Münchens einziger CSU-OB ist tot

Kiesl: Steiler Aufstieg, tiefer Fall, stiller Tod

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Für eine Benefiz-Kampagne lies Erich Kiesl sich vom Rathaus abseilen. Dem Triumph folgte nur sechs Jahre später der tiefe Fall.

München - Ruhig war es um ihn geworden und friedlich ist Erich Kiesl auch eingeschlafen. Der einzige von den Münchnern direkt gewählte CSU-Oberbürgermeister starb am Donnerstag im Kreis seiner Liebsten.

Der einzige von den Münchnern direkt gewählte Oberbürgermeister aus Reihen der CSU starb am Donnerstag im Kreis seiner Liebsten. Was für ein bewegtes Leben: Aufstieg in die Staatsregierung, Eroberung des roten Münchner Rathauses, Verurteilung und Rückzug. Kiesl wurde 83 Jahre alt.

Sie waren alle in sein Haus in Denning im Osten der Stadt gekommen: Die fünf Kinder standen ihm bei. „Seine Frau Edigna bekommt großen Rückhalt in der Familie“, sagt Kiesls Freund und politischer Ziehsohn Thomas Zimmermann, früherer Gesundheitsreferent und Landtagsabgeordneter.

Vor einem halben Jahr erkrankte er schwer, das Leiden wurde chronisch, lange lag er im Klinikum Großhadern. Seit einer Woche litt er unter Nierenversagen, an dem er starb. Zuvor hatte man ihn nach Hause gebracht.

„Erich Kiesl war ein Politiker mit Ecken und Kanten und einer markanten Persönlichkeit. Einer seiner größten Verdienste für München ist zweifellos die Ankurbelung des Wohnungsbaus“, würdigen Kultusminister und Bezirksvorsitzender Ludwig Spaenle sowie Rathaus-Fraktionschef Josef Schmid den Ehrenvorsitzenden der Münchner CSU.

Aus dem Öffentlichkeit hatte Kiesl sich zurückgezogen. Den 80. Geburtstag feierte er im kleinen Kreis. Nur beim FC Bayern, da war er bei jedem Heimspiel. Der Ehrenvorsitzende des Verwaltungsbeirats hat das Champions-League-Finale im Klinikum Großhadern noch verfolgen können. Zimmermann: „Er hat sich riesig gefreut."

David Costanzo

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Erich Kiesl war ein sehr erfolgreicher Münchner Parteivorsitzender, der die CSU modernisiert und schlagkräftig gemacht hat. Als OB hat sich um die Modernisierung der Verwaltung und um die Ankurbelung des Wohnungsbaus bemüht. Leider war seine Amtszeit von Beginn an von Affären belastet und so wurde er als einziger OB in der Nachkriegsgeschichte nicht wiedergewählt. Das war ein bitterer Wahltag für ihn. Dass er anschließend straffällig wurde, ist ein besonderes Schicksal, das ihm schwer zu schaffen gemacht hat. Ich selbst habe ihn in meiner gesamten Amtszeit ein einziges beim Fußball im Olympiastadion gesehen.

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