Sichtung an der Stadtisar

Er bringt auch Probleme mit sich: Der Fischotter erobert München

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Possierlich anzusehen, aber ein ebenso geschickter wie hungriger Fischfänger: Der Fischotter bereitet den Isarfischern Sorgen.

Überraschung an der Stadtisar! Die Münchner Isarfischer haben dort eine der seltensten Tierarten Bayerns gesichtet: Den Fischotter. Nun wollen sie herausfinden, um wie viele Exemplare es sich handelt. So possierlich die Tiereaussehen – sie bringen auch Probleme mit sich.

Ungewöhnliche Spuren haben die Münchner Isarfischer zu Jahresbeginn im Schnee entlang der Isar entdeckt. Die Abdrücke mit den Schwimmhäuten zwischen den Zehen brachten den Verdacht auf, hier könnten Fischotter unterwegs sein. Später entdeckte man auch noch Blutspuren und danach einige tote Fische mit Fraßspuren. Die toten Barben gelten Fachleuten als Indiz für den Fischotter. „Es gibt neben dem Nerz und dem Mink kaum ein anderes Tier, das den Fisch so aufreißt, die Gebissspuren sind ziemlich eindeutig“, erklärt Willi Ruff, der Chef der Isarfischer.

Wildkamera fängt Fischotter im Stadtgebiet ein

Die Aufnahme einer schnell installierten Wildkamera machte die Vermutung zur Gewissheit: Wir haben Fischotter im Stadtgebiet! Mindestens vier Exemplare hält Ruff inzwischen für gesichert. „Unterhalb des Maximilianeums ist wohl eine Fähe mit zwei einjährigen Jungtieren unterwegs, und am Isarkanal beim Hinterbrühler See ist mittlerweile noch ein Tier gesichtet worden“, berichtet er. Ob das tatsächlich schon alle sind, sollen jetzt intensive Beobachtungen und weitere Wildkameras zeigen. Denn „es ist das heimlichste Tier, das wir hier in Bayern haben“, sagt der Isarfischer-Vorstand.

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Michaela Thiel, Otterbeauftragte des Landesfischereiverbands Bayern, hält sogar noch mehr Tiere für wahrscheinlich. „Bei so großen Gewässern merkt man die meist gar nicht so intensiv.“ Ein normaler Bürger werde den scheuen und nachtaktiven Otter, der bei seinen Beutezügen 20 Kilometer und mehr zurücklegt, allerdings nie zu Gesicht bekommen. Obwohl der Fischotter ein schönes Tier sei und viele Menschen begeistert, sei eine zu große Population auch problematisch. „Vier Otter sind schon grenzwertig für das Stadtgebiet und die dortige Größe des Gewässers“, findet Ruff. Speziell im Stadtbereich, wo Tourismus und Badegäste, Kormoran und Gänsesäger den Fischen eh schon das Leben schwer machen, müsse man die Ausbreitung des possierlichen Räubers genau beobachten. „Wir haben in der Isar ja auch Arten von der Roten Liste.“

Ein Fischotter in München, eingefangen von einer Wildkamera.

Gerade eroberten sich die Fische ihren natürlichen Lebensraum wieder zurück. Seit letztem Jahr laichen sogar wieder Huchen in der Isar. Da wäre es für die Isarfischer schon ärgerlich, wenn die Otter sie einfach so anknabbern würden. Tatsächlich frisst der Fischotter jeden Fisch, den er kriegen kann, und scheut auch vor großen Exemplaren nicht zurück. Bei den angebissenen Fischen handelt es sich wohl um Jagdübungen der Jungtiere.

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Die Isarpfleger können den pelzigen Neubürger durchaus als Kompliment verstehen. Denn der Otter braucht saubere, fischreiche Gewässer mit dichter Ufervegetation. Er zeugt somit davon, dass die Renaturierung des Stadtflusses gelungen ist. Die Isarfischer sorgten sich sich nicht nur um die Fische, sondern auch um gefährdete Muschel- und Krebsarten, also um Artenvielfalt schlechthin, erklärt Thiel. Der Hauptnahrungsanteil sind Fische, außerdem Würmer, Brutvögel, Krebse, Frösche, Mäuse und Ratten. Rund ein Kilo Futter braucht das Tier täglich, Muttertiere mehr als doppelt so viel.

Davon, dass er sich in München niedergelassen hat, zeugen angeknabberte Fische (links), Spuren im Schnee und die Beweisaufnahme einer Wildkamera. 

Von den Naturschützern heiße es stets, die Fischotter seien kein Problem, weiß Willi Ruff. „Aber wir sind hier nicht in der Naturlandschaft von Alaska.“ In der Oberpfalz, in Oberfranken und Niederbayern, aber auch im Berchtesgadener Land und bei Traunstein gibt es inzwischen schon große Fischotter-Vorkommen. Vor allem die Teichwirte seien hier schwer betroffen. „Da frisst sich das Tier genüsslich durch, bis kein Fisch mehr da ist, da blutet einem das Herz.“ Entschädigungen, die in den betroffenen Fischereigebieten in die Millionenhöhe gehen, seien langfristig keine Lösung, findet Ruff. „Und für freie Gewässer bringt das sowieso gar nichts.“ Letztendlich sei die Politik gefragt, einen entsprechenden Managementplan aufzulegen. Das betreffende Tier lebt seit Kurzem sozusagen vor ihrer Haustür.

CARMEN ICK-DIETL

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