ER ergaunert von IHR 1,2 Millionen Euro

Uwe F. (l.) und Clarissa H.

München - Andere würden eine Gefängnisstrafe bei der ersten Verabredung mit einer attraktiven Frau tunlichst verschweigen. Der notorische Hochstapler Uwe F. (52) sammelte damit aber sogar Pluspunkte.

Clarissa H. (47), früher Eigentümerin eines beliebten Tutzinger Ausflugs-Restaurants, war „beeindruckt“ von der Offenheit ihres neuen Bekannten. Doch der Heiratsschwindler hat sie um eine Millionen Euro gebracht! Der Hafturlauber hat ihr weisgemacht, die Strafe verdanke er dem betrügerischen Aktien- und Optionshandel eines internationalen Unternehmens, für den er die Schuld allein auf sich genommen habe.

Der Betrüger:Uwe F. (52) war in den vergangenen 20 Jahren zehn Mal angeklagt, er hat mehrere Strafen abgesessen. Trotzdem haben ihm sogar ausgebuffte Banker vertraut. Sie ließen sich durch einen billigen Trick täuschen: Der Gauner gab sich bei seiner eigenen Bank telefonisch als Mitarbeiter eines anderen Kreditinstitus aus und kündigte die Überweisung eines hohen Betrags an. Die Bank glaubte dem vermeintlichen ­Kollegen und zahlte Uwe F. das Geld schon mal aus – ohne auf den Eingang zu warten.Die reiche Witwe hat den Schwindler nach der Haftentlassung 2005 bei sich aufgenommen und in drei Jahren gut eine Million in ihn investiert. Er soll ihr Geld und auch noch knapp 350.000 Euro ihrer Freunde und Bekannten verzockt haben. Für Clarissa H. ist es kaum ein Trost, dass sie nicht als einzige auf den Schwindler hereingefallen ist. In den letzten 20 Jahren saß er mehrere Strafen ab. Während seines jüngsten Gefängnisaufenthalts antwortete er auf die Bekanntschaftsanzeige der Witwe. Sie „suchte eine Schulter, ich bin nicht fähig, allein zu leben“. Man traf sich während seines Hafturlaubs, besuchte gemeinsam ein Museum. Der neue Bekannte erzählte, er habe seine IT-Firma verkauft und Millionen auf Schweizer Konten.

Der Betrüger:

Uwe F. (52) war in den vergangenen 20 Jahren zehn Mal angeklagt, er hat mehrere Strafen abgesessen. Trotzdem haben ihm sogar ausgebuffte Banker vertraut. Sie ließen sich durch einen billigen Trick täuschen: Der Gauner gab sich bei seiner eigenen Bank telefonisch als Mitarbeiter eines anderen Kreditinstitus aus und kündigte die Überweisung eines hohen Betrags an. Die Bank glaubte dem vermeintlichen ­Kollegen und zahlte Uwe F. das Geld schon mal aus – ohne auf den Eingang zu warten.

Das Opfer:

Clarissa H. war früher die Eigentümerin eines beliebten Ausflugs-Restaurants in der Nähe von Tutzing. Nach dem Tod ihres zweiten Mannes verkaufte die 47-Jährige das Restaurant, das sie 18 Jahre lang betrieben hatte. Den Betrüger Uwe F. lernte die einsame Witwe über eine Kontaktanzeige kennen. Nach dessen Haftentlassung im Jahr 2005 nahm sie ihn in ihrer Villa auf, zahlte ihm gutgläubig fast eine Million Euro. Damit nicht genug: Der Betrüger machte auch ihre Freunde und Bekannte um knapp 350.000 Euro ärmer.

Nach seiner Entlassung klagte er über „massive Probleme“ mit seiner Ex-Frau. Sie lasse ihn nicht ans Geld und verweigere ihm den Umgang mit Tochter und Sohn. Das traf bei der Witwe einen empfindlichen Punkt: „Ich habe selbst zwei Kinder und bin fast wahnsinnig geworden.“ Die Frau nahm den Angeklagten in ihrer Villa auf. Nur einen Monat später bat er erstmals um Geld. Clarissa H. zahlte in bar, insgesamt 57-mal hob sie bis zu 55.000 Euro ab. Bis zum „Tag X, wo er dann abgetaucht ist“. Vorher hat er sich „rührend“ um ihren schwerkranken Vater gekümmert: „Ich war froh, dass wir das zu zweit stemmten“.

Uwe F. hat „selbstverständlich“ immer bezahlt, wenn das Paar ausging. Dass es ihr Geld war, ist der Frau offenbar gar nicht aufgefallen. Das Paar reiste nach Petersburg („da wollte ich schon immer hin“). Dort sollte der Angeklagte angeblich Internet-Cafes für eine russische Geschäftsfrau aufmachen. Deren Mann sei Alexander Bor , den er in der Haft kennen gelernt habe, „ein großes Tier in der Mafia“. Letzteres stimmt ausnahmsweise, Bor ist in München wegen Totschlags an einem Mafia-Rivalen verurteilt worden. Uwe F. hat vor seinem Verschwinden seiner Partnerin auch noch die fällige Lebensversicherung „abgeluchst“. Die war eigentlich für die restliche Abzahlung ihrer Villa bestimmt. Der Prozess vor dem Landgericht dauert an.

Thomas Gerber

Frauen,die aus Liebe zahlten

2002: Der notorische Betrüger Wolfgang B. (53, 17 Vorstrafen) ködert in München eine Krankenschwester (56) mit einer Kontaktanzeige. Er kassiert 74 000 Euro, kommt aber mit einer Bewährungsstrafe davon.

 2003: Ein bayerischer Heiratsschwindler gibt sich als „Joffrey Marshall“, Enkel des Ex-US-Ministers George Marshall, aus. Reihenweise gehen ihm die Frauen auf den Leim. Eine der Damen (34) geht schließlich an die Presse.

2005: Hochstapler Bernhard R. (55) soll in München eine Witwe (85) um ihre gesamten Ersparnisse (über 700.000 Euro) gebracht haben. Er erzählte ihr, dass er als erfolgreicher Bankexperte in der Schweiz arbeite.

2009: In Aschaffenburg fliegt ein 41-jähriger Heiratsschwindler auf, der jahrelang mindestens vier Frauen um mehr als 100.000 Euro betrogen haben soll. Der Arbeitslose gab sich als erfolgreicher Geschäftsmann aus.

2009: In München geht eine 68-jährige Witwe einem vorbestraften Betrüger auf den Leim. Der Mann (49) tischt ihr Lügengeschichten auf, betrügt sie um insgesamt 250.000 Euro. Urteil: Drei Jahre Gefängnis.

2009: Der Fall macht Schlagzeilen: BMW-Großaktionärin Susanne Klatten wird vom Schweizer Gigolo Helg Sgarbi um Millionen erpresst. Klatten geht an die Öffentlichkeit. Im März wird der Erpresser zu sechs Jahren Haft verurteilt.

CS

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