Entscheidung für dritte Startbahn basierte auf alten Daten

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München - Die Entscheidung der Regierung von Oberbayern für eine dritte Startbahn am Münchner Flughafen basiert nach einem Zeitungsbericht zum Teil auf veralteten Daten.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, beträfen diese vor allem Prognosen über die künftige Preisentwicklung bei Öl- und Kerosin. In dem Gutachten für das Milliarden-Projekt sei von einem sehr niedrigen Rohöl-Preis ausgegangen worden und damit von einer größeren Wirtschaftlichkeit für die Fluglinien. Ein Sprecher der Regierung von Oberbayern wollte sich dazu am Samstag nicht äußern. Die Behörde hatte am Dienstag grünes Licht für die umstrittene neue Start- und Landebahn gegeben. In einem Gutachten für das Planfeststellungsverfahren wurde nach Angaben der Zeitung für das Jahr 2020 mit einem Ölpreis von rund 50 US-Dollar pro Barrel Rohöl gerechnet. Diese Entwicklung werde jedoch von Experten mittlerweile für ausgeschlossen gehalten. Derzeit liegt der Preis für ein 159-Liter-Fass Rohöl bei rund 117 US-Dollar.

Der Treibstoff ist ein großer Kostenfaktor für die Fluglinien. Nach Angaben des Blatts entfallen rund 30 Prozent der Betriebskosten einer Fluggesellschaft auf das Kerosin. Damit beeinflusst der Ölpreis Ticketpreise und damit Passagierzahlen und Flugaufkommen. Vor allem Billigflieger, die sonstige Kosten auf ein Minimum drücken, sind massiv von Ölpreisschwankungen betroffen.

Der Münchner Prognose lägen Zahlen des Amerikanischen Energie-Informationsamtes aus den Jahren 2006 und 2007 zugrunde. Die Finanzkrise im Jahr 2008 und die damalige Ölpreissteigerung auf mehr als 140 Dollar sei nicht erwähnt. Für den Prognosezeitraum von 2006 bis 2020 könne in Sachen Ölpreis “mit einer Entspannung gerechnet werden“, heißt es in dem Gutachten. Die Entwicklung der Jahre 2007 bis 2011 bleibe ebenso unbeachtet wie Studien von Behörden und Forschungsinstituten, die bis 2020 mit einer globalen Verknappung des Rohöls rechnen. In dem 364 Seiten starken Schriftstück finden sich nach Angaben des Blatts nur zwei Seiten zum Ölpreis.

Der Sprecher der Regierung von Oberbayern sagte, in die Prognose sei eine Vielzahl von wirtschaftlichen Daten eingeflossen. Zu Details werde sich die Behörde angesichts der zu erwartenden Klagen nicht äußern. Zunächst wolle man die Gerichtsentscheidungen abwarten.

dpa

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