiebe. Bernd S. willigte ein. Am 6. März kam dann der „Entführte“ persönlich zum Inkasso der zweiten Rate, begleitet von Pavel. Statt Geld gab‘s Handschellen. Zwei Polizisten, Nachbarn des Professors, bezeugten, dass Bohumil H. nie in der Gewalt von Kidnappern war - sie hatten ihn am Tag der „Entführung“ im Hausflur getroffen, mit ihm sogar gesprochen. Den Beamten war nämlich vor der Tür ein Fahrzeug mit tschechischer Nummer aufgefallen. Der Prozess dauert an.

Sarah List

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