Es geht um erpresserischen Menschenraub

Entführung im LKA-Auftrag? Wirre Geschichte vor Gericht

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Zeljko B. (58) sagte am Montag aus.

München - Kurioser Prozess-Auftakt  am Landgericht! Zeljko B. (58) ist wegen erpresserischen Menschenraubes angeklagt und soll mit Komplizen einen Mann aus Schweden entführt haben, um ihn nach Deutschland zu verschleppen.

Laut Anklage hatte das spätere Opfer einen Banküberfall begangen und verfügte über viel Geld.

Nur: Vor Gericht erzählte Zeljko B. eine ganz andere Geschichte – und die hatte es in sich. Wie sein Verteidiger Adam Ahmed für ihn schilderte, sei B. von einem Bekannten gefragt worden, ob er sich nicht etwas dazuverdienen wolle. Sein Auftrag: Josip A. (Name geändert) von Schweden nach Deutschland zu begleiten. „Ihm ist versprochen worden, dass er im Gegenzug eine Arbeitserlaubnis in Deutschland erhält“, sagt Ahmed. Doch dann geriet die Aktion außer Kontrolle. In Schweden sei Zeljko B. tagelang hingehalten worden. Schließlich fuhr er mit zwei Männern los – aber flüchtete, nachdem einer ihn bedroht hatte. Zu Fuß in Richtung Autobahn, dort sammelte ihn ein weiterer Bekannter auf, der zu der Aktion gehört haben soll. „Mein Mandant war der Fahrer. Er hatte Klopfgeräusche im Kofferraum wahrgenommen.“ 

Erst auf der Fahrt habe er erfahren, wen er da nach Deutschland bringen soll. Dass es sich nicht um eine Begleitung handelt, war das schon klar geworden. Angeblich, so der Bekannte zu Zeljko B., wisse die Deutsche Polizei aber Bescheid und sei über die Aktion informiert. „Es war ein Auftrag des Landeskriminalamts“, verlas Ahmed. Denn in München sollte der Entführte schließich als Zeuge aussagen – im Prozess um Kriegsverbrecher. Ein wirre, aber spektakuläre Geschichte – in einem Prozess, der wohl auch spektakulär schnell zu Ende gehen wird. Das Urteil steht noch aus. 

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