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Martin Mayer gestorben: An seinem bekanntesten Werk gehen täglich Tausende Münchner vorbei

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Von: Phillip Plesch

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Die Plastik Olympia Triumphans mit ihren runden Formen steht im Westen des Olympiaparks.
Die Plastik Olympia Triumphans mit ihren runden Formen steht im Westen des Olympiaparks. © imago stock

Kein Ereignis hat München nach dem Zweiten Weltkrieg mehr geprägt als die Olympischen Spiele 1972. In einer Serie zum 50. Jubiläum berichtet unsere Zeitung vom Leben von damals, erläutert Entwicklungen und stellt Zeitzeugen vor. Heute erinnern wir an den kürzlich verstorbenen Bildhauer Martin Mayer.

München - Im Handstand balanciert die kräftige Frau auf einem Ball. Die Arme sind durchgestreckt, die Beine gespreizt. Der Körper wirkt kraftvoll – bis in die Fußspitzen. Über fünf Meter hoch ist die Bronze-Großplastik Olympia Triumphans im Westen des Olympiaparks insgesamt. Sie wurde zu den Olympischen Spielen 1972 errichtet, zunächst im Haus der Kunst dem internationalen Publikum gezeigt und dann im Olympiapark aufgestellt. Geschaffen hat sie der Münchner Bildhauer Martin Mayer. Er ist am Dienstag vergangener Woche, zwei Tage nach seinem 91. Geburtstag, verstorben.

Olympia Triumphans war wahrlich nicht das einzige Werk von Martin Mayer – und auch nicht das bekannteste. Denn das steht wohl in der Münchner Fußgängerzone. Das sitzende Wildschwein vor dem Jagd- und Fischereimuseum stammt ebenfalls aus der Hand des Bildhauers.

München: Bildhauer schuf bekannte Werke - nun ist er im Alter von 91 Jahren verstorben

Mayer war es wichtig, als Bildhauer und nicht als Künstler bezeichnet zu werden. „Künstler nennt sich heute jeder“, sagte er anlässlich seines 85. Geburtstags im Gespräch mit unserer Zeitung. Genauso störte es ihn, nur auf den Bronze-Keiler reduziert zu werden. Mayer hat mehr geschaffen und vieles davon ist auch noch in München zu sehen.

Martin Mayer wurde 1931 in Berlin geboren, seine Familie war pfälzischer Herkunft. Er wollte nie etwas anderes werden als Bildhauer. Seine Eltern, beide Grafiker, waren der Kunst sehr zugewandt. Trotzdem wäre es ihnen lieber gewesen, ihr Sohn hätte einen sicheren Beruf ergriffen. „Aber das war bei mir nicht der Fall“, sagte Mayer. Er wirkte eigensinnig. Und unbeirrbar. Auf die Frage, ob er nie Angst hatte, als Künstler kein geneigtes Publikum zu finden, sagte er: „Angst ist ein Zustand, den ich nicht kenne.“

Martin Mayer in seiner Werkstatt
Rund 30 Bronze-Skulpturen des verstorbenen Martin Mayer stehen im öffentlichen Raum. © Marcus Schlaf

Im Alter von 15 Jahren kam Mayer nach München. Als Schüler des Bildhauers Theodor Georgii. Der Abt von Kloster Ettal hatte ihn empfohlen. Dort wollten ihn seine Eltern aufs Internat schicken – in der Hoffnung, seine schulischen Leistungen zu verbessern. Allerdings merkte der Abt schnell, dass nicht Mathematik und Latein die Stärken des jungen Mayer waren. Sondern seine künstlerische Begabung. An der Seite von Georgii wurde aus Begabung Können. Später studierte Mayer an der Münchner Akademie der Bildenden Künste.

Standort für Olympia Triumphans zentimetergenau geplant

Handwerkliches Können war ihm wichtig. „Heute besteht Kunst im Wesentlichen aus Zufälligkeiten, aber in der Kunst gibt es keine Zufälligkeiten“, sagte er einst. Mayers Werke sind genau durchdacht. Die Olympia Triumphans etwa ist eine präzise Antwort auf die Architektur im Olympiapark. Ihre muskulösen Beine greifen die Stützen des Stadions auf, ihre runden Po-Backen die Formen des inzwischen abgerissenen Radstadions. Mayer hatte den Standort zentimetergenau geplant.

Kunsthistoriker hatten Mayer zu Lebzeiten als bayerischen Rodin bezeichnet. Weil er einer der letzten Vertreter der klassischmodernen Skulptur in der Tradition des französischen Bildhauers Auguste Rodin war. Martin Mayer hat so lange gearbeitet, wie er konnte. Die Arbeit war ein Teil von ihm, sagte er selbst einmal. Eine Arbeit für die Ewigkeit.

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