Erika H. überglücklich: Heimag-Siedlung gerettet

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Die Heimag-Siedlung ist für Erika H. „der perfekte Alterssitz im grünen Paradies“.

München - Freudentränen blitzen bei Erika H. auf, als sie den Brief der Heimag immer wieder liest. Endlich konnte die 80-Jährige zum ersten Mal seit Wochen wieder durchschlafen. Der Abriss-Albtraum ist vorbei.

Seit 67 Jahren wohnt WitweErika H. in der Heimag-Siedlung an der Säbener Straße. Wie die tz und Hallo München vergangene Woche berichteten, sollte die ganze Siedlung abgerissen werden. Am Dienstag die plötzliche Wende: Die Wohnungsbaugesellschaft verschiebt Abriss und Neubau der Häuser.

Erst durch einen Zeitungsartikel hatte Erika H. vom Schicksal ihrer Siedlung erfahren. „Die halten uns Alte für so dumm. Wir dienen nur noch als Wählerstimmen. Das ist unmenschlich!“ Über die Hälfte der 250 Mieter ist im hohen Rentenalter, viele könnten ihren Alltag ohne den Zusammenhalt der Nachbarn kaum meistern. „Wenn die Jalousie bei meiner Nachbarin zu ist, klingel’ ich und frage, ob’s ihr gut geht“, sagt Erika H., die mit ihrem Mann ihre beiden Töchter in der Wohnung groß gezogen hat. „Die Siedlung ist wie eine große Familie!“

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Für mindestens zwei Jahre wären die Siedlungs-Bewohner ausquartiert worden, um danach in die Neubauten zurückzuziehen. „Zwei Umzüge mit 80 Jahren? Undenkbar. Die hätten uns doch nicht entwurzeln können wie einen alten Baum!“ Laut Heimag, deren Mehrheitsgesellschafterin die Stadt München ist, sind die Bauten aus dem Jahre 1955 „in einem besseren Zustand, als bislang angenommen“. Erst nach 2015 werden sie neu untersucht. „Langfristig werden wir wohl nicht um den Abriss und Neubau herumkommen, aber bis zum Ende des Jahrzehntes werden die Gebäude stehen bleiben“, sagt Heimag-Geschäftsführer Rudolf Reiser.

Clemens Baumgärtner, Vorsitzender im Bezirksausschuss kämpft seit Wochen gegen den Abriss: „Christian Ude will einen Ruhezustand vor der Wahl schaffen. Die Siedlung muss länger als bis 2020 bestehen, wir als CSU lassen da nicht locker.“ Erika H. freut sich auf die nächsten Jahre in ihrer Wohnung: „Wäre ich rausgeworfen worden, hätte ich keine Lust mehr zum Leben gehabt. Jetzt ist erst mal alles gut.“

CL

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