"Das war unser Nachbarhaus"

Erdbeben-Serie in Nepal: So erlebte sie ein Münchner

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Das Haus der Adhikaris in Kathmandu ragt hinter den Trümmern dieses zerstörten Gebäudes heraus.

München - Erst das große Erdbeben am 25. April, dann das Nachbeben am Dienstag: Nepal kommt nicht zur Ruhe. Mittendrin ist der Wahlmünchner und Deutsch-Nepali Narayan Adhikari (40). Jetzt hilft er den Opfern.

Dienstag in der Früh in Kathmandu: Die Erde bebt heftig – ein dumpfes Grollen, ein Krachen, eine riesige Staubwolke. Und als sich der Staub wieder legt, ist nur noch ein Schutthaufen übrig geblieben von dem, was mal das Nachbarhaus der Adhikaris war. „Gott sei Dank war das Haus evakuiert, sodass niemand zu Schaden kam. Unser Haus ist stabiler gebaut, es hat nichts abbekommen“, berichtet die Münchnerin Ursula Adhikari (50), die mit ihrem Mann sowie Tochter Sara (13) und Sohn Santosh (11) in Harlaching lebt, wenn die Familie nicht in Kathmandu weilt. Sie lernte ihren Mann 1998 bei einer Trekkingtour kennen.

Ursula Adhikari und ihr Ehemann Narayan.

Wenn Narayan Adhikari gerade keine Touristen durch die Eiswelt des Himalaya führt, engagiert er sich für den Ökumenischen Eine-Welt-Kreis St. Nikolaus für den Schulbau: „In Nepal sind noch 50 Prozent der Bevölkerung Analphabeten“, so Ursula Adhikari. Doch das Beben hat die Prioritäten dramatisch geändert. Ihr Ehemann schreibt aus Nepal: „In weiten Teilen des Landes sind die Menschen obdachlos, haben nichts außer dem, was sie am eigenen Körper tragen, haben keine Lebensmittel und leben ohne Strom und Wasser. Verzweifelt warten noch immer viele auf Hilfstransporte.“

Narayan Adhikari (r.) verteilt Lebensmittelspenden an die Erdbebenopfer im Distrikt Kavre.

Als es jetzt darum ging, im besonders betroffenen Distrikt Kavre östlich von Kathmandu möglichst schnell zu helfen, bewährte sich der enge Kontakt zum Militär. Narayan Adhikari konnte schon am 30. April einen ganzen Container mit Reis und 18 Tonnen Planen beschaffen, die durch das Militär zugeschnitten und verteilt wurden. „Zwölf Tage nach dem Erdbeben war durch diese Maßnahme der gesamte Distrikt mit 50 000 Einwohnern mit Planen ausgestattet, aus denen sich jede Familie mit Bambusstäben eine Notunterkunft bauen konnte.“ Jetzt steht der Monsunregen an.

Mit den von Narayan Adhikari verteilten Planen und Bambusstangen errichten die Beben-Opfer Zelte.

Auf dem Familiengrundstück in Kathmandu nahm Adhikari über 100 Nachbarn auf, deren Häuser zerstört waren. Nun will er so schnell wie möglich Behelfsschulen bauen, um den Leuten etwas Normalität zurückzugeben. „Diese Behelfsschulen können in wenigen Tagen fertiggestellt werden und halten den Nachbeben stand.“ Ab Herbst will er vier zerstörte Grundschulen neu bauen, die bis April 2016 fertiggestellt sein sollen.

Johannes Welte

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