Opfer Dominik G. sagt im Prozess aus

Er schlug ihn fast blind! Disco-Schläger vor Gericht

München - Fiese Narben ziehen sich durch sein Gesicht. Wenn Dominik G. (26) lächelt, treten die verheilten Einschnitte deutlich hervor. Er ist das Opfer eines brutalen Disco-Schlägers, der jetzt vor Gericht verurteilt wurde.

Dominik G. wollte am 14. Dezember 2014 nur mit Freunden einen Geburtstag feiern. In der Disco Jack Rabbit (Schwanthalerstraße) geriet er aber an einen brutalen Schläger. „Wir standen am Rand der Tanzfläche. Unsere Stimmung war ausgelassen, die ganze Gruppe gut drauf“, sagt Dominik. Im Gedränge versucht ein Discobesucher an ihm vorbeizukommen – und rempelt ihn versehentlich an. „Reit langsam, Cowboy“, sagte Dominik zu Marc T. (24, Name geändert) – „das ist mein Spruch, den sag’ ich immer.“ Sein Lächeln fasst T. aber als Provokation auf – und wird plötzlich aggressiv. „Wie aus dem Nichts schlug er mir ein Cocktailglas ins Gesicht“, sagt Dominik. „Ich fing sofort an zu bluten und mir wurde schwarz vor Augen.“ Türsteher rufen den Notarzt. Der stellt ein Schädel-Hirn-Trauma fest – und schickt den jungen Mann sofort in die Klinik.

Von dem brutalen Angriff erleidet Dominik aber auch Platzwunden an der Stirn, am Augenlid, am Nasenrücken und am linken Ohr – seine gesamte linke Gesichtshälfte ist zerschunden. „Ich war drei Wochen lang krankgeschrieben“, sagt er. „Seit dem Vorfall kann ich nicht mehr schlafen. Mehr als drei Stunden pro Nacht sind nicht drin.“ Viel schlimmer aber: Seine Narben werden für immer bleiben.

Immerhin: Donnerstag musste sich der Täter vor dem Amtsgericht verantworten, denn die Staatsanwaltschaft hatte Marc T. wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Im Prozess versuchte er seine Attacke zu verharmlosen. „Die Gruppe stand im Halbkreis um mich herum. Ich bekam Panik und wollte mich nur wehren. Mein Schlag war ein Reflex“, sagte der Wirtschaftsfachwirt. Richterin Karin Jung verurteilte ihn trotzdem – zu drei Monaten auf Bewährung. „Das war eine völlig unangemessene Kurzschlussreaktion“, rügte sie. „Ihre Tat hatte gravierende Folgen. Nur mit Glück wurde das Auge Ihres Opfers nicht verletzt.“ In ihrer Urteilsbegründung erinnerte Richterin Jung auch an einen Prügelfall von der Wiesn: „Bei einer ähnlichen Tat wurde einem Besucher die Halsschlagader aufgeschlitzt“, sagt sie. Und brummte Marc T. zusätzlich noch 5000 Euro Schmerzensgeld auf. Er akzeptierte seine Strafe und gab Dominik G. die Hand. Der sagte: „Ich nehme die Entschuldigung an.“

Andreas Thieme

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