Erpresser bei Geldübergabe geschnappt

+
Hier hat der Erpresser das Geld abgeholt.

München/Wörth - Die Polizei hat im Landkreis Erding einen Mann (22) gefasst, der ein Münchner Unternehmen erpresst hatte. Der Täter hatte mit einem Sprengstoffanschlag gedroht.

Heimo F. (Name geändert) ist gelernter Zweiradmechatroniker und arbeitet als Selbstständiger in seiner Heimatgemeine im Süden des Landkreises Erding. Zudem übernimmt er Hausmeistertätigkeiten. Dazu fährt Heimo F. mit seinem weißen VW Bus T4 zu seinen Kunden. Dennoch reichen die Einnahmen nicht aus. Der junge Mann steckt chronisch in finanziellen Schwierigkeiten. Auch mit dem Gesetz ist der 22-Jährige wiederholt in Konflikt geraten – Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und schwerer Diebstahl. Bei der Polizei ist er längst kein Unbekannter.

Irgendwann beschließt Heimo F. den finanziellen Befreiungsschlag - und gerät damit vollends auf die schiefe Bahn. Das neue Jahr ist erst ein paar Tage an, da ruft er bei einem Maschinenhandel in München an. 50 000 Euro will er, andernfalls werde er in dem Betrieb einen Sprengsatz hochgehen lassen. Seine Forderung untermauert er mit einem Brief. Die Erpressten alarmieren die Polizei. Am Mittwoch voriger Woche wird das Firmengelände von Sprengstoffhunden durchkämmt. Es wird nichts gefunden. Heimo F. weist seine Opfer an, einen Müllsack mit 50 000 Euro Bargeld bei einem Firmengelände direkt an der Hauptstraße von Wifling abzulegen. Die Händler willigen ein. Die Polizei bekommt alles mit. Als Übergabetermin wird Freitagabend, 20 Uhr, vereinbart. In dem Dorf ist um die Uhrzeit nicht mehr viel los, in der Regel sind es auf der Staatsstraße 2080 Durchfahrende zwischen Ottenhofen/Markt Schwaben und Erding.

Die Polizei ist gerüstet. „Wir hatten rund 50 Beamte der Kripo und der Inspektion Erding, des Präsidiums in Ingolstadt und von Spezialeinheiten aus München zusammengezogen,“ berichtet Hans-Peter Kammerer vom Polizeipräsidium Oberbayern-Nord, der mit Roland Frick vom Kriminaldauerdienst der Kripo Erding den Einsatz leitet. Kammerer erzählt weiter, „dass wir das Gefühl hatten, dass es tatsächlich zum Zugriff kommt“. Der mit Geldscheinen prall gefüllte Sack wird an der Straße abgelegt – perfekt bewacht natürlich. Es wird 20 Uhr, nichts geschieht. Um 21 Uhr ist der Erpresser immer noch nicht erschienen. Kammerer: „Wir wollten den Einsatz noch nicht abbrechen, die Kollegen waren hoch motiviert. Die ahnten, dass da heute noch was geht.“

In der Tat: Um 21.20 Uhr rollt ein weißer VW-Bus mit Erdinger Kennzeichen die Hauptstraße entlang. Der Wagen stoppt vor dem Firmengelände. Ein junger Mann, er ist alleine unterwegs, springt aus dem Fahrzeug, rennt zum vereinbarten Versteck, greift nach dem Sack, steigt wieder ein und braust davon. Die Polizei rast mit mehreren Fahrzeugen hinterher. „Einen Kilometer weiter haben wir ihn gestoppt, den Mann festgenommen und ihm das Geld wieder abgenommen“, berichtet Frick. Heimo F. habe keinerlei Widerstand geleistet. Im Streifenwagen geht es ins fünf Kilometer entfernte Erding zur dortigen Kripo.

Auch die Staatsanwaltschaft Landshut ist involviert. Erfahrene Kriminaler verhören den jungen Mann. Doch der schaltet auf stur. Vehement streitet er ab, der Erpresser des Münchner Maschinenhändlers zu sein. Heimo F. wandert in die Zelle. Der VW-Bus wird sichergestellt, er wartet im Hof der Wache auf die kriminaltechnische Untersuchung. Am Samstag findet dann ein Haftprüfungstermin statt. Die Nacht im Gewahrsam scheint den jungen Mann geläutert zu haben. Vor der Justiz räumt er ein, das Unternehmen aus Geldnot erpresst zu haben. Wie er auf den Betrieb gekommen ist, muss noch geklärt sein. Gearbeitet hatte er dort jedenfalls nicht. Heimo F. befindet sich in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess vor dem Landgericht Landshut. Angesichts früherer Konflikte mit dem Gesetz muss Heimo F. mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Von Hans Moritz

auch interessant

Meistgelesen

Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt

Kommentare