Ergebnis einer neuen Umfrage

Mehrheit stimmt gegen Hochhäuser: München bleibt bodenständig

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Der 146 Meter hohe O2-Tower am Georg-Brauchle-Ring ist Münchens dritthöchstes Bauwerk nach dem Olympiaturm und dem Kamin des Kraftwerks Süd.

Die Bevölkerung der Region München ist mehrheitlich gegen neue Hochhäuser. Das geht aus einer Umfrage des Regionalinstituts für Marktforschung (RIM) hervor. Die politische Debatte ist aber eine andere.

München - An der Hochhausfrage sind in München schon Freundschaften zerbrochen oder zumindest auf eine harte Probe gestellt worden. Der mittlerweile verstorbene Alt-OB Georg Kronawitter (SPD) hatte wegen Hochhäusern seinem Amtsnachfolger und Parteigenossen Christian Ude das Leben schwer gemacht. Die Auseinandersetzung der beiden gipfelte 2004 in einem Bürgerentscheid, der die Türme der Frauenkirche als Richtmaß für künftige Bauprojekte auserkor. Mit 50,8 Prozent stimmte die Mehrheit der Wähler für Kronawitters Initiative. Seitdem dürfen in München keine über 100 Meter hohen Häuser mehr gebaut werden. Ude und alle im Stadtrat vertretenen Parteien hatten sich in einem Beschluss gegen das Hochhausbegehren ausgesprochen. Der Entscheid ist juristisch nur ein Jahr bindend, moralisch sieht sich die Politik aber länger in der Pflicht. Jetzt hat eine Umfrage des Regionalinstituts für Marktforschung (RIM) ergeben, dass die Bevölkerung der Region München nach wie vor mehrheitlich gegen neue Hochhäuser über 100 Meter ist. Vor allem innerhalb des Mittleren Rings werden Wolkenkratzer kritisch gesehen.

65 Prozent dagegen, 17 Prozent dafür

„Sind Sie persönlich eher dafür oder eher dagegen, dass in München neue Hochhäuser über 100 Meter gebaut werden?“ hatten die Meinungsforscher gefragt. 65 Prozent der Teilnehmer sprachen sich dagegen aus, 17 Prozent dafür. Der Rest der Befragten äußerte keine Meinung.

Die Stadtbewohner unter den Teilnehmern sind derzeit zu 68 Prozent gegen und zu 18 Prozent für neue Hochhäuser innerhalb des Mittleren Rings. Unter der Umlandbevölkerung liegt das Verhältnis bei 62 zu 17 Prozent. 100-Meter-Türme außerhalb des Mittleren Rings befürworten derzeit 30 Prozent aller Teilnehmer. Etwa die Hälfte der Befragten ist dagegen. Unter der Stadtbevölkerung überwiegen zwar mit 47 Prozent die Gegner, doch mit 36 Prozent ist gleichzeitig ein signifikant hoher Anteil für Hochhäuser über 100 Meter außerhalb des Mittleren Rings.

Insgesamt 689 Personen befragt

Das RIM hat für die Studie vom 19. April bis 22. Mai 689 Personen befragt – 371 aus der Stadt, 318 aus dem Umland. SPD und CSU im Münchner Stadtrat hatten das Thema Hochhaus zuletzt immer wieder befeuert. So hatte Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk jüngst die Hochhausstudie fortschreiben lassen. Ziel ist unter anderem, dass in München ein genossenschaftliches Hochhaus mit Mischnutzung gebaut werde – also außer Wohnungen auch Läden, Büros oder Arztpraxen. „Ich habe einige Projekte in der Pipeline“, sagt Merk. Von 200 Meter hohen Gebäuden werde aber sicher nicht die Rede sein.

Tatsächlich ist es finanziell uninteressant, Wohnhäuser über 80 Meter zu errichten, denn je höher die Bauten werden, desto teurer wird der Wohnraum. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl erklärt das mit Fragen der Erschließung und des Brandschutzes. „Es gibt eine Grenze, wonach der oberste Fußboden nicht höher als 23 Meter sein darf. Sonst kann die Feuerwehr nicht mehr anleitern. Jede Bebauung darüber hinaus erfordert mehr Aufzüge und Treppenhäuser.“ Vorstellbar seien allenfalls Gebäude mit 15 oder 20 Stockwerken. CSU-Chef Manuel Pretzl wünscht sich eine Debatte. „Wir sprechen uns für Wohnhochhäuser aus“, sagte er vor einigen Wochen unserer Zeitung. Man wolle „mutige und durchaus moderne Architektur, also bitte keine Vierkantbolzen“. Als „Vierkantbolzen“ hatte einst Georg Kronawitter den O2-Tower geschmäht. Es wurde zum Schlagwort seiner Kampagne.

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